Niki Lauda - © Foto: APA/ Erwin Scheriau
Geschichte

"Niki Nationale" und die rasende Nüchternheit

1945 1960 1980 2000 2020
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Niki Laudas Charisma wird dieser Tage oft zitiert. Aber worin bestand es eigentlich? War es der Unfall vom Nürburgring? Das Überleben an sich? War es der Erfolg? Andere Menschen überleben auch spektakuläre Unfälle und feiern Siege. Wäre Lauda nur deshalb ein Held, er wäre einer unter anderen. Aber das ist nicht der Fall. Vielleicht war einer der Gründe für seine Unverwechselbarkeit, dass er Dinge in nicht nachahmbarer Weise originell und messerscharf auf den Punkt bringen konnte. Sein Denken war dabei nicht besonders karitativ geprägt. Es war ökonomisch. Wenn er sagte, "das rechnet sich für mich nicht", dann konnte man sicher sein, dass das mit zwingender Logik begründbar war. Wenn er hingegen Dinge sagte, wie "das war das Schlimmste, das ich je erlebt hatte", dann konnte man davon ausgehen, dass es ein wirklicher Horror war. In dieser Weise war Niki Lauda bis zur Schonungslosigkeit offen. Und in der Welt der kinetischen Helden der Rennpiste blieb er geradezu rasend nüchtern. Wenn es zu gefährlich war, brach er ab, Weltmeistertitel hin oder her. Und so war es auch mit dem Im-Kreis-Fahren. Ist schon lustig, aber für immer? Und so wurde aus Lauda, dem Rennfahrer, Lauda der Unternehmer und Lauda der "Niki Nationale". Als solcher war die Klarheit der Meinung dann stark zu spüren, wenn sie Politik kommentierte, deren besondere Charakteristik bekanntlich die Verwaschenheit ist. Das war aber nur die eine Seite des politischen Menschen Lauda. Es gab die andere, welche die Politiker für die eigenen Interessen benutzte, sonst hätte er sich nach seinen sportlichen Erfolgen nicht eine Airline aufbauen können, gegen den Widerstand der staatlichen Fluglinie AUA. Er tat dafür, was getan werden musste, auch unternehmensintern. Das war manchmal nicht lustig für jene, die dort arbeiteten. Er forderte von den Mitarbeitern, sie sollten stolz darauf sein, seinem Unternehmen anzugehören. Aber ein Freund der Betriebsräte war Niki Lauda nicht. Doch das ist nun nur noch historischer Kleinkram. Im Großen hat Lauda ein Land geprägt, das erst in den 70er-Jahren der Kriegszeit entwachsen ist. Udo Jürgens, Hans Krankl, Niki Lauda, Peter Handke, Bruno Kreisky, das war diese Generation. Am Montag ist Niki Lauda im Alter von 70 Jahren an den Folgen einer Lungentransplantation in Zürich gestorben.


Niki Laudas Charisma wird dieser Tage oft zitiert. Aber worin bestand es eigentlich? War es der Unfall vom Nürburgring? Das Überleben an sich? War es der Erfolg? Andere Menschen überleben auch spektakuläre Unfälle und feiern Siege. Wäre Lauda nur deshalb ein Held, er wäre einer unter anderen. Aber das ist nicht der Fall. Vielleicht war einer der Gründe für seine Unverwechselbarkeit, dass er Dinge in nicht nachahmbarer Weise originell und messerscharf auf den Punkt bringen konnte. Sein Denken war dabei nicht besonders karitativ geprägt. Es war ökonomisch. Wenn er sagte, "das rechnet sich für mich nicht", dann konnte man sicher sein, dass das mit zwingender Logik begründbar war. Wenn er hingegen Dinge sagte, wie "das war das Schlimmste, das ich je erlebt hatte", dann konnte man davon ausgehen, dass es ein wirklicher Horror war. In dieser Weise war Niki Lauda bis zur Schonungslosigkeit offen. Und in der Welt der kinetischen Helden der Rennpiste blieb er geradezu rasend nüchtern. Wenn es zu gefährlich war, brach er ab, Weltmeistertitel hin oder her. Und so war es auch mit dem Im-Kreis-Fahren. Ist schon lustig, aber für immer? Und so wurde aus Lauda, dem Rennfahrer, Lauda der Unternehmer und Lauda der "Niki Nationale". Als solcher war die Klarheit der Meinung dann stark zu spüren, wenn sie Politik kommentierte, deren besondere Charakteristik bekanntlich die Verwaschenheit ist. Das war aber nur die eine Seite des politischen Menschen Lauda. Es gab die andere, welche die Politiker für die eigenen Interessen benutzte, sonst hätte er sich nach seinen sportlichen Erfolgen nicht eine Airline aufbauen können, gegen den Widerstand der staatlichen Fluglinie AUA. Er tat dafür, was getan werden musste, auch unternehmensintern. Das war manchmal nicht lustig für jene, die dort arbeiteten. Er forderte von den Mitarbeitern, sie sollten stolz darauf sein, seinem Unternehmen anzugehören. Aber ein Freund der Betriebsräte war Niki Lauda nicht. Doch das ist nun nur noch historischer Kleinkram. Im Großen hat Lauda ein Land geprägt, das erst in den 70er-Jahren der Kriegszeit entwachsen ist. Udo Jürgens, Hans Krankl, Niki Lauda, Peter Handke, Bruno Kreisky, das war diese Generation. Am Montag ist Niki Lauda im Alter von 70 Jahren an den Folgen einer Lungentransplantation in Zürich gestorben.