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Große Oper als Kammerspiel

Hat Tatjana ihren späteren Gatten, Fürst Gremin, schon gekannt, als sie erstmals mit Eugen Onegin zusammentraf? Auch das suggeriert die jüngste Produktion von Peter I. Tschaikowskys dreiaktigen Lyrischen Szenen "Eugen Onegin". In der Wiener Kammeroper bekommt man eine Kammerversion von Tschaikowskys Oper nach Puschkins gleichnamigem Versroman serviert. Um eine Stunde kürzer als gewohnt, die drei Akte zu einem zusammengeführt. Und auch mit weniger Protagonisten.

Unkonventioneller Stückzugang

Was eben dazu führt, dass Gremin schon ganz zu Beginn als Gast am Landgut der Larins auftaucht, später als Sekundant Lenskis. Dafür hat die Regie - der an der Kammeroper debütierende Amerikaner Ted Huffman - zu Tatjana, Olga, Eugen Onegin und Lenski eine in der Partitur nicht vorgesehene Figur hinzugefügt: einen Schauspieler. Und er, dargestellt von Paul Engel, hat auch alle Hände voll zu tun, um die in der hinteren Bretterwand (Ausstattung: S. Blak) versteckte Türe zu öffnen und zu schließen, Requisiten daraus zu holen, den Protagonisten beim Ankleiden zu helfen, ihnen beim Duell zu assistieren oder Luster herbeizuschaffen, um die jeweiligen Atmosphären zumindest anzudeuten.

Immerhin ein dem knappen Ambiente geschuldeter, wenn auch unkonventioneller Stückzugang mit einem lautstarken Lenski (V. Dmitruk), einem etwas steifen Onegin (T. Greenhalgh), einer emphatischen Tatjana (V. Bakan) und rollendeckenden Olga (N. Kawalek-Plewniak) sowie einem nicht alle Möglichkeiten seines Basses auslotenden Gremin (C. Seidl), assistiert vom Wiener KammerOrchester, das die von Jonathan Lyness reduzierte Orchesterfassung unter Peter Valentovic solide realisiert.

Eugen Onegin

Theater an der Wien, Kammeroper

4,6., 8., 10.13., 19., 22., 25., 28.10.

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