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Feuilleton

Großeltern und Enkel fragen

1945 1960 1980 2000 2020

Für die der Schoa entronnenen Großeltern schwer zu verstehen: In "Back to the Fatherland" gehen Kat Rohrer und Gil Levanon drei jungen Israelis nach, die in Deutschland und Österreich leben (wollen).

1945 1960 1980 2000 2020

Für die der Schoa entronnenen Großeltern schwer zu verstehen: In "Back to the Fatherland" gehen Kat Rohrer und Gil Levanon drei jungen Israelis nach, die in Deutschland und Österreich leben (wollen).

Dokumentarfilme mit und über Zeitzeugen der Schoa gibt es mittlerweile zuhauf -und ob der Tatsache, dass die Zeuginnen und Zeugen immer weniger werden, ist das auch gut so: Film kann zum Gedächtnis werden, das Erinnerungen an eine Zeit, die niemals aus dem Gedächtnis der Welt verschwinden sollte, wachhält.

Diese Dimension trifft auch der Dokumentarfilm "Back to the Fatherland" von Kat Rohrer und Gil Levanon. Denn die Großmutter von Dan, eines der Protagonisten des Films, wird von der Kamera in Israel ebenso wie bei einer Reise in ihre Heimatstadt Wien begleitet. Die 91-jährige Lea Ron Peled ist mittlerweile verstorben - und der Film ihr gewidmet, wie der Abspann verrät.

Dabei liegt der Fokus von "Back to the Fatherland" nur zum Teil auf den noch lebenden Zeitzeugen. Denn Kat Rohrer, Wienerin und Enkelin der NS-Tätergeneration, sowie Gil Levanon, Israelin und Enkelin von Schoa-Überlebenden, gehen der Frage nach, wie weit die Ereignisse zwischen 1938 und 1945 in der Enkelgeneration nachwirken. Ein interessantes Projekt, das für sich sprechende Erkenntnisse zeitigte.

Oben erwähnter Dan ist ein junger israelischer Bildhauer, der nach Berlin gezogen ist. Regisseurin Gil selber versucht ihrem Großvater Yochanan klarzumachen, dass sie nach Berlin ziehen will. Und der ebenfalls junge Dan übersiedelt zu seiner Freundin nach Salzburg.

Gleich mehrere Ebenen beleuchtet der Film anhand der Geschichte der drei "Jungen": In Israel zu leben ist für politisch wache Angehörige der Mittelschicht zunehmend schwer. Die Polarisierung der Gesellschaft, der Rechtsruck im Land, das Verschwinden der Mittelschicht weckt bei vielen jungen Israelis den Wunsch, anderswohin zu gehen.

Ausgerechnet ins Land der Täter ziehen?

Aber ausgerechnet nach Österreich oder Deutschland, ins Land der Täter? In Israel und den Familien ist das schwer vermittelbar. Aber auch hier sind die Reaktionen individuell: Großvater Yochanan will und kann die Pläne seiner Enkelin Gil, nach Berlin zu gehen, nicht verstehen. Dagegen unterstützt Uri, der 15 Jahre alt war, als er aus dem Konzentrationslager Theresienstadt befreit wurde, seinen Enkel Guy voll. Und Dan, der Bildhauer, lässt sich mit seinem Vater von Großmutter Lea eben Wien zeigen (Bild oben) - und ist erstaunt, wie versöhnlich die Begegnung der Vertriebenen mit ihrer Heimatstadt wird.

"Back to the Fatherland" ist ein schnörkelloser Film, der die Erfahrungen der alten Israelis, die vor acht Jahrzehnten aus ihrer Heimat geworfen wurden, mit den Beweggründen und Hoffnungen der jungen, die nun in Deutschland oder Österreich Fuß fassen wollen, in Dialog bringt. Ebenso spannend ist aber die Auseinandersetzung mit Täterenkelin Kat, die -auch angesichts der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen - ähnliche Fragen wie die Schoa-Überlebenden stellt: Wie kann sie heute unbekümmert in Wien oder Berlin leben?

Auf diese Weise wird das alte Thema, wie mit der Last der Schoa umgehen, in eine aktuelle Perspektive transferiert. Die Jahrzehnte haben die Blicke verändert und auf allen Seiten Fragen aufbrechen lassen. Dass Täter-Nachkommin Kat danach fragt, wie man als junger Israeli einen Deutschen Schäferhund besitzen kann, ist nur eine der Facetten, die "Back to The Fatherland" bereithält.

Mit Anneliese Rohrer, Mutter von Kat und Grande Dame der österreichischen Journalistik, die das Buch zum Film verfasst hat, ist auch die zweite "Tätergeneration" mit im Boot des Projekts. Ein Film wie ein Mosaikstein in einer fortdauernden Auseinandersetzung -ein kleiner neuer Zugang, der im Gedenkjahr 2018 zu Recht ins Kino kommt.

Dokumentarfilme mit und über Zeitzeugen der Schoa gibt es mittlerweile zuhauf -und ob der Tatsache, dass die Zeuginnen und Zeugen immer weniger werden, ist das auch gut so: Film kann zum Gedächtnis werden, das Erinnerungen an eine Zeit, die niemals aus dem Gedächtnis der Welt verschwinden sollte, wachhält.

Diese Dimension trifft auch der Dokumentarfilm "Back to the Fatherland" von Kat Rohrer und Gil Levanon. Denn die Großmutter von Dan, eines der Protagonisten des Films, wird von der Kamera in Israel ebenso wie bei einer Reise in ihre Heimatstadt Wien begleitet. Die 91-jährige Lea Ron Peled ist mittlerweile verstorben - und der Film ihr gewidmet, wie der Abspann verrät.

Dabei liegt der Fokus von "Back to the Fatherland" nur zum Teil auf den noch lebenden Zeitzeugen. Denn Kat Rohrer, Wienerin und Enkelin der NS-Tätergeneration, sowie Gil Levanon, Israelin und Enkelin von Schoa-Überlebenden, gehen der Frage nach, wie weit die Ereignisse zwischen 1938 und 1945 in der Enkelgeneration nachwirken. Ein interessantes Projekt, das für sich sprechende Erkenntnisse zeitigte.

Oben erwähnter Dan ist ein junger israelischer Bildhauer, der nach Berlin gezogen ist. Regisseurin Gil selber versucht ihrem Großvater Yochanan klarzumachen, dass sie nach Berlin ziehen will. Und der ebenfalls junge Dan übersiedelt zu seiner Freundin nach Salzburg.

Gleich mehrere Ebenen beleuchtet der Film anhand der Geschichte der drei "Jungen": In Israel zu leben ist für politisch wache Angehörige der Mittelschicht zunehmend schwer. Die Polarisierung der Gesellschaft, der Rechtsruck im Land, das Verschwinden der Mittelschicht weckt bei vielen jungen Israelis den Wunsch, anderswohin zu gehen.

Ausgerechnet ins Land der Täter ziehen?

Aber ausgerechnet nach Österreich oder Deutschland, ins Land der Täter? In Israel und den Familien ist das schwer vermittelbar. Aber auch hier sind die Reaktionen individuell: Großvater Yochanan will und kann die Pläne seiner Enkelin Gil, nach Berlin zu gehen, nicht verstehen. Dagegen unterstützt Uri, der 15 Jahre alt war, als er aus dem Konzentrationslager Theresienstadt befreit wurde, seinen Enkel Guy voll. Und Dan, der Bildhauer, lässt sich mit seinem Vater von Großmutter Lea eben Wien zeigen (Bild oben) - und ist erstaunt, wie versöhnlich die Begegnung der Vertriebenen mit ihrer Heimatstadt wird.

"Back to the Fatherland" ist ein schnörkelloser Film, der die Erfahrungen der alten Israelis, die vor acht Jahrzehnten aus ihrer Heimat geworfen wurden, mit den Beweggründen und Hoffnungen der jungen, die nun in Deutschland oder Österreich Fuß fassen wollen, in Dialog bringt. Ebenso spannend ist aber die Auseinandersetzung mit Täterenkelin Kat, die -auch angesichts der jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen - ähnliche Fragen wie die Schoa-Überlebenden stellt: Wie kann sie heute unbekümmert in Wien oder Berlin leben?

Auf diese Weise wird das alte Thema, wie mit der Last der Schoa umgehen, in eine aktuelle Perspektive transferiert. Die Jahrzehnte haben die Blicke verändert und auf allen Seiten Fragen aufbrechen lassen. Dass Täter-Nachkommin Kat danach fragt, wie man als junger Israeli einen Deutschen Schäferhund besitzen kann, ist nur eine der Facetten, die "Back to The Fatherland" bereithält.

Mit Anneliese Rohrer, Mutter von Kat und Grande Dame der österreichischen Journalistik, die das Buch zum Film verfasst hat, ist auch die zweite "Tätergeneration" mit im Boot des Projekts. Ein Film wie ein Mosaikstein in einer fortdauernden Auseinandersetzung -ein kleiner neuer Zugang, der im Gedenkjahr 2018 zu Recht ins Kino kommt.