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Je früher erkannt, desto weniger Schäden

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Diabetes, eine weitverbreitete Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft, wird sehr oft zu spät erkannt. Dabei könnte eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung viel Leiden vermeiden helfen.

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Diabetes, eine weitverbreitete Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft, wird sehr oft zu spät erkannt. Dabei könnte eine rechtzeitig eingeleitete Behandlung viel Leiden vermeiden helfen.

Die Zuckerkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen in zivilisierten Ländern. In Österreich ist bereits jeder Vierzigste betroffen, also rund 210.000 Menschen. Extremer Durst, starker Harndrang und Gewichtsverlust sind typische Anzeichen für Typ-I-Diabetes, der hauptsächlich bei Jugendlichen auftritt. Die Mehrzahl der Diabetiker, rund 80 Prozent, leidet jedoch an der im Volksmund genannten Altersdiabetes, auch Typ-II genannt.

Altersdiabetes nimmt stark zu. Ärzte rechnen mit einer Verdoppelung der Erkrankungsfälle bis zum Jahre 2010. Den Grund dafür sieht der Arzt Harald Berger, Präsident der Oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmediziner, in den guten Lebensbedingungen der Industrieländer. "Durch das Überangebot von Nahrung und durch Bewegungsmangel steigt die Zahl der Erkrankungen", so Berger.

Das Problem bei der Typ-II-Diabetes ist, daß die Krankheit oft jahrelang von den Betroffenen nicht erkannt wird. "Altersdiabetes merkt man in den ersten fünf bis zehn Jahren gar nicht, außer bei einer Gesundenuntersuchung", erklärt Berger.

Die Möglichkeit der Gesundenuntersuchung wird allerdings von weniger als zehn Prozent der Bevölkerung angenommen, obwohl jeder Österreicher ab dem 18. Lebensjahr darauf Anspruch hätte.

Nach etwa zwölf Jahren macht sich die Altersdiabetes durch Müdigkeit, Durstgefühl, Harndrang und Infektionen, die sehr schlecht heilen, bemerkbar. "Zu diesem Zeitpunkt hat der Erkrankte aber bereits Gefäßschädigungen", warnt Berger. Nierenversagen, Erblinden, Herzinfarkt, Schlaganfall, der "diabetische Fuß" und ein völliges Versagen des Schmerzempfindens können die Folgen sein.

Gut wäre es daher, wenn die Diagnose so früh als möglich gestellt werden kann, etwa zwischen dem fünfundvierzigsten und sechzigsten Lebensjahr. "Ein engagiertes Frühdiagnosesystem und ein strukturiertes Langzeitmanagement kann den Patienten viel Leid und dem Gesundheitssystem hohe Kosten ersparen", unterstreicht Peter Grafinger von der oberösterreichischen Diabetologenrunde bei einem Frühlingskongreß in Oberösterreich zum Thema "Diabetes - die Wichtigkeit der Früherkennung und einer verbesserten Diabetikerbetreuung".

Bei der Diagnose Diabetes müssen Betroffene dann meist von vielen Eß- und Lebensgewohnheiten Abschied nehmen. Dafür bieten Ärzte Schulungen an, die den Erkrankten helfen, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Als weiteres Angebot wird in den kommenden Wochen ein Diabetikerpaß in Österreich eingeführt, in dem alle Daten des Erkrankten eingetragen werden.

Im Zuge der Therapie vereinbart der Hausarzt mit dem Patienten auch ein Behandlungsziel. "Das kann etwa so ausschauen, daß der Blutzuckerspiegel, das Gewicht oder der Blutdruck einen bestimmten Wert nicht übersteigen soll", erklärt Berger den Zweck des neuen Diabetikerpasses.

Ab sofort fährt auch ein speziell ausgestatteter Bus unter dem Motto "Diabetes on Tour" durch ganz Österreich. Diese viermonatige Informationskampagne bietet kostenlose Vorsorgeuntersuchungen und Beratung an.

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