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Feuilleton

In Trost- und Hoffnungslosigkeit suhlen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Highways, Wüste und ein Himmel so weit wie die menschliche Seele: In die mythenschwangere Landschaft des einstigen Wilden Westens schickt Regisseurin Fabienne Berthaud die Protagonistin ihres Filmes "Sky - Der Himmel in mir".

Es ist ein französischer Autoren-und Frauenfilm, wie ihn Cineasten lieben und weniger anspruchssüchtige Filmfreunde fürchten: Die Reise in die USA ist für Romy (Diane Krüger) und ihren Mann (Gilles Lelouche) der letzte Versuch, die durch mehrere Fehlgeburten und gegenseitige Entfremdung zerrüttete Ehe zu retten.

Das kann natürlich nicht klappen. Als der Rüpel seine Frau im Suff zu vergewaltigen versucht, schlägt diese ihn mit der Nachttischlampe nieder und ergreift die Flucht.

Sie landet zunächst in Las Vegas und arbeitet dort als billige Touristenattraktion, wirft sich dem erstbesten Mann im Cowboyhut an den Hals und zieht mit ihm in eine trostlose Gegend, wo sich "White Trash" und amerikanische Ureinwohner Gute Nacht sagen.

Der Wildhüter Diego (Norman Reedus) ist im Grunde keine schlechte Wahl, leider aber hustet sich der im Irak-Veteran dem Tod entgegen und will sich daher auf keine tiefere Bindung einlassen. Dass er im Krieg verstrahlt wurde, ist auch nicht gerade eine gute Voraussetzung für Romys unerwartete Schwangerschaft.

In aller Tristesse rare Momente

Mit anderen Worten: ein französischer Problemfilm par excellence. Zugegeben, man schaut der wunderschönen Diane Krüger gerne zu, wenn sie sich zwischen all der Tristesse einige rare Momente des Glücks erkämpft und auch Norman Reedus ist großartig in der Rolle des sensiblen Raubeins, das er auch in "The Walking Dead" gibt.

Berührend ist auch die Episode, in der die gealterte Animierdame Charlene (Laurene Landon) kurzzeitig glaubt, in Romy eine Freundin gefunden zu haben, nur um dann doch wieder in jenes Loch zurückzufallen, zu dem ihr Leben schon seit Langem geworden ist. Aber es bleibt die Frage: Warum um Himmels Willen macht man einen Film, der über eineinhalb Stunden lang praktisch nichts anderes tut, als sich in Trost- und Hoffnungslosigkeit zu suhlen?

Und der dann in der letzten Minute - Achtung: Spoiler - seinen eigenen Ungeist auch noch verrät, indem er mit einer allem Vorhergehenden entgegengesetzten und ziemlich antiemanzipatorischen Botschaft daherkommt: Die Lösung aller Probleme ist das Mutterglück. Madre Mia!

Sky - Der Himmel in mir (Sky)

F/D 2016. Regie: Fabienne Berthaud. Mit Diane Krüger, Norman Reedus, Lena Dunham. Thimfilm. 100 Min.