Ursprünglich wollte das Konzil eine eigene Erklärung über das Verhältnis der röm. kath. Kirche zum Volk Israel verabschieden. Dramatische politische Interventionen haben das verhindert, sodass schließlich ein Dokument "Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" entstand. Positiv ist, dass damit das interreligiöse Gespräch breiter umschrieben wurde. Negativ aber war, dass nun zu wenig deutlich wird, dass das Verhältnis der Kirche zum Judentum einzigartig ist. Und das hat viele Gründe.

Die Kirche Jesu Christi findet die Anfänge ihres Glaubens schon bei den Patriarchen und Propheten. Vom auserwählten Volk empfing sie die Offenbarung des Alten Bundes. Jesus Christus war ein Jude, genauso wie seine Mutter, die Apostel und die meisten in der Jüngerschar. Und wenn Jesus von der "Schrift" sprach, war es die hebräische Bibel. Das Bundesvolk Jahwes ist auch heute noch, wie uns Paulus lehrt, von Gott geliebt, weil seine Gnadengaben und Berufungen unwiderruflich sind.

Solche Aussagen waren längst fällig, weil eine der Wurzeln des Antijudaismus, der bis zum furchtbaren Holocaust führte, aus dem Christentum kam, ja sogar theologisch begründet erschien. Darum beklagt das Konzil - leider viel zu spät - alle Hassausbrüche und Verfolgungen, wo und wann sie immer geschahen.

Am 13. April 1986 fasste Johannes Paul II bei seinem Besuch in der Hauptsynagoge von Rom die Lehre des Konzils zusammen. "Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas Äußerliches', sonder gehört in gewisser Weise zum Inneren' unserer Religion. Zu ihr haben wir Beziehungen, wie zu keiner anderen Religion." Und zu den anwesenden Vertretern der jüdischen Gemeinde sagte er: "Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder'"

Weihbischof Krätzl erlebte das II. Vatikanum als Konzilsstenograf.

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