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Kampf der Politnarzissten um Macht und Bereicherung

Gefährliche Seilschaften Von Oliver Tanzer Nr. 12, Seite 1

Einer Illusion mit einer anderen zu begegnen, scheint auf den ersten Blick logisch zu sein. Oliver Tanzer hat in seinem Beitrag die Folgen und Auswüchse dieser Theorien sehr treffend veranschaulicht. Sowohl der bekannte Neoliberalismus eines Milton Friedman, als auch die Gegenstrategie -eine seit Jahrzehnten praktizierte staatliche Überregulierung -führen in immer schwerer beherrschbare Situationen. Die Theorien und Ansichten Friedmans von seinem Minimalstaat, dem freien Spiel der Kräfte und der Selbstregulierung mündeten letzten Endes in die Unkontrollierbarkeit der globalen Finanzindustrie. Nur die gegnerischen Illusionisten halten ihre blauäugige "Realpolitik" immer noch für ein probates Gegenmittel. Diese Meinung ist ein Irrglaube und dient nur zur Täuschung der Menschen sowie zur Verschleierung der Wirklichkeit. Die "Selbstregulierung" mit den Programmen zur Beendigung der Finanzkrise 2008 haben letztlich zu einem gigantischen Anstieg der weltweiten Geldmenge geführt. Diese dient allerdings weder den Volkswirtschaften und deren produzierenden Sektoren noch dem Arbeitsmarkt, sondern nur zur Korrektur von Fehlern und Vermeidung von Banken-und Staatsbankrott. Ganz im Gegensatz zu Thomas Meyers Definition: "Politik ist die Gesamtheit aller Aktivitäten zur Vorbereitung und Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zu gute kommender Entscheidungen." Praktiziert wird jedoch Machiavellis Ansicht: "dass Politik die Summe der Mittel ist, die nötig sind, um an die Macht zu kommen, sich an der Macht zu halten und von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen". Von Meyer sind die heutigen Politnarzissten unendlich weit entfernt, sie missbrauchen ihre Macht und die Menschen, um sich und ihre Entourage zu bereichern.

Josef Landlinger 1050 Wien

Der ewig gleiche Mist, so wenig faktisch wie eh und je

wie oben

Könnte man einmal mit dem blöden Wort "postfaktisch" aufhören? Vor allem mit den dauernden Diskussionen um irgendwelche Meldungen, an die eh niemand glaubt. Der ewig gleiche Mist - überhaupt nicht faktisch, wie immer, also lassen wir auch das "post" weg! Andere mussten den Müll abtransportieren, Busse lenken, sich mit Schülern plagen, Straßen bauen, die Familie über die Runden bringen -sie hatten keine Zeit, sich mit Blabla und den Befindlichkeiten von Trump 24 Stunden am Tag zu beschäftigen

Kurt Strohmaier via Mail

Urchristliches Ringen um Begriffe für Unvorstellbares

Zu den Beiträgen und Leserbriefen von Paul Weß und Bernhard Körner Nr. 5 ff.

Paul Weß versucht mit genauer Übersetzung urchristlicher griechischer Schlüsseltexte nachzuweisen, dass diese keineswegs Jesus als Mensch gewordenen Sohn Gottes verkünden. Und Weß meint, dass die Verkündigung christlicher Kirchen an die durch genaue Übersetzung urchristlicher Texte korrigierte judenchristliche Sicht Jesu anknüpfen müsse. Damit sollen die Kirchen das Wesentliche ihres Glaubens hinterfragen, was "eine inhaltliche Annäherung zwischen dem Christentum und dem Judentum sowie dem Islam" ermöglichen würde. Im Grunde meint dies nichts anderes als die Identifikation des dreifaltigen Gottes mit dem monistischen Gott der hebräischen Bibel. Mit anderen Worten, das Christentum würde zu einer jüdischen Sekte (Raimon Panikkar). Ich zweifle nicht an der Richtigkeit Weß'scher Übersetzungsargumente, sehe aber die Widersprüchlichkeit verschiedener Formulierungen in den ersten christlichen Verkündigungen als unvermeidlich im urchristlichen Ringen um das Verstehen der bestürzenden Geschehnisse um Jesu Tod. Wie konnte der griechische Jude Paulus in seiner gewaltigen Verkündigung der Auferstehung und Göttlichkeit Jesu eindeutige Worte für das Unvorstellbare finden? Wie konnte dies gelingen in Auseinandersetzungen mit der im Judentum wurzelnden Richtung von Petrus und Jakobus? Musste man sich nicht erst an neue Begrifflichkeiten herantasten? Genau dieses Feld urchristlichen Ringens um das Verstehen der sich in Jesu Leben und Tod offenbarenden Menschwerdung Gottes ist im Fokus eines französischen Beststellers: Emmanuel Carrère führt uns in seinem 500-seitigen Buch "Das Reich Gottes" in die Biographien des Apostel Paulus und des griechischen Proselyten und Evangelisten Lukas ein. Er tut dies mit größter historischer Genauigkeit, Einbettung in das antike Umfeld und, wo nötig, mit verantworteter schriftstellerischer Improvisation. Von Zeile zu Zeile erlebt der Leser die Radikalität des neuen Glaubens und das Aufwühlende der ersten christlichen Texte. Das Buch trifft den modernen Menschen, ob gläubig oder nicht. Er spürt die Liebe des Autors zu dem, was er zuvor innig geglaubt hat, jetzt aber als Agnostiker sieht, vielleicht glauben möchte, wovor er aber sich doch fürchtet. Wie dem auch sei: Wer Carrères Schilderung der Dynamik christlicher Anfänge erlebt, wird nicht versucht sein, die Entfaltung der christlichen Lehre auf das Gottesbild des Alten Testaments, dem die Trinitätsdynamik fremd ist, einengen zu wollen. Die Lektüre von Carrères Buch wäre allen akademischen Theologen mit ähnlichen anti-trinitären Tendenzen zu empfehlen.

Univ.-Prof. Dr. Georg Mandl via Mail

In der Schwebe auf Orientierung unterwegs

wie oben

Joseph Ratzinger verweist in seiner "Einführung in das Christentum"(Kösel-Verlag, München 1968) im fünften Kapitel "Glaube an den drei-einen Gott" auf ein denkwürdiges Wort des Jansenisten Saint Cyran: Der Glaube bestehe aus einer Reihe von Gegensätzen, welche durch die Gnade zusammengehalten werden. Jede Häresie sei zugleich eine Chiffre für eine bleibende Wahrheit, die wir nur zusammenhalten müssen mit anderen, gleichzeitig geltenden Aussagen, von denen losgetrennt sie einen falschen Anblick ergäbe. In diesem Zusammenhang verweist der spätere Papst Benedikt XVI. auf das Gesetz der Komplementarität. Es besagt, dass im physikalischen Experiment der Beobachter selbst in das Experiment eingeht, dass der Ausgang des Experiments - die Antwort der Natur -abhängt von der Frage, die an sie gerichtet wird. In der Frage nach Gott aristotelisch nach einem letzten Begriff zu suchen, ist eine der vielen Möglichkeiten. Das ist kein Abgleiten in die Beliebigkeit, sondern Einsicht in die Begrenztheit und Fragwürdigkeit unseres Begreifenwollens. Die Methoden von Exegese oder Dogmatik verweisen jeweils darauf, was der Interpret an ihm zugewachsenen Einsichten vermitteln kann. Sowohl die Schlussfolgerungen von Paul Weß wie der Verweis von Bernhard Körner auf Bibelübersetzungen und Handbücher der Dogmatik lassen fragen: Glaube ich nicht, was ich glaube -oder glaube ich, was ich nicht glaube? Es bleibt, in der Schwebe auf Orientierung unterwegs zu sein.

Franz Danksagmüller 4973 St. Martin/Innkreis

Seligsprechung als Anstoß zu breiter, intensiver Diskussion

Den SS-Eid für Adolf Hitler verweigert Nr. 11, Seite 15

Danke an Otto Friedrich für den Artikel zur Seligsprechung meines Vaters Josef Mayr-Nusser. Österreich war durch eine Delegation von Pax Christi und Jägerstätters Tochter Maria bei der Feier vertreten, was uns sehr gefreut hat. Zu hoffen ist, dass es nicht bei den Feierlichkeiten bleibt, sondern dass die Themen, die Jägerstätter und meinem Vater so wichtig waren, intensiver und breiter diskutiert werden.

Prof. Albert Mayr I-50129 Florenz

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