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Feuilleton

Lyrische Reaktionen Auf Trakl

1945 1960 1980 2000 2020

EIN BUCH ÜBER DIE WIRKUNGEN DER LYRIK GEORG TRAKLS AUF ANDERE DICHTER.

1945 1960 1980 2000 2020

EIN BUCH ÜBER DIE WIRKUNGEN DER LYRIK GEORG TRAKLS AUF ANDERE DICHTER.

Anna Maria Achenrainer (1909-1972) hat Pech. Ihr Gedicht "Georg Trakl" eröffnet eine Anthologie, in der Poesie versammelt ist, die sich mit der Person Trakls oder dessen Werk auseinandersetzt. Nach den sechs knallhart gereimten Strophen ("Feuerschlünden das grelle Münden","Brunnenadern Weltenhadern") und Bildern, die an Heftigkeit und Aufdringlichkeit schwer zu übertreffen sind, wissen wir, dass sie zu Recht vergessen wurde. Was sagt uns die Wendung "mohndunkle Tage"? Klar, das ist ein dezent gemeinter Hinweis auf Trakl als Giftler. Die Autorin müht sich, in die Sprache Trakls zu kommen, so findet auch noch "ein blaues Weinen" Eingang ins Gedicht. Tollkühn jedenfalls, wie das Gedicht nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des jungen Dichters ("ein jähes Herzermatten /höhlt dich mit bleichem Grauen") wider jede Vernunft den Umschwung zur religiösen Erbauung schafft. Die Welt ist abgebrannt, doch unverdrossen "tönt Gottes goldene Stille".

Überraschende Funde

Der Zufall des Alphabets will, dass dieses Gedicht unmittelbar vor einem von Ilse Aichinger, geb. 1921, steht ("Versuch"). Diese Autorin versteht alles von sprachlicher Ökonomie. Ein Frageton ist dieser Art von Lyrik eingeschrieben, nichts zu sehen von besserwisserischem Ton oder einem Triumphgestus.

Beide Gedichte müssen unbedingt in diesen Band, weil es ja nicht darauf ankommt, die Höhepunkte abendländischer Literatur auszustellen, sondern zu zeigen, welche Wirkung Trakl auf Zeitgenossen und die nächsten Generationen bis in die unmittelbare Gegenwart ausgeübt hat. Dazu gehört, dass sich nicht nur große Meister an dessen Werk abgeschliffen haben. So erfährt man eine Menge darüber, wie sich die jeweilige Zeit eingeschlichen hat in das einzelne Gedicht. Einmal gilt Trakl als die unangefochtene Größe, dann wieder wird er -wie bei Antonio Fian -des Glanzes beraubt: "Wahnnah /naht Trakl /der Blaa-Alm "

114 Dichterinnen und Dichter hat Hans Weichselbaum, der Leiter der Georg-Trakl-Forschungs-und Gedenkstätte in Salzburg, gefunden, die sich auseinandersetzen mit Trakl. Das Buch dekliniert die Spielarten der Lyrik in den letzten hundert Jahren durch. So gut wird kein Kenner Bescheid wissen, dass er nicht auf überraschende Funde aufmerksam werden wird.

Trakl-Echo Poetische Trakl-Spuren aus 100 Jahren. Hg. von Hans Weichselbaum. StudienVerlag 2013. 100 S., kart., € 19,90

Anna Maria Achenrainer (1909-1972) hat Pech. Ihr Gedicht "Georg Trakl" eröffnet eine Anthologie, in der Poesie versammelt ist, die sich mit der Person Trakls oder dessen Werk auseinandersetzt. Nach den sechs knallhart gereimten Strophen ("Feuerschlünden das grelle Münden","Brunnenadern Weltenhadern") und Bildern, die an Heftigkeit und Aufdringlichkeit schwer zu übertreffen sind, wissen wir, dass sie zu Recht vergessen wurde. Was sagt uns die Wendung "mohndunkle Tage"? Klar, das ist ein dezent gemeinter Hinweis auf Trakl als Giftler. Die Autorin müht sich, in die Sprache Trakls zu kommen, so findet auch noch "ein blaues Weinen" Eingang ins Gedicht. Tollkühn jedenfalls, wie das Gedicht nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs und dem Untergang des jungen Dichters ("ein jähes Herzermatten /höhlt dich mit bleichem Grauen") wider jede Vernunft den Umschwung zur religiösen Erbauung schafft. Die Welt ist abgebrannt, doch unverdrossen "tönt Gottes goldene Stille".

Überraschende Funde

Der Zufall des Alphabets will, dass dieses Gedicht unmittelbar vor einem von Ilse Aichinger, geb. 1921, steht ("Versuch"). Diese Autorin versteht alles von sprachlicher Ökonomie. Ein Frageton ist dieser Art von Lyrik eingeschrieben, nichts zu sehen von besserwisserischem Ton oder einem Triumphgestus.

Beide Gedichte müssen unbedingt in diesen Band, weil es ja nicht darauf ankommt, die Höhepunkte abendländischer Literatur auszustellen, sondern zu zeigen, welche Wirkung Trakl auf Zeitgenossen und die nächsten Generationen bis in die unmittelbare Gegenwart ausgeübt hat. Dazu gehört, dass sich nicht nur große Meister an dessen Werk abgeschliffen haben. So erfährt man eine Menge darüber, wie sich die jeweilige Zeit eingeschlichen hat in das einzelne Gedicht. Einmal gilt Trakl als die unangefochtene Größe, dann wieder wird er -wie bei Antonio Fian -des Glanzes beraubt: "Wahnnah /naht Trakl /der Blaa-Alm "

114 Dichterinnen und Dichter hat Hans Weichselbaum, der Leiter der Georg-Trakl-Forschungs-und Gedenkstätte in Salzburg, gefunden, die sich auseinandersetzen mit Trakl. Das Buch dekliniert die Spielarten der Lyrik in den letzten hundert Jahren durch. So gut wird kein Kenner Bescheid wissen, dass er nicht auf überraschende Funde aufmerksam werden wird.

Trakl-Echo Poetische Trakl-Spuren aus 100 Jahren. Hg. von Hans Weichselbaum. StudienVerlag 2013. 100 S., kart., € 19,90