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Feuilleton

Klettern, wie ein Vogel fliegt

1945 1960 1980 2000 2020
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Vor 100 Jahren abgestürzt, heute wiederentdeckt: Der Alpinphilosoph Paul Preuß war ein Virtuose im Fels und bei der Verteidigung seines Prinzips am Berg, Seil und Haken nur im Notfall zu verwenden.

Paul Preuß hat uns zittern lassen auf schmalen Standplätzen in steiler Wand. Aber den Quergang mussten wir so wie er ohne Seilhilfe packen. Paul Preuß hat uns eine Biwaknacht eingebrockt. Aber am Haken in der Schlüsselstelle durften wir uns so wie er nicht hochziehen. Paul Preuß hat uns kleiner gemacht und dadurch größer, bescheidener und deswegen zufriedener. Und ehrfürchtiger sind wir auch geworden, vor denen, die lange vor uns rauf sind, gerade wenn sie so wie Preuß dabei nicht alt wurden.

Als Zwölfjähriger habe ich Paul Preuß kennengelernt. Zu Weihnachten habe ich ihn geschenkt bekommen. "Von Mutti“ steht im Buch. Wenn sie gewusst hätte, wie viele Sorgen sie sich damit einhandeln würde, hätte sie wohl einen weiteren Jules Verne, Karl May oder Arthur Conan Doyle geschenkt. Aber konnte sie ahnen, dass der Knickerbocker-Bergsteiger Luis Trenker in den schwülstigen Titel "Helden der Berge“ vor allem die Verrückten der Berge und ihr alpin-subversives Gedankengut gepackt hat?

Bergsteiger ohne Bart

Die Kapitel über die Bergsteiger ohne Bart, die jungen Narrischen, begeisterten mich am meisten: Der Wildeste war Paul Preuß. "Tausend Gipfel ohne Seil und Haken“ ist sein Kapitel überschrieben. Preuß ist der kompromissloseste, der inspirierendste, der genialste Allround-Bergsteiger in diesem Buch. Der mit alpinen Superlativen ebenfalls geschmückte Reinhold Messner sagt: "Preuß war der bedeutendste Alpinist seiner Zeit: wegen seiner Aussagen, seiner Einflüsse, seiner Ideen - und ob der Zahl und der Qualität seiner Besteigungen. Kein anderer Alpinist hat für unser Tun eine größere Bedeutung als Paul Preuß.“

Trenker hat Preuß selbst in den Südtiroler Bergen getroffen - und ihm widersprochen: "Die strikte Anwendung Ihrer Theorien könnte möglicherweise früher oder später zu einem Absturz führen.“ Besonders die Preuß’sche Ablehnung des Abseilens nach vollbrachter Tour, getreu dem Grundsatz "Wenn man irgendwo nicht hinunter kann, soll man auch nicht hinauf!“, stößt Trenker (und nicht nur ihm) auf. Doch Preuß ist nicht nur ein virtuoser Kletterer, auch bei der Verteidigung seiner Prinzipien trifft sein rhetorisches Florett dort, wo es seine Gegner am meisten schmerzt - bei ihrer Bergsteigerehre.

"Ein Aufstieg ohne das Bewusstsein, alles auch im Abstieg frei gehen zu können“, sagt Preuß, "ist leichtsinnig unalpinistisch; ein Kampf, der mit ungleichen Waffen geführt wird, unritterlich, unsportlich.“ Nur eine Einschränkung lässt er gelten: "Gewiss muss jeder Alpinist und jeder Kletterer abseilen können; es ist eine Rettung in der Not, bei Wettersturz oder Einbruch der Nacht, nach einem Unfall oder bei Abirren vom Wege.“ Doch an seinem Prinzip lässt er nicht rütteln: "Im Aufstiege ist Seilhilfe von oben allgemein verpönt; was für den Aufstieg aber recht, muss für den Abstieg billig sein!“

Dieselbe Strenge legt Preuß auch bei der Antwort auf die Frage an, ob Mauerhaken, also Eisenstifte, die man zu Sicherungszwecken oder als Kletterhilfen in den Felsen treibt, gerechtfertigt seien. Nein, sagt Preuß, "ich verstehe weder den Wert der Gefühle noch den Wert der Leistung, wenn man sich so über eine Wand hinaufschwindelt“. Und: "Auch der Mauerhaken ist ein Notbehelf; ein Mittel, Berge zu bezwingen, darf er nicht sein.“

Reinheit des Stiles

Seine Grundsätze publizierte Preuß 1911 in der "Deutschen Alpenzeitung“ und löste damit den "Mauerhakenstreit“ aus, eine einzigartige Debatte in der Alpingeschichte, am ehesten noch vergleichbar mit der Diskussion Jahrzehnte später um die Verwendung von künstlichem Sauerstoff bei Achttausenderbesteigungen. Beide Fragen waren (und sind) Stilfragen, in beiden Fällen geht es um "by fair means or foul?“. Für Preuß war die Frage nach dem Wie einer Besteigung das entscheidende Kriterium für die Bewertung einer Tour: "Wenn beim Trabfahren ein Pferd galoppiert, wird es wegen unreiner Gangart disqualifiziert. Die unvernünftigen Tiere zwingen wir zur Reinheit des Stiles; bei denkenden Bergsteigern sollte alles erlaubt sein?“

Sollte es nicht. Oder wie Reinhold Messner die Preuß’sche Philosophie deutet: "Der Mensch sollte einem Problem gegenüber wachsen, nicht der technische Aufwand bei dessen Lösung.“ Messner hat dem 1886 in Altaussee geborenen Preuß zu dessen 100. Geburtstag eine ausführliche Biographie gewidmet, Person und Ideen damit wieder einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Nach seinem einsamen Todessturz am 3. Oktober 1913 von der Mandlkogel-Nordkante am Gosaukamm war Preuß nicht einfach so oder gar zwangsläufig ins Loch des Vergessens gefallen. Der Halbjude Preuß wurde über Jahrzehnte hinweg bewusst totgeschwiegen, eine jener Schandtaten, deren sich der deutschsprachige Alpinismus in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts schuldig gemacht hat, als er sich als ein Erfüllungsgehilfe für Rassenwahn und Arierkult missbrauchen ließ.

Nur in den Dolomiten erinnerte auch in dieser Zeit schon eine "Preuß-Hütte“, unterhalb der Vajolettürme, an den Ausnahmebergsteiger. Errichtet hat die Gedenkstätte Tita Piaz, der "Teufel der Dolomiten“, ein herausragender italienischer Kletterer und gleichzeitig einer der schärfsten Kritiker von Preuß im Mauerhakenstreit. Auch Piaz lehnte Mauerhaken als Leitersprossen ab, die den Aufstieg erleichtern oder ermöglichen. Als Sicherungsmittel erschienen sie ihm aber unersetzlich. Piaz fürchtete um die Jugend, die Preuß nacheifern und dabei abstürzen könnte. Piaz: "Wir wollen im Falle eines Sturzes lieber vier oder auch 20 Meter am sichernden Seile hängen (vielleicht mit gebrochenem Bein), als dass die Raben im dunklen Abgrund einen Schmaus um unseren Leichnam halten …“ Preuß entgegnete ihm: "Will man aber Missständen gegensteuern und ein Übel ausrotten, dann, Freund Piaz, muss und darf man es bei der Wurzel fassen, ohne ‚unsinnig, unmenschlich, unverantwortlich zu werden‘!“

Preuß ging es um das Erlebnis im Wortsinn, und um mehr zu erleben, intensiver zu leben, braucht es als Kontrast die Gefahr und in letzter Konsequenz den Tod: "Mir kommt aber doch vor, dass der Gedanke: ‚wenn du fällst, hängst du drei Meter am Seil‘ geringeren ethischen Wert hat, als das Gefühl: ‚ein Sturz, und du bist tot!‘“ Preuß ist hier im Gefolge eines anderen österreichischen Bergsteigers des Fin de siècle, der dem gesättigten und abgestumpften Lebensgefühl der Zeit den "Durst nach Todesgefahr“ in den Bergen gegenüberstellt: Eugen Guido Lammer. Sein Ziel, so wie das von Preuß, war aber nicht die Gefahr um ihrer selbst willen, sondern die Überwindung der Gefahr, das Überleben in der Gefahr und das daraus gewonnene tiefere Erleben.

Barfuß im Schneetreiben

Ein perfekter Vermittler zwischen einst und heute ist die Wiener Berg- und Autorenlegende Karl Lukan, der vor kurzem seinen 90. Geburtstag begangen hat. "Ein Stück vom Himmel“ heißt der Titel seiner zu diesem Anlass im Tyrolia-Verlag erschienenen Kletterbiographie. Der Untertitel "Als das Bergsteigen noch wild und gefährlich war“ weist in gerader Linie in die Zeit und zu den Ideen von Lammer und Preuß. Lukan erzählt von jungen Kletterern, die das Seil im Quergang abziehen, damit statt "Huschhusch-Klettern“ jeder die Schwierigkeiten selbst bewältigen musste. Lukan beschreibt das Abenteuer, als seinem Freund die Kletterschuhe die Laliderwand hinunterfallen und dieser barfuß im einsetzenden Schneetreiben bis zum Gipfel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter musste. Und Lukan bringt noch viele andere Beispiele für das Glück, den Schutzengel oder den Instinkt, ohne die man die größte Kunst beim Bergsteigen nicht erreicht: dabei auch alt zu werden.

Nur in diesem Sinn war Paul Preuß kein Künstler. Doch für einen, der so kletterte, wie ein Vogel fliegt oder ein Fisch schwimmt, zu dem das Klettern gehörte wie das Atmen, war der Absturz auch kein Scheitern, sondern der letzte Takt seines Tanzes in der Senkrechten.

Buchtipp

Ein Stück vom Himmel

Als das Bergsteigen noch wild und gefährlich war

Von Karl Lukan

Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2013

190 S., brosch., € 17,95

Vor 100 Jahren abgestürzt, heute wiederentdeckt: Der Alpinphilosoph Paul Preuß war ein Virtuose im Fels und bei der Verteidigung seines Prinzips am Berg, Seil und Haken nur im Notfall zu verwenden.

Paul Preuß hat uns zittern lassen auf schmalen Standplätzen in steiler Wand. Aber den Quergang mussten wir so wie er ohne Seilhilfe packen. Paul Preuß hat uns eine Biwaknacht eingebrockt. Aber am Haken in der Schlüsselstelle durften wir uns so wie er nicht hochziehen. Paul Preuß hat uns kleiner gemacht und dadurch größer, bescheidener und deswegen zufriedener. Und ehrfürchtiger sind wir auch geworden, vor denen, die lange vor uns rauf sind, gerade wenn sie so wie Preuß dabei nicht alt wurden.

Als Zwölfjähriger habe ich Paul Preuß kennengelernt. Zu Weihnachten habe ich ihn geschenkt bekommen. "Von Mutti“ steht im Buch. Wenn sie gewusst hätte, wie viele Sorgen sie sich damit einhandeln würde, hätte sie wohl einen weiteren Jules Verne, Karl May oder Arthur Conan Doyle geschenkt. Aber konnte sie ahnen, dass der Knickerbocker-Bergsteiger Luis Trenker in den schwülstigen Titel "Helden der Berge“ vor allem die Verrückten der Berge und ihr alpin-subversives Gedankengut gepackt hat?

Bergsteiger ohne Bart

Die Kapitel über die Bergsteiger ohne Bart, die jungen Narrischen, begeisterten mich am meisten: Der Wildeste war Paul Preuß. "Tausend Gipfel ohne Seil und Haken“ ist sein Kapitel überschrieben. Preuß ist der kompromissloseste, der inspirierendste, der genialste Allround-Bergsteiger in diesem Buch. Der mit alpinen Superlativen ebenfalls geschmückte Reinhold Messner sagt: "Preuß war der bedeutendste Alpinist seiner Zeit: wegen seiner Aussagen, seiner Einflüsse, seiner Ideen - und ob der Zahl und der Qualität seiner Besteigungen. Kein anderer Alpinist hat für unser Tun eine größere Bedeutung als Paul Preuß.“

Trenker hat Preuß selbst in den Südtiroler Bergen getroffen - und ihm widersprochen: "Die strikte Anwendung Ihrer Theorien könnte möglicherweise früher oder später zu einem Absturz führen.“ Besonders die Preuß’sche Ablehnung des Abseilens nach vollbrachter Tour, getreu dem Grundsatz "Wenn man irgendwo nicht hinunter kann, soll man auch nicht hinauf!“, stößt Trenker (und nicht nur ihm) auf. Doch Preuß ist nicht nur ein virtuoser Kletterer, auch bei der Verteidigung seiner Prinzipien trifft sein rhetorisches Florett dort, wo es seine Gegner am meisten schmerzt - bei ihrer Bergsteigerehre.

"Ein Aufstieg ohne das Bewusstsein, alles auch im Abstieg frei gehen zu können“, sagt Preuß, "ist leichtsinnig unalpinistisch; ein Kampf, der mit ungleichen Waffen geführt wird, unritterlich, unsportlich.“ Nur eine Einschränkung lässt er gelten: "Gewiss muss jeder Alpinist und jeder Kletterer abseilen können; es ist eine Rettung in der Not, bei Wettersturz oder Einbruch der Nacht, nach einem Unfall oder bei Abirren vom Wege.“ Doch an seinem Prinzip lässt er nicht rütteln: "Im Aufstiege ist Seilhilfe von oben allgemein verpönt; was für den Aufstieg aber recht, muss für den Abstieg billig sein!“

Dieselbe Strenge legt Preuß auch bei der Antwort auf die Frage an, ob Mauerhaken, also Eisenstifte, die man zu Sicherungszwecken oder als Kletterhilfen in den Felsen treibt, gerechtfertigt seien. Nein, sagt Preuß, "ich verstehe weder den Wert der Gefühle noch den Wert der Leistung, wenn man sich so über eine Wand hinaufschwindelt“. Und: "Auch der Mauerhaken ist ein Notbehelf; ein Mittel, Berge zu bezwingen, darf er nicht sein.“

Reinheit des Stiles

Seine Grundsätze publizierte Preuß 1911 in der "Deutschen Alpenzeitung“ und löste damit den "Mauerhakenstreit“ aus, eine einzigartige Debatte in der Alpingeschichte, am ehesten noch vergleichbar mit der Diskussion Jahrzehnte später um die Verwendung von künstlichem Sauerstoff bei Achttausenderbesteigungen. Beide Fragen waren (und sind) Stilfragen, in beiden Fällen geht es um "by fair means or foul?“. Für Preuß war die Frage nach dem Wie einer Besteigung das entscheidende Kriterium für die Bewertung einer Tour: "Wenn beim Trabfahren ein Pferd galoppiert, wird es wegen unreiner Gangart disqualifiziert. Die unvernünftigen Tiere zwingen wir zur Reinheit des Stiles; bei denkenden Bergsteigern sollte alles erlaubt sein?“

Sollte es nicht. Oder wie Reinhold Messner die Preuß’sche Philosophie deutet: "Der Mensch sollte einem Problem gegenüber wachsen, nicht der technische Aufwand bei dessen Lösung.“ Messner hat dem 1886 in Altaussee geborenen Preuß zu dessen 100. Geburtstag eine ausführliche Biographie gewidmet, Person und Ideen damit wieder einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Nach seinem einsamen Todessturz am 3. Oktober 1913 von der Mandlkogel-Nordkante am Gosaukamm war Preuß nicht einfach so oder gar zwangsläufig ins Loch des Vergessens gefallen. Der Halbjude Preuß wurde über Jahrzehnte hinweg bewusst totgeschwiegen, eine jener Schandtaten, deren sich der deutschsprachige Alpinismus in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts schuldig gemacht hat, als er sich als ein Erfüllungsgehilfe für Rassenwahn und Arierkult missbrauchen ließ.

Nur in den Dolomiten erinnerte auch in dieser Zeit schon eine "Preuß-Hütte“, unterhalb der Vajolettürme, an den Ausnahmebergsteiger. Errichtet hat die Gedenkstätte Tita Piaz, der "Teufel der Dolomiten“, ein herausragender italienischer Kletterer und gleichzeitig einer der schärfsten Kritiker von Preuß im Mauerhakenstreit. Auch Piaz lehnte Mauerhaken als Leitersprossen ab, die den Aufstieg erleichtern oder ermöglichen. Als Sicherungsmittel erschienen sie ihm aber unersetzlich. Piaz fürchtete um die Jugend, die Preuß nacheifern und dabei abstürzen könnte. Piaz: "Wir wollen im Falle eines Sturzes lieber vier oder auch 20 Meter am sichernden Seile hängen (vielleicht mit gebrochenem Bein), als dass die Raben im dunklen Abgrund einen Schmaus um unseren Leichnam halten …“ Preuß entgegnete ihm: "Will man aber Missständen gegensteuern und ein Übel ausrotten, dann, Freund Piaz, muss und darf man es bei der Wurzel fassen, ohne ‚unsinnig, unmenschlich, unverantwortlich zu werden‘!“

Preuß ging es um das Erlebnis im Wortsinn, und um mehr zu erleben, intensiver zu leben, braucht es als Kontrast die Gefahr und in letzter Konsequenz den Tod: "Mir kommt aber doch vor, dass der Gedanke: ‚wenn du fällst, hängst du drei Meter am Seil‘ geringeren ethischen Wert hat, als das Gefühl: ‚ein Sturz, und du bist tot!‘“ Preuß ist hier im Gefolge eines anderen österreichischen Bergsteigers des Fin de siècle, der dem gesättigten und abgestumpften Lebensgefühl der Zeit den "Durst nach Todesgefahr“ in den Bergen gegenüberstellt: Eugen Guido Lammer. Sein Ziel, so wie das von Preuß, war aber nicht die Gefahr um ihrer selbst willen, sondern die Überwindung der Gefahr, das Überleben in der Gefahr und das daraus gewonnene tiefere Erleben.

Barfuß im Schneetreiben

Ein perfekter Vermittler zwischen einst und heute ist die Wiener Berg- und Autorenlegende Karl Lukan, der vor kurzem seinen 90. Geburtstag begangen hat. "Ein Stück vom Himmel“ heißt der Titel seiner zu diesem Anlass im Tyrolia-Verlag erschienenen Kletterbiographie. Der Untertitel "Als das Bergsteigen noch wild und gefährlich war“ weist in gerader Linie in die Zeit und zu den Ideen von Lammer und Preuß. Lukan erzählt von jungen Kletterern, die das Seil im Quergang abziehen, damit statt "Huschhusch-Klettern“ jeder die Schwierigkeiten selbst bewältigen musste. Lukan beschreibt das Abenteuer, als seinem Freund die Kletterschuhe die Laliderwand hinunterfallen und dieser barfuß im einsetzenden Schneetreiben bis zum Gipfel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter musste. Und Lukan bringt noch viele andere Beispiele für das Glück, den Schutzengel oder den Instinkt, ohne die man die größte Kunst beim Bergsteigen nicht erreicht: dabei auch alt zu werden.

Nur in diesem Sinn war Paul Preuß kein Künstler. Doch für einen, der so kletterte, wie ein Vogel fliegt oder ein Fisch schwimmt, zu dem das Klettern gehörte wie das Atmen, war der Absturz auch kein Scheitern, sondern der letzte Takt seines Tanzes in der Senkrechten.

Buchtipp

Ein Stück vom Himmel

Als das Bergsteigen noch wild und gefährlich war

Von Karl Lukan

Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2013

190 S., brosch., € 17,95