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Feuilleton

"Glaub nicht an das Winkelmaß"

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Von Erzählwut durchdrungen: So beschrieb sich Arik Brauer einmal in einem Interview. Diesen Wesenszug konnte der vielseitige Künstler, der dieser Tage seinen 85. Geburtstag feierte, voll ausleben: Die phantasievollen Gemälde des gebürtigen Wieners gehen über vor Details, bisweilen malt er mit Hilfe eines Vergrößerungsglases. Und in den 1970er-Jahren lauschte ein breites Publikum seinen ebenso lyrischen wie zornigen Songs, die auf unnachahmliche Weise ein Unbehagen an der Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

Aufgewachsen als Straßenjunge im damaligen Arbeiterbezirk Ottakring, überlebte der am 4. Jänner 1929 als Erich Brauer geborene Sohn eines jüdischen Handwerkers den Nazi-Terror als U-Boot. Unmittelbar nach Kriegsende begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste, wo er auf Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden traf, die gemeinsam die Wiener Schule des Phantastischen Realismus ins Leben riefen. Damit bezog Brauer eine klare Gegenposition zur Moderne, was ihm und seinen Mitstreitern zwar Erfolg beim internationalen Publikum, aber Geringschätzung seitens der Kunstszene einbrachte. Dafür war er auf einem anderen Gebiet auf der Höhe der Zeit: Mit Protestliedern im Wiener Dialekt ("Sie hab'n a Haus baut","Sein Köpferl im Sand") traf er den Zeitgeist der sich entwickelten Ökologiebewegung, zugleich gilt er als einer der Väter des Austropop. Ein Lied über seinen nationalsozialistischen Volksschullehrer ("Surmi Sui"), brachte ihm sogar Todesdrohungen ein. Doch Brauer verstand sich in erster Linie als Maler, nicht als Sänger, und entzog sich dem Musikbusiness und seinen Anforderungen.

Bereits in den 1960er-Jahren beschäftigte sich Brauer mit Architektur, als er für sich ein Wohnhaus in Israel errichtete, und entwickelte dabei ein ähnliches anti-modernes Verständnis wie sein Freund Friedensreich Hundertwasser: "Glaub nicht an das Winkelmaß" hatte er 1968 gesungen. In den 1990er-Jahren wandte er sich dann verstärkt dem Bauwesen zu: Es entstand das von ihm entworfene Brauer-Haus in Wien, auch bemalte er die Fassaden mehrerer anderer Gebäude, etwa der Kirche am Tabor in Wien. Für Haifa gestaltete er ein Kultur-und Einkaufszentrum, für das er auch über 500 Quadratmeter große Wandgemälde mit Motiven aus dem Alten Testament schuf, das für Brauer "ein Menschheitskunstwerk allerersten Ranges" ist, wie er einmal erklärte: Darin stecke ein großer phantastischer Realismus.

Von Erzählwut durchdrungen: So beschrieb sich Arik Brauer einmal in einem Interview. Diesen Wesenszug konnte der vielseitige Künstler, der dieser Tage seinen 85. Geburtstag feierte, voll ausleben: Die phantasievollen Gemälde des gebürtigen Wieners gehen über vor Details, bisweilen malt er mit Hilfe eines Vergrößerungsglases. Und in den 1970er-Jahren lauschte ein breites Publikum seinen ebenso lyrischen wie zornigen Songs, die auf unnachahmliche Weise ein Unbehagen an der Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

Aufgewachsen als Straßenjunge im damaligen Arbeiterbezirk Ottakring, überlebte der am 4. Jänner 1929 als Erich Brauer geborene Sohn eines jüdischen Handwerkers den Nazi-Terror als U-Boot. Unmittelbar nach Kriegsende begann er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste, wo er auf Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden traf, die gemeinsam die Wiener Schule des Phantastischen Realismus ins Leben riefen. Damit bezog Brauer eine klare Gegenposition zur Moderne, was ihm und seinen Mitstreitern zwar Erfolg beim internationalen Publikum, aber Geringschätzung seitens der Kunstszene einbrachte. Dafür war er auf einem anderen Gebiet auf der Höhe der Zeit: Mit Protestliedern im Wiener Dialekt ("Sie hab'n a Haus baut","Sein Köpferl im Sand") traf er den Zeitgeist der sich entwickelten Ökologiebewegung, zugleich gilt er als einer der Väter des Austropop. Ein Lied über seinen nationalsozialistischen Volksschullehrer ("Surmi Sui"), brachte ihm sogar Todesdrohungen ein. Doch Brauer verstand sich in erster Linie als Maler, nicht als Sänger, und entzog sich dem Musikbusiness und seinen Anforderungen.

Bereits in den 1960er-Jahren beschäftigte sich Brauer mit Architektur, als er für sich ein Wohnhaus in Israel errichtete, und entwickelte dabei ein ähnliches anti-modernes Verständnis wie sein Freund Friedensreich Hundertwasser: "Glaub nicht an das Winkelmaß" hatte er 1968 gesungen. In den 1990er-Jahren wandte er sich dann verstärkt dem Bauwesen zu: Es entstand das von ihm entworfene Brauer-Haus in Wien, auch bemalte er die Fassaden mehrerer anderer Gebäude, etwa der Kirche am Tabor in Wien. Für Haifa gestaltete er ein Kultur-und Einkaufszentrum, für das er auch über 500 Quadratmeter große Wandgemälde mit Motiven aus dem Alten Testament schuf, das für Brauer "ein Menschheitskunstwerk allerersten Ranges" ist, wie er einmal erklärte: Darin stecke ein großer phantastischer Realismus.