Kierling Kafka-Gedenkraum - © Brigitte Schwens-Harrant

Wo Kafka letzte Briefe schrieb

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In einem Sanatorium in Kierling/Klosterneuburg starb 1924 ein bedeutender deutschsprachiger Autor: Franz Kafka. Ein Studien- und Gedenkraum erinnert daran.

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In einem Sanatorium in Kierling/Klosterneuburg starb 1924 ein bedeutender deutschsprachiger Autor: Franz Kafka. Ein Studien- und Gedenkraum erinnert daran.

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Kierling bei Klosterneuburg. Ein kleines Dorf am Fuß des Wiener Kahlenbergs, bis in die Dreißigerjahre ein beliebter Luftkurort. Das Gebäude des ehemaligen Sanatoriums Hoffmann steht immer noch, an der Hauptstraße 187. Ein historischer Ort, denn am 3. Juni 1924 ist einer der berühmtesten und wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller dort gestorben: Franz Kafka.

Seit Jahren hatte Kafka an Tuberkulose gelitten, er war im Wiener Allgemeinen Krankenhaus behandelt worden und hatte sich im April 1924 selbst entlassen, entgegen ärztlichem Rat. Seine letzten Wochen verbrachte er in Kierling. Das sonnige Balkonzimmer, das Kafkas Sterbezimmer werden sollte, ging in den Garten hinaus. Von seiner Lebensgefährtin Dora Diamant und seinem Freund Robert Klopstock wurde Kafka gepflegt und begleitet. Bald konnte er nicht mehr sprechen, schrieb Zettel und Briefe, aber auch noch an seinen letzten literarischen Arbeiten.

Dokumente und Briefe

Im Juli 1983, anlässlich Kafkas 100. Geburtstags, wurde in diesem ehemaligen Sanatorium durch die Österreichische Franz-Kafka-Gesellschaft ein Studien- und Gedenkraum eröffnet. Fotodokumente, Briefe und Karten (Faksimile) aus den letzten Monaten vor Kafkas Tod sowie eine frei benutzbare Bibliothek mit seinen Werken, Sekundärliteratur und Übersetzungen aus vielen Sprachen sollten an Kafkas letzte Lebensjahre erinnern.

Als Manfred Müller in Nachfolge von Wendelin Schmidt-Dengler (bis 2008) und Jirí Grusa (bis 2011) den Vorsitz der Franz-Kafka-Gesellschaft übernahm, wurde er mit dem Problem konfrontiert, dass die Miete nicht mehr zur Gänze von der Stadt Klosterneuburg bezahlt wurde. Der Verein sah sich außerstande, den Studien- und Gedenkraum weiter zu finanzieren. Der Mietvertrag war bereits gekündigt, da gelang das kleine Wunder: Berichte in den Medien (auch die FURCHE berichtete) führten tatsächlich dazu, dass sich private Sponsoren meldeten, die bereit waren, die Miete aus eigener Tasche zu bezahlen.

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