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Graues Dasein, ganz farbig

Feurig am Dach: Philippe Le Guays Komödie "Nur für Personal“ zeigt das Aufeinanderprallen des Pariser Bürgertums mit dem heiter-spaßigen Leben der Unterschicht.

Aufeinanderprallende Welten, Werte, Epochen, und das alles in nur einem einzigen Haus. In einem klassizistischen Bürgerhaus im Paris der 60er Jahre, zur Regierungszeit von General de Gaulle, um genau zu sein. Dort, wo sich in den großzügigen Wohnungen das piekfeine Bürgertum häuslich eingerichtet hat, um hinter seiner teuren Meublage versteckt den Revolutionsgeist zu verschlafen, der sich draußen auf den Straßen langsam ankündigt.

"Nur für Personal“ des Franzosen Philippe Le Guay spielt mit dieser Idee der stockkonservativen Engstirnigkeit des Pariser Bürgertums, wenngleich die Komödie nicht im Sinn hat, ein Lehrstück über die Differenzen zwischen Bürgertum und Proletariat zu sein.

Zwischen Bürgertum und Proletariat

Jedoch köchelt Le Guay hier eine Melange aus ebendiesen Zutaten: Der arrogante Vermögensverwalter Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini) entlässt nach 20 Jahren seine treue Haushälterin, der die junge Spanierin Maria (Natalia Verbeke) nachfolgt. Überhaupt drängen zu dieser Zeit überall spanische Gastarbeiter nach Paris und die Frauen teilen das Haushälterinnengewerbe unter sich auf. Maria ist, wie die anderen lebenslustigen, heißblütigen Frauen, im Dachgeschoß des noblen Hauses untergebracht. Dort wohnt es sich auf acht Quadratmetern zwar bescheiden, aber wer über überschwängliche Lebenslust verfügt, der macht selbst aus einem so kargen Leben eine andauernde Party.

Joubert will gerne mitfeiern, weil er sich in Maria verliebt hat. Denn die ist - im krassen Gegensatz zu Jouberts unterkühlter Ehefrau (Sandrine Kiberlain) - endlich einmal das, wovon der spießige Großbürger niemals zu Träumen gewagt hätte: Maria strotzt vor Herzlichkeit und Energie, und bald schon wird Joubert ebenfalls im Dachgeschoß wohnen, ausgezogen aus der ehelichen Wohnung und gar nicht so sehr seinen alten Komfort vermissend.

"Nur für Personal“ funktioniert als witzig-temporeiche Culture-Clash-Komödie ebenso wie als genaue und pointierte Beschreibung einer Zeit, in der die Grenzen in den Köpfen verkrusteter Bürgerlichkeit gerade erst aufzubrechen begannen. Regisseur Le Guay nimmt sich viel Zeit für die Ausgestaltung seiner Figuren; er zeichnet Joubert mit Hilfe des souveränen Fabrice Luchini als allürenhaften Großkotz mit Herz, und stellt ihm eine Armada froher junger Frauen gegenüber, die ihm allein mit ihrer Geselligkeit eine ganz neue Welt eröffnen. Natürlich spricht der Subtext des Films vom Klassenkampf oder vom Bürgerkrieg, niemals jedoch nimmt sich "Nur für Personal“ als Sozialstudie aus, denn dafür ist die turbulente Handlung viel zu sehr um eine pointenreiche Zuspitzung bemüht: Klischees gehören zur Komödie, denn nur dann lässt sich über sie lachen. Auch in seinen wenigen sozialkritischen Momenten geht es dem Film daher weniger um Kritik, als vielmehr darum, zu zeigen, wie auch ein an sich graues Dasein mit Farbe gefüllt werden kann.

Nur für Personal (Les femmes du 6ème étage)

F 2010 Regie: Philippe Le Guay. Mit Fabrice Luchini, Sandrine Kiberlain, Carmen

Maura. Filmladen. 106 Min. Ab 16.12.

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