Junge Schreibtalente mit Migrationshintergrund

"biber“-Akademie - Der Migranten-Lehrgang des Wiener Stadtmagazins soll Integration dort ermöglichen, wo sie oft diskutiert wird: in Medien.

Jeder dritte Einwohner in Wien hat Migrationshintergrund. Für das Wiener Stadtmagazin biber ist das ein guter Grund, ihnen vermehrt eine Stimme zu geben. Vergangene Woche wurde die biber-Akademie vorgestellt, die bereits am 1. Juli ihren Betrieb aufgenommen hat und nun im zweiten Lehrgang Jungjournalisten mit Migrationshintergrund ausbildet.

Das Angebot richtet sich an talentierte Jungredakteure zwischen 18 und 28 Jahren. Im Zug des Lehrgangs verfassen sie Geschichten für den biber und sollen so auf den Redaktionsalltag bei Zeitungen, Magazinen und Fernsehen vorbereitet werden. Neben dem Innenministerium wird das Projekt von den Tageszeitungen Der Standard, Die Presse, Kleine Zeitung, Heute, Wiener Zeitung und Kurier sowie dem ORF unterstützt. Diese Medien bieten den Jungjournalisten die Möglichkeit, nach Abschluss ihres Lehrganges bei biber weitere Erfahrungen als Journalisten zu sammeln.

"Das System beruht vor allem auf Eigeninitiative“, erklärt Monika Brati´c. Die 27-jährige Studentin leitet die Online-Redaktion des biber und unterrichtet einen Workshop an der biber-Akademie. Brati´c stammt aus Serbien, weshalb sie das neue Projekt "zu 1000 Prozent“ unterstützt: "Wir wollen junge Leute motivieren, mehr als ein normaler Praktikant zu machen, und empfinden sie nicht als mühsames Anhängsel.“ Die Mehrheit der Bewerber ist in Österreich aufgewachsen und hat ein starkes Bedürfnis, die Berichterstattung über Migranten mitzubestimmen.

Mehr Einsatz für Integration

Eine der ersten Absolventinnen ist die 25-jährige Germanistik-Studentin Jeta Muaremi. Die Mazedonierin lebt seit ihrem siebten Lebensjahr in Österreich. Sie konnte durch den Lehrgang viele Kontakte knüpfen und "mehr Einblick in die Medienbranche“ gewinnen. Die biber-Akademie vergibt 20 Stipendien, bestehend aus einem monatlichen Honorar von 600 Euro. Als Ziel der Lehrgänge nennt biber-Chefredakteur Simon Kravagna die Rekrutierung von "neuen Österreichern“. Die Zusammenarbeit mit Leitmedien bezeichnet er als sehr wichtig: "Medien schreiben gerne über Integration, könnten aber oft schon auch mehr dafür in den eigenen Redaktionen tun.“ Insofern sei die breite Unterstützung von zahlreichen Partnermedien besonders erfreulich.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz zeigte sich bei der Vorstellung des Konzepts über die Möglichkeit erfreut, dass "junge Menschen mit Migrationshintergrund sehen, dass es möglich ist, in Österreich etwas zu bewirken und eine Meinung zu äußern.“

Fast einhundert Interessierte haben sich nach dem ersten Aufruf des biber gemeldet. Pro Lehrgang werden nach einem Auswahlverfahren vier junge Schreibtalente aufgenommen.

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