Kraftvolle und poetische Jamben

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Mit viel Spannung wurde die Uraufführung von Ewald Palmetshofers Stück "Edward II. Die Liebe bin ich" bei den Wiener Festwochen erwartet. Das zwischen Überschreibung und Neudichtung von Christopher Marlowes "Edward II."(1594) oszillierende Drama "vom Aufstieg und Fall eines Mannes" vermag in der Inszenierung von Nora Schlocker allerdings nur phasenweise zu überzeugen. Der Grund dafür liegt in der etwas uninspirierten oder -freundlicher gesagt -der Uraufführung geschuldeten Zurückhaltung der Regie.

Palmetshofer hingegen zeigt sich in Höchstform. Er hat Marlowes Plot geschickt entschlackt und auf den Konflikt des seine homoerotische Liebe offen leben wollenden Königs mit seinen - das als untragbares Skandalon ansehenden -Peers einerseits und der sich vor Liebe verzehrenden Königin Isabella andererseits zugespitzt. Wieder einmal zeigt sich Palmetshofer als sprachmächtiger Autor, der nah an Marlowes Vorlage kraftvolle, deftige, manchmal poetische, ja zärtliche Jamben zu dichten in der Lage ist.

Zu wenig Sinnlichkeit

Vor allem in der Personenzeichnung und -führung tritt die Zurückhaltung der Regie schmerzlich zu Tage. Da stimmen die Distanzen der Figuren zueinander genauso wenig wie die Blickregime. Vor allem die Schilderung der Liebe des Königs zu Gaveston sowie die Sehnsucht Isabellas nach der Zuneigung des Königs geraten selten bühnentauglich. So glaubt man Simon Zagermann als Edward kaum einmal den Absolutheitsanspruch seines Begehrens, den das Stück immerhin im Titel trägt und das er stets über die Staatsinteressen zu stellen bereit ist. Die sprachlich wunderschöne homoerotische Liebesszene, die Palmetshofer dazu erfunden und mit "im königlichen Federbett" überschrieben hat, gerät viel zu steif, ist statuarisch wie das höfische Zeremoniell oder trocken wie ein Stück Papier. Sie bleibt weit hinter der Sinnlichkeit von Palmetshofers Versen zurück.

Auch Isabella, bei Palmetshofer anfangs eine über die nicht erwiderte Liebe todtraurige Königin, ist bei Myriam Schröder eine eindimensionale, weil von Anfang an trotzige Figur ohne Entwicklung. Wenig vorteilhaft für das Spiel der Schauspieler ist auch die Bühne von Marie Roth. Die wohl als Referenz an das elisabethanische Theater gedachte, nach drei Seiten hin offene Bühne zeigt einen dreistufigen, kupferblechernen, leicht zur Haupttribüne gekippten Aufbau. Ein wenig erinnert er an einen übermächtigen Thron. Dieses Möbel über die viel zu hohen Stufen zu besteigen, verlangt den Schauspielern aber einiges Geschick ab. Sie wirken daher beim Erklimmen des Möbels immer wieder wie Gulliver in Brobdingnag, dem Land der Riesen.

(Patric Blaser)

Edward II. Die Liebe bin ich Schauspielhaus Wien 29., 30., 31., Mai, 1., 2. Juni

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