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Kasachstan lädt zum Dialog der Religionen

Nach einem friedlichen Beisammensein von Menschen verschiedensten Glaubens sieht auch der dritte Kongress der Weltreligionen aus. Der Schein trügt nicht. Jene, die zum Dialog bereit sind, finden auch schnell eine gemeinsame Basis. Probleme gibt es mit solchen Gruppen, die bereits diesen ersten Schritt verweigern und nicht auf andere zugehen wollen.

Die Religionen der Welt haben keine Probleme untereinander. Diesen Eindruck könnte man angesichts des dritten Kongresses der Weltreligionen durchaus gewinnen. Führende Vertreter aller Weltreligionen trafen von 1. bis 2. Juli in Astana, der Hauptstadt Kasachstans, zum dritten Mal nach 2003 und 2006 zum Kongress zusammen, und betonten allesamt die Notwendigkeit des friedlichen Zusammenlebens und des Dialogs untereinander.

Von „Frieden, der auf Gerechtigkeit gründet“ sprach zum Beispiel der Vorsitzende der katholischen Delegation, Jean-Louis Taurant, „Toleranz und Freundschaft“ nannte es der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Muhammad al-Tantawi, und die Wichtigkeit von Offenheit und religiösem Pluralismus beschwor der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Ishmael Noko. Schöne Worte, die aber der Realität nicht unbedingt Rechnung tragen. Noko schien das erkannt zu haben, schließlich war er einer der wenigen, in deren Eröffnungsstatements auch kritische Elemente Platz fanden. Man dürfe sich nicht mit schönen Worten zufrieden geben, meinte er, und forderte Ergebnisse. „Wir müssen vom reinen Aussenden unserer Botschaft dazu kommen, dass wir auch tatsächlich eine Veränderung bewirken können.“

Friede, Freude …

Allein anhand dieses Statements lässt sich ein grundlegendes Problem derartiger Veranstaltungen ablesen: Der Kongress stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass moderate Vertreter verschiedener Religionen untereinander kaum Differenzen haben. Gerade deshalb liegt aber auch auf der Hand, dass der reine Dialog ebendieser Vertreter kaum etwas bewirken kann.

Genau diese Problematik schwang auch am zweiten Tag des Kongresses bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Dialog und Kooperation“ mit. Dialog allein reiche nicht aus, meinte da etwa der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos, er sei vielmehr eine unverzichtbare Bedingung, nur der erste Schritt. „Jeder legt hier seine Positionen dar und dann gehen wir wieder nach Hause und das Leben geht normal weiter“, monierte er. „Mit Dialog lösen wir keine Probleme, wir ändern keine Mentalitäten.“ Als eine Möglichkeit, zu Ergebnissen zu gelangen, stellte Moratinos die „Allianz der Zivilisationen“ dar, eine UN-Initiative, die von Spanien und der Türkei ins Leben gerufen wurde und versucht, konkrete Maßnahmen zum Abbau von Extremismus und interreligiösen Konflikten zu erarbeiten. In der Folge stellten die Podiumssprecher noch weitere erfolgreiche interreligiöse Projekte aus aller Welt vor, provozierten damit allerdings auch den Hinweis aus dem Publikum, dass man angesichts dieser lobenswerten Errungenschaften nicht die veritablen Probleme aus den Augen verlieren dürfe.

Bleibt die Frage, welchen Sinn eine Dialogveranstaltung hat, die zur Lösung von interreligiösen Konflikten beitragen soll, wenn jene Gruppierungen, die Probleme verursachen, schlicht und einfach nicht anwesend sind. Leonid Kishkovsky, gleichzeitig Präsident von „US Christian Churches Together“ und Moderator der internationalen Organisation „World Conference of Religions for Peace“ bestätigt dieses Problem: „Es gibt sicherlich einige Gruppen verschiedenster Konfessionen, die eine Einladung zu einem Kongress wie diesem nicht akzeptieren würden, weil sie glauben, dass sie für eine Teilnahme am Dialog ihren eigenen Glauben an der Tür abgeben müssten.“

Zur Bewegung fähig

Es sei von enormer Wichtigkeit, auch Gruppen mit fundamentalistischeren Ansichten das Gefühl zu geben, in voller Integrität ihres Glaubens zum Dialog kommen zu können. „Aber gleichzeitig mit einer Verpflichtung zum gegenseitigen Respekt.“ Er selbst habe bei der Zusammenarbeit mit Evangelikalen in den USA die Erfahrung gemacht, dass diese oft zu mehr Bewegung in ihren Ansichten fähig seien, als man das für möglich halten würde. „Aber natürlich ist das ein langer Prozess. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

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