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Die Ausrottung einer Kultur

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Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine andere Politik gegenüber der Volksrepublik China, die erst durch massiven wirtschaftlichen Druck bereit sein wird, die Knechtschaft, unter der nicht nur Tibeter leiden, abzuschaffen.

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Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine andere Politik gegenüber der Volksrepublik China, die erst durch massiven wirtschaftlichen Druck bereit sein wird, die Knechtschaft, unter der nicht nur Tibeter leiden, abzuschaffen.

Am 23. Mai 1991 verabschiedete der amerikanische Senat eine Resolution, die Tibet - einschließlich der jetzt den chinesischen Provinzen Yunnan, Gansu, Qinghai und Sichuan angeschlossenen Gebiete - zu einem Staat erklärte, der sich wriderrecht-lich unter chinesischer Verwaltung befindet. Als rechtmäßige Vertreter Tibets sind der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung anzusehen. Tibet existierte vor der chinesischen Invasion 1950 als unabhängiger Staat. Praktische Folgen hatte die Resolution keine.

Unter dem Vorwand des Fortschritts wurden mehr als eine Million Tibeter getötet. Tausende Klöster zerstört, ganze Landstriche ethnisch gesäubert. Eine forcierte Zuwanderungspolitik soU verhindern, daß Tibet jemals wieder unabhängig werden kann.

Die Journalistin Mary Craig hat mit „Tränen über Tibet" ein Buch vorgelegt, daß den Völkermord und die Zerstörung einer einzigartigen Kultur beklemmend beschreibt Die Demütigungen, die Tibeter von Chinesen hinnehmen müssen, übersteigen bei weitem das übliche Ausmaß. Vergewaltigungen an Frauen (auch Nonnen), Tötungen von Kindern nach der Geburt, Zwangsabtreibungen und -Sterilisationen sind an der Tagesordnung. Daß Mönche und Nonnen zu öffentlichem Geschlechtsverkehr gezwungen werden, wollen sie mit dem Leben davonkommen, ist nur eine der vielen Scheußlichkeiten. Dazu gehört auch die Rufmord-Kampagne, daß der Dalai Lama andere Personen sexuell mißbrauche.

Durch Umsiedlungsaktionen und Vertreibungen vrarden Familien auseinandergerissen. Auch der Zwang, daß Tibeter Chinesen heiraten müssen, zeigt die Menschenverachtimg des kommunistischen Regimes.

Craig nennt namentlich Zeugen für alle diese Vorgänge. Sie zitiert Betroffene, die erleben mußten, daß ihr Haus zerstört wurde, um chinesischen Zuwanderern Platz zu machen. Elektrifizierung und Wasserleitungen werden für chinesische Zuwanderer errichtet, nicht jedoch für Tibeter.

Bewundernswert ist die Bereitschaft der Mehrheit der Tibeter zum gewaltlosen Widerstand, zu dem auch vom Dalai Lama ermuntert wird. Doch klarerweise wächst die Zahl derjenigen, die meinen, den Aggressoren könne nur mit der Waffe in der Hand entgegengetreten werden.

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