Digital In Arbeit
Feuilleton

KURZKRITIK

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Mann zwischen zwei Frauen

Antonio Fian ist der ungekrönte König im Feld des bissigen Dramolettes. Unermüdlich, immer intelligent und hinterhältig spießt er damit Schräglagen der Gesellschaft wie des Literaturbetriebs auf. 1992 erschien sein erster, gekonnt verquerer Roman "Schratt“, dem Wendelin Schmidt-Dengler immerhin attestierte, dass man am Ende das Buch gleich noch einmal von vorne beginnen möchte.

22 Jahre später folgt nun der nächste Roman, und hier ist eine zweite Lektüre zumindest keine Notwendigkeit. "Das Polykrates-Syndrom“ ist ein gefällig durcherzählter Roman aus dem Genre Männerselbstverständigungsliteratur, angereichert mit flotten Dialogen und eingespielten Verweisen auf Film- und Popkultur.

Artur, ein Historiker mit Bartleby- Tendenzen, verdient sein Geld in einem Copyshop und mit Nachhilfestunden und ist zufrieden, wenn alles so bleibt wie es ist. Zur Auflockerung schreibt er eher mäßig witzige Sketches, die keine Fernsehstation will. Eines Tages findet er sich dann mehr oder minder unfreiwillig in der klassischen Konstellation Mann zwischen zwei Frauen. Die eine ist seine langjährige Gattin, eine in der Schulbürokratie vorandrängende Mittelschullehrerin, die andere eine schrille Unbekannte, die voller Lügengeschichten und fataler Überraschungen steckt. Für ihn, der mit Gattin und Mutter immer schon zwischen zwei ziemlich straighten Lehrerinnen eingebunkert war, scheint sich mit der jungen Glücksritterin etwas Leichtes aufzutun, vor allem natürlich sexuell.

Verdoppelung

Nun beginnen sich die Schicksalsschläge fatal zu doppeln. Beide Frauen werden schwanger, bei beiden geht sich seiner Rechnung nach eine Vaterschaft nicht aus, und beide verwickeln ihn in einen wie immer zustande gekommenen tödlichen Unglücksfall. Jedenfalls hilft er beide Male willig, die Leiche zu entsorgen, der Abwechslung halber auf recht unterschiedliche Art. Immer aber weiß er, was "die Frau“ ausmacht: Schaufenster schauen, vor Alkoholmissbrauch warnen, tüchtig sein, Hilfsdienste im Haushalt einfordern, Vorhänge oder andere Nippes kaufen und Problemfilme ansehen.

Mitunter hat man den Eindruck, das schon ein paar mal so ähnlich gelesen zu haben und auf die Berichte aus dem Sexualleben dieses Herrn nicht gerade gewartet zu haben. Immerhin ist der Schluss aufgrund der Doppelungsneigung zwar erahnbar, bleibt aber offen. Mit dem griechischen Tyrannen bzw. Schillers Ballade aus dem Titel hat das Ganze übrigens nur insofern zu tun, als der Ring des Polykrates, ein Bild für Selbstüberhebung im Glück, fixer Bestandteil von Arturs Aberglaubensritualen ist.

Das Polykrates-Syndrom

Von Antonio Fian

Droschl 2014

240 Seiten, gebunden, e 19,60

Mann zwischen zwei Frauen

Antonio Fian ist der ungekrönte König im Feld des bissigen Dramolettes. Unermüdlich, immer intelligent und hinterhältig spießt er damit Schräglagen der Gesellschaft wie des Literaturbetriebs auf. 1992 erschien sein erster, gekonnt verquerer Roman "Schratt“, dem Wendelin Schmidt-Dengler immerhin attestierte, dass man am Ende das Buch gleich noch einmal von vorne beginnen möchte.

22 Jahre später folgt nun der nächste Roman, und hier ist eine zweite Lektüre zumindest keine Notwendigkeit. "Das Polykrates-Syndrom“ ist ein gefällig durcherzählter Roman aus dem Genre Männerselbstverständigungsliteratur, angereichert mit flotten Dialogen und eingespielten Verweisen auf Film- und Popkultur.

Artur, ein Historiker mit Bartleby- Tendenzen, verdient sein Geld in einem Copyshop und mit Nachhilfestunden und ist zufrieden, wenn alles so bleibt wie es ist. Zur Auflockerung schreibt er eher mäßig witzige Sketches, die keine Fernsehstation will. Eines Tages findet er sich dann mehr oder minder unfreiwillig in der klassischen Konstellation Mann zwischen zwei Frauen. Die eine ist seine langjährige Gattin, eine in der Schulbürokratie vorandrängende Mittelschullehrerin, die andere eine schrille Unbekannte, die voller Lügengeschichten und fataler Überraschungen steckt. Für ihn, der mit Gattin und Mutter immer schon zwischen zwei ziemlich straighten Lehrerinnen eingebunkert war, scheint sich mit der jungen Glücksritterin etwas Leichtes aufzutun, vor allem natürlich sexuell.

Verdoppelung

Nun beginnen sich die Schicksalsschläge fatal zu doppeln. Beide Frauen werden schwanger, bei beiden geht sich seiner Rechnung nach eine Vaterschaft nicht aus, und beide verwickeln ihn in einen wie immer zustande gekommenen tödlichen Unglücksfall. Jedenfalls hilft er beide Male willig, die Leiche zu entsorgen, der Abwechslung halber auf recht unterschiedliche Art. Immer aber weiß er, was "die Frau“ ausmacht: Schaufenster schauen, vor Alkoholmissbrauch warnen, tüchtig sein, Hilfsdienste im Haushalt einfordern, Vorhänge oder andere Nippes kaufen und Problemfilme ansehen.

Mitunter hat man den Eindruck, das schon ein paar mal so ähnlich gelesen zu haben und auf die Berichte aus dem Sexualleben dieses Herrn nicht gerade gewartet zu haben. Immerhin ist der Schluss aufgrund der Doppelungsneigung zwar erahnbar, bleibt aber offen. Mit dem griechischen Tyrannen bzw. Schillers Ballade aus dem Titel hat das Ganze übrigens nur insofern zu tun, als der Ring des Polykrates, ein Bild für Selbstüberhebung im Glück, fixer Bestandteil von Arturs Aberglaubensritualen ist.

Das Polykrates-Syndrom

Von Antonio Fian

Droschl 2014

240 Seiten, gebunden, e 19,60