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Nur Druck von außen kann etwas bewirken

Der Kulturkampf um die rechte Kirche Von Otto Friedrich Nr. 36, Seite 14

Eine informative Analyse, erschütternd und ernüchternd! Ja, so wird es wohl sein! Das ist der Zustand der röm.-kath. Kirche, und dabei ist das nur einer der Aspekte jener dunklen Machenschaften, die das Zweite Vatikanische Konzil lächerlich machen und desavouieren wollen. Dabei haben Restauration und Intrige noch nie in die Zukunft geführt. Neben anachronistischer Restauration steht noch das Drama der Perversion von versuchter Ehelosigkeit: Missbräuche ohne Ende. Als die sexuellen Missbräuche durch Kirchenmänner vor etwa 15 bis 20 Jahren zum ersten Mal wirklich weithin publik und auch öffentlich wahrgenommen wurden, ahnten nur die Insider, was da alles zutage treten würde. Eugen Drewermann hatte mit dem in den 1980er Jahren verfassten, von vielen verteufelten Buch "Kleriker" in vielem Recht, nur glaubte ihm das Kirchenvolk damals kaum, und der klerikale Teil des Gottesvolkes war zum kleinen Teil naiv gutgläubig über die Brüder im Amt, zum großen Teil hingegen nicht bereit, sich der Wahrheit zu stellen. Traurig ist, dass man heute immer noch, selbst in den aufgeschlossenen Kreisen der Kirche Sager hören kann wie "in den Familien gibt es viel mehr Missbräuche". Ich war selbst einige Jahre in einem Priesterseminar und weiß, wie selbstverständlich man auch dort schuldhafte Geschehnisse unter den Teppich kehrte und kehrt. Da ist das Schuldeingeständnis von Papst Franziskus immerhin ein vorbildlicher Schritt, wenngleich ihm weitere folgen müssen. Es braucht die radikale Suspendierung der Priester und Bischöfe, die selbst involviert oder verantwortlich waren und sind. Lebenswege sind zerstört, Traumen haben sich in die Tiefe der Seelen gegraben. Wer heute noch den Mehrwert von Religion gegenüber säkularer sozialer Verantwortung behauptet, muss zuallererst die Krankhaftigkeit eines Lebensstils, der zu zahllosen Missbräuchen führt, heilen und reparieren, bevor der Kirche irgendeine Art von Mission zugebilligt werden oder eine öffentliche Rolle gegeben werden darf. Nur der Druck der Gesellschaft kann in der Kirche etwas bewirken. Systemimmanent wird es über eine Entschuldigung à la Franziskus nicht hinausgehen.

Heinrich Kaloubek via Mail

Trennung von Religion und Staat wäre Verrat am Islam

Diese wirklich dummen Muslime Von Otto Friedrich Nr. 37, Seite 13

Nein, ich werde das Buch von Thilo Sarrazin nicht lesen. Aber nicht, weil Sie davon abraten, sondern weil ich ihm in den (wenigen) Sätzen, mit denen Sie ihn zitieren, geradewegs zustimmen muss. Trotzdem ist mir diese Islamkritik immer noch zu oberflächlich oder besser gesagt: Den Islam als solchen kann man eigentlich gar keiner Kritik dieser Art unterziehen. Man kann und muss diese -ich sage -"natürliche" Religion im Licht der Aufklärung und des Christentums beschreiben. Aber rückständig nicht im Sinne Sarrazins, sondern im fundamentalen Verhältnis zur Freiheit des Christen (Paulus: Wir sind nicht dem Buchstaben verpflichtet, sondern dem Geist ). Der Islam kann keine Religionsfreiheit kennen im Sinne des Christentums, das seinerseits nur vom persönlich freien Glauben leben kann. Man müsste mit einer fundamentalen Analyse der Gottes-Vorstellung des Islams anfangen: derselbe Gott, aber unmöglich dieselbe Gottesvorstellung wie das Christentum und deshalb auch nicht dasselbe Menschenbild. "Rückständig" ist das Verhältnis, in dem hier der Mensch als Kreatur zum Schöpfer steht: nämlich in einer (noch) polaren und grundsätzlich starren Anbetung, in der der Mensch am Standort der reinen Kreatur verbleibt, während Gott an dem seiner transzendenten Gottheit verharrt. Die islamische Gottesvorstellung ist natürlich unvereinbar mit der Möglichkeit einer Mensch-bzw. Geschöpfwerdung Gottes. Warum kommt der Koran beim natürlichen Glauben besser an als das Evangelium? Weil der natürliche Glaube einen (irdisch) mächtigen Gott haben will. Für einen erfahrbar mächtigen Gott will er kämpfen, nicht für einen am Kreuz. Letzteres ist gotteslästerlich. Gott muss hier auf der Erde siegen und nicht am Kreuz! Der natürliche Glaube will einen Gott, der sagt: Mein Reich ist von dieser Welt. Entgegen dem Wort Jesu: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Deshalb ist alle staatliche Gewalt und die Autorität der Moschee und der Familienoberhäupter das gebotene Instrument der Mission im Namen Allahs zum Endzweck, dass Allah (durch den Islam) über die Menschheit herrsche und das Böse ausgemerzt werde auf der Welt durch die Gesetze der Scharia. Weil alle staatliche und öffentliche Gewalt im Dienst Allahs bzw. des Islams steht, ist eine Trennung von Religion und Staat Verrat am Islam. Meine persönlichen Wünsche an den Islam, sofern diese im überkommenen Islam Platz haben könnten:

dass sich die Moscheen öffnen mögen für jeden, der dort sich absichtslos interessieren will;

dass in den Moscheen selbstverständlich in der Landessprache verkündet wird;

dass jeder Muslim sich seinerseits frei interessieren darf und kann für die Glaubensinhalte anderer Religionen;

dass Muslimen innerislamisch das Recht zugesprochen wird, zu einer anderen Religion zu konvertieren;

dass Liebesbeziehungen bis hin zu Ehen zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Partnern nicht mehr als straftwürdiger Verrat geahndet werden;

dass Muslime erkennen, dass für eine wahre Gottheit die Menschen die "Ungläubigen" sind, die hassen oder ausschließlich nur ihresgleichen lieben.

Pfarrer Peter Mathei

Genau die Antworten, die der Interviewer sich wünschte

"Verteilungsdebatte ist ausgeschaltet" Nr. 37, Seite 6

Die Kritik der Ökonomin und Politikwissenschafterin Gabriele Michalitsch am Umgang der Politik mit der Finanzkrise ist sicher nicht unberechtigt. Allerdings bekommt man den Eindruck, dass der Interviewer genau die Antworten erhielt, die er sich wünschte, ansonsten hätte er bei manchen -eher fragwürdigen - Aussagen der Wissenschafterin "nachgebohrt" und zumindest irgendwo erwähnt, dass Frau Michalitsch seinerzeit "mit feministischer Politik der Finanz-und Wirtschaftskrise begegnen" wollte (der betreffende Artikel scheint bis heute wohl nicht zufällig auf der KPÖ-Homepage auf). Andererseits wird die Tendenz des Interviews dem Leser ohnehin bald klar. Aufschlussreich wäre es gewesen, dem Interview ein Gespräch mit jemandem, der weniger "ideologiebestimmt" ist, gegenüberzustellen. Im Übrigen ist der Begriff "Gräuelpropaganda" zwar sehr wohl ein NS-Terminus, er wurde jedoch bereits im Ersten Weltkrieg verwendet. Und wenn Frau Michalitsch vom Zwölf-Stunden-Tag spricht, agiert sie auch nicht ganz "propagandafrei".

Mag. Josef Kaltenbrunner

Unsauber

Intern Nr. 36, Seite 2

Ich war beim Lesen Ihrer Verteidigung der Kritik an Armin Wolf ziemlich verärgert, weil Sie unsauber argumentieren: "Gerüchte über " lässt beide Interpretationen offen, wie Sie schreiben. "Gerüchte rund um " ist eindeutig. Die Messerstecherei ist da ein Faktum und wird da nicht in Zweifel gezogen. Herr Wolf hat nicht von Gerüchten über eine Messerstecherei berichtet. Insofern unterstellen Sie ihm eine mögliche Bagatellisierung, die von seinen Aussagen her nicht abzuleiten ist.

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