Michael Stavarič und Brigitte Schwens-Harrant - © Österreichische Gesellschaft für Literatur

Von Neugierde getragen: "Übers Schreiben sprechen" von Brigitte Schwens-Harrant

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Seit 2015 findet in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur die Reihe „WERK.GÄNGE“ statt, die Brigitte Schwens-Harrant leitet. 18 Gespräche sind nun in einem Buch nachzulesen.

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Seit 2015 findet in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur die Reihe „WERK.GÄNGE“ statt, die Brigitte Schwens-Harrant leitet. 18 Gespräche sind nun in einem Buch nachzulesen.

Dass Literatur beim Lesen erst zu leben beginnt, ist eine Binsenweisheit. Dass Leserinnen und Leser nicht nur dazu da sind, Leerstellen aufzufüllen, sondern mit ihrer Lust die in den Texten hinterlassene Lust nicht nur der Schreibenden finden, aktualisieren und weitergeben können, ebenso. „Aktiv“ soll eine Lektüre sein, „produktiv“ und „fruchtbar“ sowieso – was jedoch meist fehlt, ist nicht nur ein jeweils situationsadäquates Lexikon, um den Bedeutungen dieser und ähnlicher Schlagwörter auf die Spur kommen zu können; vor allem sind es Beispiele eines solcherart „gelungenen Lesens“, die einem nicht und nicht unterkommen wollen. Doch während Schreibschulen mittlerweile allgegenwärtig sind, sind Leseschulen nur schwer zu finden.

Dass Literatur beim Lesen erst zu leben beginnt, ist eine Binsenweisheit. Dass Leserinnen und Leser nicht nur dazu da sind, Leerstellen aufzufüllen, sondern mit ihrer Lust die in den Texten hinterlassene Lust nicht nur der Schreibenden finden, aktualisieren und weitergeben können, ebenso. „Aktiv“ soll eine Lektüre sein, „produktiv“ und „fruchtbar“ sowieso – was jedoch meist fehlt, ist nicht nur ein jeweils situationsadäquates Lexikon, um den Bedeutungen dieser und ähnlicher Schlagwörter auf die Spur kommen zu können; vor allem sind es Beispiele eines solcherart „gelungenen Lesens“, die einem nicht und nicht unterkommen wollen. Doch während Schreibschulen mittlerweile allgegenwärtig sind, sind Leseschulen nur schwer zu finden.

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Brigitte Schwens-Harrants Reihe „WERK.GÄNGE“, die nun in Buchform erscheint, könnte eine solche Leseschule sein. In der Veranstaltungsreihe, die seit 2015 in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur stattfindet, lädt die Kritikerin mehrmals im Jahr Vertreterinnen und Vertreter der (nicht nur österreichischen) Gegenwartsliteratur ein, mit ihr virtuelle Spaziergänge durch einige von deren Büchern zu unternehmen. Bisher wurden 23 intensive Gespräche übers Lesen, über Bücher und über deren Autorinnen und Autoren geführt. Der Bogen spannt sich über Generationen- und Gattungsgrenzen hinweg von Ferdinand Schmatz bis Julya Rabinowich, von Doron Rabinovici bis Laura Freudenthaler. Die Genannten sind auch in der Auswahl aus den im Rahmen der „WERK.GÄNGE“ geführten Gesprächen enthalten, die nun im Sonderzahl Verlag in Buchform erscheint. „Übers Schreiben sprechen“ heißt der Band, in alphabetischer Reihenfolge finden sich darin „18 Positionen österreichischer Gegenwartsliteratur“ von Bettina Balàka bis Andrea Winkler.

Auf den ersten Blick sind die „WERK.GÄNGE“ Werkstattgespräche, in denen es darum geht, wie die Texte entstanden, wie sie gemacht und erarbeitet wurden, welche Idee den Ausgangspunkt bildete, wie es zu Inhalten, Formen oder Kon­struktionen kam. Durch das Thematisieren mehrerer Bücher, deren Publikationstermine oft durch Jahre getrennt sind, wechseln die Perspektiven ständig: Nicht selten kann im Gespräch über Facetten des neuen ein Detail eines älteren Buches anders gelesen und gesehen werden – und umgekehrt. Diese unterschiedlichen Betrachtungswinkel schärfen den Blick auf ein vielschichtiges Werk mit all seinen Veränderungen und Konstanten.

Durch das Thematisieren mehrerer Bücher, deren Publikationstermine oft durch Jahre getrennt sind, wechseln die Perspektiven ständig.

Bei den Veranstaltungen werden kurze Lesungen eingeflochten, die das Gesagte illustrieren, untermauern – oder aushebeln. Rhythmen und Tonfälle werden im Wechselspiel aus Rede und Lesungen verschiedener Texte aus unterschiedlichen Zeiten zur idealen Basis, um weiterzusprechen, einzuhaken, nachzufragen. Den Rahmen bildet ein Veranstaltungsraum, und auch das anwesende Publikum prägt die Gespräche allein durch seine Konzentration. Es ist zudem wichtig, dass nicht von einer hohen Bühne herab in einen dunklen Raum gesprochen wird, sondern eine ruhige Salonatmosphäre die Zuhörenden einbindet in das Miteinander am Lesetisch.

Vor allem werden die „WERK.GÄNGE“ aber von der Zurückhaltung und Neugierde der Gesprächsleiterin getragen. Es geht ihr nicht darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken, wie das in vielen Interviews mit Schreibenden der Fall ist – im eitlen Drang, eigene Wahrnehmungen und Lektüreerfahrungen im Gespräch mit Autorinnen und Autoren verifizieren, eigene Interpretationen zur Diskussion stellen zu wollen.

Indem Brigitte Schwens-Harrant den Gesprächspartnern Raum gibt und Zeit lässt, nimmt sie sich so weit zurück, dass ein Nachdenken möglich wird. Indem sie, gründlich vorbereitet, gezielt andere Fragen stellt – so konzis wie nötig, so offen wie möglich –, ist die Basis gelegt für genauere Blicke auf Texte – und für andere Antworten.

Der Autor ist Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Literatur.

Buchpräsentation

Übers Schreiben sprechen

Mit Sabine Gruber, Michael Stavarič und Brigitte Schwens-Harrant.
Moderation: Manfred Müller
Österreichische Gesellschaft für Literatur
5. April 2022, 19 Uhr
www.ogl.at

Übers Schreiben sprechen - © Sonderzahl
© Sonderzahl
Buch

Übers Schreiben sprechen

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