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Los von Wien

Dass man in Oberzeiring einen "hinreißenden" Shakespeare spiele, befand der Steirer Franz Morak und strich den Wiener Festwochen ein erkleckliches Subventionssümmchen: Umverteilung tue not, Kultur passiere nicht nur in Wien, "sondern auch an jedem anderen Ort".

Nun, wohl nicht "an jedem" Ort. Aber "Los von Wien!" rufen allsommerlich längst auch kulturhungrige Wiener, und mancherorts wird durchaus Anspruchsvolles geboten. Zum Beispiel bei den Perchtoldsdorfer Sommerspielen, wo man heuer einen vielleicht nicht hin-, aber jedenfalls mitreißenden Shakespeare aufgeführt hat: "Was ihr wollt". Was alle wollen, ist Geld, und so müsste man sich dort jetzt über Moraks Füllhorn freuen können. Allein: Das Bundeskanzleramt zahlt gar nichts.

Im Thalhof zu Reichenau erweckt Helga David dank einer subtilen Dramaturgie seit Jahren Schnitzler-Texte zum Leben - heuer den Roman "Therese" mit Maresa Hörbiger und Simon Hatzl. Und Moraks Hilfe? Vom Bund erhält David keinen luckerten Heller, dafür springt das Rote Wien ein.

In Roseggers Krieglach fand heuer zum 14. Mal die "Woche der Alten Musik" statt, die stets durch fein komponierte Programme und prominente Künstler von Jordi Savall bis Trevor Pinnock glänzt. Früher gab es 50.000 Schilling vom Bund, heute ist es noch weniger - so wenig, dass man sich "geniert", den Betrag zu nennen.

So hat Morak mit seinem Programm der Provinzialisierung außer Unruhe kaum etwas gestiftet. Mit seinen Kritikern geht er um wie ein gekränkter Potentat. Am liebsten wäre ihm wohl, sie würden auf Peter Rosegger hören; auf einem Gipfelkreuz in den Aflenzer Staritzen steht geschrieben: "Ein bißchen mehr Ruhe / und weniger Streit, / ein bißchen mehr Güte / und weniger Neid."

Die Autorin ist Germanistin und Literaturkritikerin in Wien.

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