Luxusschlitten als Kunst

Das Kunsthaus Bregenz zeigt in seiner aktuellen Schau Werke des weltberühmten zeitgenössischen Künstlers Richard Prince. Die erste Einzelausstellung in Österreich beinhaltet viele ganz neu entstandene Arbeiten, aber auch welche, die direkt aus dem Atelier des Künstlers ins Kunsthaus Bregenz gebracht wurden. Die zumindest pekuniäre Bedeutung von Richard Prince mag darin abgelesen werden, dass 2007 bei Sotheby's in New York eine Fotografie von ihm um ca. 2,5 Millionen Euro verkauft wurde. Es handelt sich damit um die teuerste jemals verkaufte Einzelfotografie.

Die Pressekonferenz wurde kurzerhand ins geräumige Erdgeschoss verlegt, da sich so viele Journalisten angemeldet hatten. Es filmten einige Kamerateams, und als Richard Prince sich eingehend äußerte, sprach Kunsthausdirektor Yilmaz Dziewior von einem "historischen Moment", da sich der Künstler normalerweise den Medien gegenüber sehr scheu erweise.

Viel zum Entdecken und Schauen

Die Ausstellung in Bregenz zeigt einen Künstler, der am Zenit seines Schaffens zu stehen scheint. Unter dem Titel "It's a Free Concert" zeigt das Kunsthaus Bregenz auf vier Etagen voluminöse Skulpturen wie Autokarosserien in Echtgröße und klein-bis großformatige Bilder, die den Ausstellungsraum mit Bedeutung aufladen. Die Show ist also keineswegs durch minimalistische Leere, sondern durch maximale Fülle geprägt. Es gibt viel zum Entdecken und zum Schauen.

Der Titel wird immer wieder aufgegriffen, und leitmotivisch durch die Ausstellung durchbuchstabiert. Von einer Skulptur namens "Sound" über ein wandfüllendes Gemälde mit dem Titel "3 days of peace and music" bis hin zu zwei mit Schallplatten umwickelten Kartonrohren in Lederschuhen wird dies immer wieder durchexerziert. Dementsprechend auch die Schwarz-Weiß-Aufnahmen vom Publikum der Mutter aller Rockevents, dem Woodstock-Festival, an den KUB-Billboards, den externen Werbeflächen des Kunsthauses, entlang der Straße am Bodensee.

Ein zentrales Gestaltungselement sind die Auto-Skulpturen. Es handelt sich hierbei um amerikanische Luxusschlitten der Marke Chevrolet El Camino und Buick Grand National. Den Anfang setzt im Erdgeschoß eine Autokarosserie mit dem Titel "Elvis", die vollständig schwarz angemalt ist. Schwarz als Zeichen für jenes Auto im amerikanischen Gangster-Film, das die "Guten" verfolgt. Im ersten Stockwerk folgt dann ein mit leicht bekleideten Frauen überzogenes Auto, während im zweiten Stock drei Karosserien zu sehen sind, die geradezu bildhauerisch aus einem Block zu wachsen scheinen. Im dritten Stockwerk ist das zentrale Auto mit nackten Frauenkörpern bemalt. Das Auto wird hier zur Verkörperung des amerikanischen Traumes von Stärke und verschmilzt mit dem individuellen Wunsch nach einer frei gelebten Sexualität. Charakteristisch für Richard Prince sind auch die großformatigen, beinahe die ganze Kunsthaus-Wand einnehmenden Bilder, die nur ein kleines, sinntragendes Element besitzen, wie etwa einen konventionell-sexualisierten Witz betitelt "Piano Joke". Überhaupt sind Witze die beliebte Ausdrucksform von Richard Prince, und zwar so, dass sie wie Sprachspiele im Sinne Wittgensteins vorgeführt werden, und zwei Ebenen gegeneinander ausspielen, zum Beispiel: "Mein Doktor hat mir gesagt, ich soll auf mein Trinken achten. Jetzt trinke ich vor einem Spiegel".

Legen und Verwischen von Spuren

Insgesamt fällt das Verrätselnde, Hermetische der Arbeiten von Prince auf. Im zweiten Stockwerk etwa steht ein Jesuswitz auf einer wandfüllenden Leinwand einer ebenfalls riesigen blaugrünen Leinwand gegenüber, die eine Welle oder ein aufgeschlagenes Buch darstellen könnte, und den Titel "Ulysses" (Odysseus) trägt. Im Jesuswitz geht es darum, dass jemand im Himmel Jesus bittet, nach zweitausend Jahren endlich wieder einmal auf die Erde hinunter zu gehen, "um ein bißchen Friede und Freude zu verbreiten" und Jesus antwortet, "Sicher, sobald ich das verdammte Klavier wieder spielen kann". Hier wird das Wirken Jesu Christi zu einem kleinen Kitsch-Balsam ("ein bißchen Friede und Freude verbreiten") und die Wiederkunft Christi, die Apokalypse wird davon abhängig gemacht, ob Jesus Klavier spielen kann oder nicht. Sowohl das Christentum als auch die griechische Antike sind so rätselhaft geworden, wie die ebenfalls im zweiten Stockwerk ausgestellten geometrischen Formen. Überhaupt scheint das Legen und Verwischen von Spuren eine der künstlerischen Strategien von Prince zu sein. Auch wenn die Arbeiten mitunter ins Pornografische abgleiten, ist hier ein großer Künstler mit großer Kunst vertreten.

Richard Prince. It's a Free Concert Kunsthaus Bregenz, bis 5. Oktober bis 31.8.: täglich 10-20, Do bis 21 Uhr ab 1.9.: Di-So 10-18, Do bis 21 Uhr www.kunsthaus-bregenz.at

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