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Kampf um die Frauen

Platz da für Betriebskindergärten!", "Frauen in Spitzenpositionen!", "Karenzgeld für alle!", "Karenzgeld für alle, die es brauchen!", "Danke für den Kinderscheck!", "Kinderscheck ist Kinderschreck!" Wer derzeit seine Urlaubspost aufmacht, traut seinen Augen nicht. Ist eine neue Fraueninitiative im Werden, gibt es gar eine Frauenpartei bei der kommenden Wahl? Nein, die bestehenden Parteien (zur Ehre der Grünen sei's gesagt, sie machen beim Buhlen um Frauenstimmen nicht mit) haben nur wieder einmal entdeckt, daß die Mehrheit der Wähler weiblich ist.

Die Realität sieht jedoch denkbar wenig frauenfreundlich aus. Noch immer verdienen Frauen um ein rundes Drittel weniger als Männer, die Zahl der Frauen in politischen und wirtschaftlichen Führungspositionen ist im europäischen Vergleich lächerlich gering. Bei den Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten sind Frauen überproportional vertreten, ebenso bei den von Arbeitslosigkeit und Armut Betroffenen. Die Geburtenrate ist nicht zufällig auf einem Tiefpunkt angelangt - noch immer ist das Angebot von Kinderbetreuungsstätten völlig unzureichend, ganz zu schweigen von der längst eingeschlafenen Debatte um Ganztagsschulen.

Der ideologische Graben in der Koalition wird durch keinerlei politischen Kompromiß überbrückt: Noch immer vertritt die SPÖ nur die Interessen der berufstätigen Frauen, noch immer konzentriert sich die ÖVP auf die Mütter. Wann endlich werden die beiden Großparteien zur Kenntnis nehmen, daß 80 Prozent der Frauen beides wollen, Kinder und Beruf?

Statt auf die unerledigten Probleme der Frauenpolitik aufmerksam zu machen, covern die "Zeitgeist"-Magazine "Powerfrauen", "First Ladies", die ihre "Gatten" beim Repräsentieren unterstützen, oder Operettendiven, die von ihrem Macho schwärmen und, wer hätte das gedacht, nie eine Frau wählen würden.

Die Rückkehr der "Gattinnen" in den Medien zeigt an, wie tief der Backlash in der Frauenfrage geht. Denn so weit wie heute waren wir schon einmal - in den Fünfzigern mit ihrem später von Betty Friedan so kritisierten "Weiblichkeitswahn".

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