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Kampf einer Frau

"Die Lady - Ein geteiltes Herz“: Ex-Bond-Girl Michelle Yeoh brilliert als Aung San Suu Kyi und gibt der birmesischen Friedensnobelpreisträgerin ein filmisches Herz. Frankreichs Action-Meister Luc Besson führte dabei Regie.

Politische Kommentatoren urteilen vorsichtig optimistisch. Dass Aung San Suu Kyi und ihre Partei bei der Nachwahl in Myanmar fast alle zur Wahl stehenden Parlamentssitze errungen haben, war nur deshalb überraschend, weil das Verhalten der Militärs nach wie vor nicht eindeutig zu kalkulieren ist. Zu oft hatte Aung schon erleben müssen, dass die Machthaber im südost-asiatischen Vielvölkerstaat politische Erfolge gewaltsam zunichte machten. Aung ist in ihrer Beharrlichkeit in einem Atemzug mit Nelson Mandela zu nennen: Auch sie hat sich ihre Vision ungebrochen erhalten; das bestätigen die Politikerbesuche der letzten Wochen, als die Spitzen der freien Welt, von Hillary Clinton abwärts, bei ihr vorstellig werden konnten. Ob sich die Repression am Irrawaddy aber in eine Demokratie wandeln kann, steht noch in den Sternen. Die Auspizien für eine wichtige Rolle von Augn San Suu Kyi dabei sind dennoch so gut wie schon lange nicht.

Die Lebensgeschichte der Freidensnobelpreisträgerin 1991 rührt auch ohne Film zutiefst. Dass dieser Tage nun auch das erste große Biopic über diese Jahrhundertfrau hierzulande ins Kino kommt, scheint folgerichtig. Und bei allen Einwänden gegen manches an der Konkretion handelt es sich hier um etwas Beispielhaftes, dem sich interessierte Zeitgenossen aussetzen sollten.

Der größte Glücksfall ist dabei die Darstellung von Aung durch die chinesisch-stämmige Malaiin Michelle Yeoh: Yeohs Performance wirkt bis in kleinste Details authentisch - die Kraft einer Persönlichkeit wie das GebrochenSein durch die Repression wird durch ihr Schauspiel auf unnachahmliche Weise exemplifiziert. In gewisser Weise steht und fällt der Film "The Lady - Ein geteiltes Herz“ mit der Hauptdarstellerin.

Glücksfall Michelle Yeoh

Interessant, wenn auch nicht durchgängig gelungen, ist die Regie: Luc Besson, Starregisseur des französischen Action-Kinos ("Das fünfte Element“, "Nikita“) betätigt sich überraschend als filmischer Historienmaler, der sich nicht scheut, ordentlich auf die Tränendrüse seines Publikums zu drücken. Aber alles in allem gelingt es ihm, eine Ahnung des Lebens von Aung San Suu Kyi und der Vorgänge in Myanmar zu vermitteln. Großes Gefühlskino und große Filmbiografie - das ist ja zumindest etwas.

Der Film zeichnet die Lebensstationen der Protagonistin von der Ermordung ihres Vater, General Aung San, der 1947 von rivalisierenden Militärs beseitigt wurde, nach. Jahrlang lebt sie in Oxford als Frau des Tibetologen Michael Aris und mit ihren beiden Söhnen. Ende der 80er-Jahre fährt Aung zu ihrer schwerkranken Mutter nach Rangun und gerät mitten in Unruhen gegen das Militär. Sie übernimmt - als Tochter ihres berühmten und verehrten Vaters - die Führung der Opposition, gewinnt Wahlen und wird vom Militär jahrzehntelang unter Hausarrest gestellt. 1991 erhält sie den Friedensnobelpreis, den ihr Mann und ihre Söhne entgegennehmen

Vollends zum Drama wird das Leben der Aung San Suu Kyi, als Michael Aris 1995 an Krebs erkrankt und sie sich entscheiden muss, zu bleiben oder zu ihrem Mann nach England zu reisen - und nicht wieder zurückkehren zu dürfen. Aung entscheidet sich fürs Bleiben - sie sieht ihren Mann, der 1999 stirbt, nicht mehr wieder.

Luc Besson interessiert sich intensiv für die Beziehung zwischen Michael, der kongenial von David Thewlis dargestellt wird, und Aung. Auf den ersten Blick tritt dadurch das Politische am Leben der Protagonistin zurück. Aber dem ist nicht so: Denn im Versuch, die komplexe Beziehung zwischen Aung und Michael darzustellen, wird jener Teil ihrer Persönlichkeit greifbar, der den langen Atem verständlich macht, mit dem Aung San Suu Kyi jahrelange Hausarreste in völliger Isolation überleben konnte.

Das Team, das den Film im benachbarten Thailand drehte, wurde gegen Ende der Dreharbeiten von der Freilassung Aungs aus dem Hausarrest und der Besuchsmöglichkeit bei der Protagonistin überrascht. Man darf annehmen, dass die Leistung von Michelle Yeoh auch bei der Dargestellten Eindruck hinterlassen hat.

The Lady - Ein geteiltes Herz (Dans La Lumière)

F 2011. Regie: Luc Besson. Mit Michelle Yeoh, David Thewlis.

Constantin. 132 Min.

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