Innenbilder, Außenbilder und ein Selbstbildnis aus 36 Gurkerln

Auch nach Ende der Festspiele lockt das Salzburger Museum der Moderne mit dem Rupertinum in der Altstadt sowie dem Museum auf dem Mönchsberg Kunstliebhaber: Mit Daniel Richters Bildern und Elfie Semotans Künstlerfotos am einen Standort, mit Erwin Wurms Installation und Max Ernst Bildwelten am anderen.

Die heurigen Salzburger Festspiele sind zwar vorbei, die großen Ausstellungen des Rupertinums bzw. des Museums der Moderne am Mönchsberg aber zur Freude der Kunstliebhaber noch nicht. Im Zentrum des Interesses steht heuer der deutsche Shootingstar Daniel Richter, nicht zuletzt durch sein spektakuläres Bühnenbild für die Salzburger „Lulu“. Ein Modell sowie Fotografien, die backstage während der Arbeit an diesem Bühnenraum entstanden sind, sind im Rupertinum zu sehen, genauso wie 100 kleinformatige Bilder, deren Titel „The Black Saint and the Sinner Lady“ bereits die intensive Auseinandersetzung des 48-jährigen Künstlers mit der Figur der männermordenden Lulu verrät.

Diese Bilder sind spontan hingeschriebene Zustandsbilder von sich und der Welt, wobei Richter unverhüllt lustvoll in der malerischen Trickkiste von Surrealismus und Symbolismus wühlt, genauso wie er sich der Ästhetik von Comics und Graffitis bedient. Viel Angst ist in diesen oft düsteren Bildern kunstvoll vermalt, teuflische Wesen genauso wie dumpfe Supermänner tauchen in diesen zwischen Traum und Wirklichkeit angesiedelten Szenarien auf, deren verstörerisches Potenzial von großer Suggestionskraft ist (bis 17. Oktober).

Todernst in die Kamera geblickt

Vor eines dieser Bilder hat Elfie Semotan Daniel Richter gestellt, um ihn zu fotografieren. Das Produkt ist eines von 60 intensiven Künstlerporträts, die die Grand Dame der österreichischen Fotografie ebenfalls im Rupertinum zeigt. Am liebsten fotografiert Semotan die Künstler in ihrem privaten Umfeld oder in ihren Ateliers. Enttarnt sie als ganz normale Menschen, getrieben von Eitelkeiten, teilweise skurrilen Marotten, der Scheu, sich preiszugeben. Neben internationalen Malerstars wie Jonathan Meese, Maria Lassnig, Bruno Gironcoli oder Louise Bourgeois hat Semotan auch konzeptuell in Schwarzweiß gehaltene Porträts österreichischer Künstler gestaltet, die meist todernst in die Kamera blicken (bis 24. Oktober).

Das prächtige Salzburger Museum der Moderne am Mönchsberg ist der ideale Rahmen für Erwin Wurms „Selbstporträt als Essiggurkerl“. Dieses ist 36-teilig und besteht aus in Acryl gegossenen und hyperrealistisch bemalten Gurken unterschiedlichster Größe und Form, die der umtriebige Steirer jeweils auf einen weißen Sockel gestellt hat, um beim Besucher die unterschiedlichsten Reaktionen zu provozieren. Der von so viel Kunst hungrig Gewordene mag eine Wurstsemmel mit Gurkerl visionieren, bei anderen dürften sich angesichts des stramm sich reckenden Gemüses fleischliche Gelüste anderer Art regen (bis 10. Oktober).

Kontrastprogramm nebenan: Hier gibt es eine Begegnung mit dem großen Surrealisten Max Ernst, bestückt zum größten Teil mit collagierten Grafikzyklen aus der Sammlung Würth, die im Zusammenhang mit seinen illustrierten Künstlerbüchern entstanden sind. „Albtraum und Befreiung“ ist der Titel der Schau, für die der Besucher viel Zeit mitbringen muss, um sich auf die verwirrend-verstörenden Bildwelten von Max Ernst einlassen zu können (bis 3. Oktober).

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau