Ein ohne Unbedenklichkeitszeugnis ausgeführter Hase, ein allzu mühelos entwendetes güldenes Salzfaß, schnöde gebleichte und zerschnittene Meisterzeichnungen: museale Skandale halten die Öffentlichkeit in ihrem Bann. Immer geht es um Dinge von schier unschätzbarem Wert, der Superlativ ist die Minimalanforderung für mediale Aufmerksamkeit - lauter Jahrhundertausstellungen, lauter "einmalige Gelegenheiten". Beeindruckt von Besucherrekorden, Exponatzahlen und Versicherungssummen blicken wir auf die großen Museen des Landes.

Derweil blüht in der Provinz eine Museumskultur im Halbverborgenen, die durchaus der Entdeckung lohnt. Von Schloss Bruck in Lienz zum Beispiel wäre kaum die Rede gewesen, hätte der Gemeinderat der Stadt nicht jüngst beschlossen, einen der vielen "Totentänze" des Albin Egger-Lienz an die frühere Besitzerin zu restituieren (von der das Bild zurückgekauft werden soll). Da noch andere Rückgabe-Fälle offen sind, bietet sich dort vielleicht wirklich eine letzte Gelegenheit: Sehen kann man von Mai bis Oktober nicht nur die vorbildlich präsentierte Egger-Lienz-Sammlung der Stadt, sondern auch Werke von Franz von Defregger und eine jährliche Sonderausstellung. Im Winter gewährt das Museum nur ausnahmsweise Einlass, es fehlt die Heizung - die Gemälde vertragen die "natürliche" Absenkung der Temperatur erstaunlicherweise problemlos.

Auch für kunsthungrige Schifahrer zugänglich ist hingegen das "Kubin Kabinett" im Salzburger Leogang: Nicht weit von Zell am See, wo Alfred Kubin seine Kindheit verbrachte, hat der Hamburger Anwalt Otto Paulick ein Badhaus aus dem 15. Jahrhundert, in dem noch Karajan kurte, zum Schau-Platz seiner großartigen Sammlung gemacht. An Kubins Originalillustrationen zu Kafkas "Der Landarzt" sieht man: Die beiden hatten mehr gemeinsam als ihre Verdauungsprobleme.

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