Handfestes über Elisabeth

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Ein Buch, das fast alle Fragen über Leben und Reisen der exzentrischen Kaiserin beantwortet.

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Ein Buch, das fast alle Fragen über Leben und Reisen der exzentrischen Kaiserin beantwortet.

Ein fester Punkt im Meer der Sisi-Literatur, das heuer mit Riesenwellen gegen die Schaufenster der Buchhandlungen schlägt: "Elisabeth - Stationen ihres Lebens", herausgegeben von Brigitte Hamann und Elisabeth Hassmann. Etliche Autorinnen und Autoren haben an diesem Buch ohne Spekulationen und ohne k.u.k. Nostalgiezucker mitgearbeitet. Es ist komprimiert, vollgepackt mit handfester Information.

Welche Räume hat die Kaiserin in der Hofburg bewohnt? Welche in Schönbrunn? Ist sie tatsächlich mit dem Pferd durch eine Holzbrücke gebrochen? Ist es wahr, daß sie in Männerkleidung ausritt? Stimmt es, daß der Kaiser oft erst aus der Zeitung erfuhr, wo sie sich aufhielt? (Die Antwort lautet: Ja.) Und wo war es bloß, daß für sie eine eigene Badehütte aufgestellt wurde, von der ein mit Tüchern verhängter Gang zum Meer führte, damit sie von Blicken unbehelligt ins Wasser gelangen konnte?

Vor allem aber: Wo hielt sie sich auf, wann hielt sie sich dort auf, und wie lange? Elisabeths sprunghafte Reiselust ist legendär. Auch die Tatsache, daß sie sich fast überall besser fühlte als in der Wiener Hofburg, ist legendär. Daß sie hier so gut wie nie anzutreffen war, ist freilich Legende. Robert Holzschuh erarbeitete für das Buch eine genaue, graphisch ebenso ansprechend wie übersichtlich visualisierte Chronologie der Aufenthalte. Dabei registrierten die Beteiligten selbst mit Erstaunen, wie wenig an dem bereits von den Zeitgenossen erhobenen Vorwurf, die Kaiserin meide Wien, dran war: Sisi verbrachte von ihrer Heirat bis zum Tod rund drei Viertel ihres Lebens in Österreich und Ungarn, und davon wiederum die Hälfte, volle 17 Jahre, in Wien.

Das schmale Buch ist wie ein anspruchsvoller Reiseführer aufgemacht und ebenso reichhaltig wie ansprechend illustriert. Es ist ein kompaktes, verläßliches Nachschlagewerk über alle Details dieses Lebens, zugleich aber auch gut und flüssig geschrieben.

Dabei tritt die Exzentrizität der Kaiserin zwar im vollen Ausmaß in Erscheinung, wird aber doch in einigen Punkten relativiert. Immerhin stimmt es, daß sie mit ihrer Vorliebe für Stürme und hohe, die Decks überflutende Wellen die Offiziere der Yachten Miramar und Greif öfter in schwere Zwangslagen brachte und bei anderer Gelegenheit die Maschinen gestoppt werden mußten, damit das Wasser nicht aus der kaiserlichen Badewanne schwappte. Hingegen war das gewaltige Gefolge, mit dem sie reiste, bevor sie zum anderen Extrem überging, in Anbetracht ihres Ranges etwas Notwendiges und Normales. Ein ausgezeichnetes Buch voll kaum bekannter Fakten!

ELISABETH - STATIONEN IHRES LEBENS Herausgegeben von Brigitte Hamann und Elisabeth Hassmann Christian Brandstätter, Wien 1998 160 Seiten, viele Bilder, öS 248,

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