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Feuilleton

Königskinder plattgewalzt

1945 1960 1980 2000 2020

"Leonce und Lena" von Georg Büchner im Burgtheater: Kurz, doch mühsam durchzusitzen.

1945 1960 1980 2000 2020

"Leonce und Lena" von Georg Büchner im Burgtheater: Kurz, doch mühsam durchzusitzen.

Die Regie setzt sich mit schwerem Hintern auf das leicht gebaute Stück und erdrückt es ganz und gar. Und was Georg Büchner auf ebenso intelligente wie poetische Weise in Schwebe ließ, das nagelt sie mit dreizölligen Nägeln fest. Regisseur Sven-Eric Bechtolf hat aber mildernde Umstände: Wie konnte er, wo er doch erst einige Male in Wien inszeniert hat, mit einem Publikum rechnen, das Wörter wie Melancholie und Sterblichkeit schon einmal gehört hat? Mit bewundernswerter Zielstrebigkeit steuert er also auf den Höhepunkt seiner Inszenierung zu. Auf den Interpretationsnabel, um den sie kreist. Unversehens tritt im Hintergrund der geheime Hauptdarsteller auf, der Megastar des Wienerlieds, der Herr Klappererkarl persönlich. Und dann geht's los. Dann werden Türen und Türchen geöffnet und Schubfächer aufgezogen und Laden und überall klappern uns die Skelette entgegen.

Offenbar war Bechtolf beim Fasching in Mexiko und trägt jetzt, statt Eulen nach Athen, was ja vielleicht ganz sinnvoll sein könnte, weil die heimischen im dortigen Smog längst erstickt sind, den Tod nach Wien. Mit solchem Theaterschreck konnte man nicht rechnen, auch wenn die Aufführung vom Start weg wenig Hoffnung gibt. Denn es ist einer jener Abende, nach denen man an den uralten Burgtheaterwitz vom Kritiker denkt, der beim Aufgehen des Vorhangs laut "schon faul!" sagte. Was sich gebieterisch aufdrängt, wenn Prinz Leonce seine Langeweile in die Welt hinausschreit.

Schwer zu sagen, ob Nicholas Ofczarek in einer anderen Inszenierung den Leonce spielen könnte, Sabine Haupt die Prinzessin Lena vom Reiche Pipi: Die Gelegenheit dazu ward ihnen nicht gegeben.

Der Regisseur vertut sogar die Chance, sich zu Büchners sozialkritischer Szene etwas einfallen zu lassen. Von der Not der zum Vivat-Schreien abkommandierten, ausgemergelten Bauern ist nichts zu merken, und mit den Hüten, die sie in die Luft werfen, könnte man auch heute zum Sonntagsspaziergang auf dem Land aufbrechen. Ebenso gehen alle satirischen Töne unter. Wie überhaupt alle Nuancen. Dazu ist alles zu laut und zu plakativ. Und viel zu konventionell. Die Regiemätzchen sind wahre Ausbünde von Hergebrachtheit.

Ein herzhaftes "Au weia" würde als Kommentar also genügen, hätte diese lähmende Aufführung nicht auch ihre lichten Momente. Die lichten Momente hören durchwegs auf den Namen Peter Mati'c. Er ist eigentlich der einzige im Lauf der sich hinziehenden zweieinviertel Stunden, der als König Peter vom Reiche Popo wirklich eine Figur aus Büchners "Leonce und Lena" spielt. So muss man den König nicht sehen, aber so kann man es, legitimerweise. Nur Mati'c hat die notwendige Leichtigkeit, das Schwebende, nur über ihn kann man lächeln. Damit fällt er aber schon sehr aus dem Rahmen.

Das Bühnenbild hat seine Ästhetik. Aber es entspricht, düster, wie es ist, auch ganz dem Regiekonzept. Ein Seelen-Innenraum mit einem Fenster, durch das man, klein und weit weg, in den Himmel sieht.

Die Regie setzt sich mit schwerem Hintern auf das leicht gebaute Stück und erdrückt es ganz und gar. Und was Georg Büchner auf ebenso intelligente wie poetische Weise in Schwebe ließ, das nagelt sie mit dreizölligen Nägeln fest. Regisseur Sven-Eric Bechtolf hat aber mildernde Umstände: Wie konnte er, wo er doch erst einige Male in Wien inszeniert hat, mit einem Publikum rechnen, das Wörter wie Melancholie und Sterblichkeit schon einmal gehört hat? Mit bewundernswerter Zielstrebigkeit steuert er also auf den Höhepunkt seiner Inszenierung zu. Auf den Interpretationsnabel, um den sie kreist. Unversehens tritt im Hintergrund der geheime Hauptdarsteller auf, der Megastar des Wienerlieds, der Herr Klappererkarl persönlich. Und dann geht's los. Dann werden Türen und Türchen geöffnet und Schubfächer aufgezogen und Laden und überall klappern uns die Skelette entgegen.

Offenbar war Bechtolf beim Fasching in Mexiko und trägt jetzt, statt Eulen nach Athen, was ja vielleicht ganz sinnvoll sein könnte, weil die heimischen im dortigen Smog längst erstickt sind, den Tod nach Wien. Mit solchem Theaterschreck konnte man nicht rechnen, auch wenn die Aufführung vom Start weg wenig Hoffnung gibt. Denn es ist einer jener Abende, nach denen man an den uralten Burgtheaterwitz vom Kritiker denkt, der beim Aufgehen des Vorhangs laut "schon faul!" sagte. Was sich gebieterisch aufdrängt, wenn Prinz Leonce seine Langeweile in die Welt hinausschreit.

Schwer zu sagen, ob Nicholas Ofczarek in einer anderen Inszenierung den Leonce spielen könnte, Sabine Haupt die Prinzessin Lena vom Reiche Pipi: Die Gelegenheit dazu ward ihnen nicht gegeben.

Der Regisseur vertut sogar die Chance, sich zu Büchners sozialkritischer Szene etwas einfallen zu lassen. Von der Not der zum Vivat-Schreien abkommandierten, ausgemergelten Bauern ist nichts zu merken, und mit den Hüten, die sie in die Luft werfen, könnte man auch heute zum Sonntagsspaziergang auf dem Land aufbrechen. Ebenso gehen alle satirischen Töne unter. Wie überhaupt alle Nuancen. Dazu ist alles zu laut und zu plakativ. Und viel zu konventionell. Die Regiemätzchen sind wahre Ausbünde von Hergebrachtheit.

Ein herzhaftes "Au weia" würde als Kommentar also genügen, hätte diese lähmende Aufführung nicht auch ihre lichten Momente. Die lichten Momente hören durchwegs auf den Namen Peter Mati'c. Er ist eigentlich der einzige im Lauf der sich hinziehenden zweieinviertel Stunden, der als König Peter vom Reiche Popo wirklich eine Figur aus Büchners "Leonce und Lena" spielt. So muss man den König nicht sehen, aber so kann man es, legitimerweise. Nur Mati'c hat die notwendige Leichtigkeit, das Schwebende, nur über ihn kann man lächeln. Damit fällt er aber schon sehr aus dem Rahmen.

Das Bühnenbild hat seine Ästhetik. Aber es entspricht, düster, wie es ist, auch ganz dem Regiekonzept. Ein Seelen-Innenraum mit einem Fenster, durch das man, klein und weit weg, in den Himmel sieht.