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Feuilleton

Man liebt jetzt zweimal

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Es gibt im Kino des Südkoreaners Hong Sang-soo wie bei kaum einem anderen asiatischen Filmemacher die Poesie der Ähnlichkeit; nicht selten berichtet dieser Auteur von sehr ähnlichen Geschichten, ähnlichen Menschen und Begegnungen. Das lässt sich einerseits als Unverkennbarkeit seines Werkes lesen, andererseits auch als Merkmal einer kontinuierlichen Forschung an zwischenmenschlichen Verhaltensweisen.

In "Right now, wrong then", der vergangenes Jahr in Locarno den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, erhielt, steigert Hong Sang-soo diese Forschung noch, indem er seinem Protagonisten so etwas wie eine zweite Chance gewährt - und den Film ab der Mitte mit leicht geänderten Vorzeichen gleich noch einmal von vorne beginnen lässt.

Der Regisseur Ham Chun-su (Jung Jaeyoung) - auch so eine Figur gibt es bei Hong Sang-soo nicht zum ersten Mal - ist einen Tag zu früh nach Suwon gereist, wo sein Film präsentiert werden soll - allerdings erst am nächsten Abend. Bis dahin will er sich die Zeit vertreiben und lernt bei einem Spaziergang das Mädchen Yoon (Kim Min-hee) kennen, lädt es zum Kaffee ein, quatscht mit ihr über cinephile Aspekte seiner Arbeit und steigert sich bald schon in die Vorstellung hinein, dass sie seinen Annäherungsversuchen nachgibt.

Doch die Konversation nimmt einen gar nicht so günstigen Verlauf, weil Ham Yoon zu Freunden mitnimmt, die leider allzu viel über den Regisseur wissen und dies auch kundtun. Bald schon will Yoon nichts mehr von Ham wissen.

Genau hier aber setzt Hong Sang-soo seinen magischen Trick vom Neustart ein und lässt die beiden einander erneut begegnen. "Right now, wrong then" lautet jetzt der passende Untertitel dazu, der zu Filmbeginn noch "Right then, wrong now" hieß - und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

Viel Humor zwischen den Zeilen

Hong Sang-soo bietet nun dieselbe Szenerie mit denselben Figuren und den immer gleichen langen, stoisch ruhigen Einstellungen, als wolle er ein wissenschaftliches Experiment auf seine Wiederholbarkeit überprüfen. Das gelingt ihm nicht nur ganz famos und mit einer scheinbaren Leichtigkeit, sondern birgt in sich viel Potenzial für Humor, der zwischen den Zeilen liegt. Auch, oder gerade weil Hong Sang-soo seine Darsteller die beinahe gleichen Sätze noch einmal sprechen lässt, erscheint in Teil zwei dennoch alles ganz anders: Die Schauspieler haben an den Nuancen der Dialogbetonung gearbeitet, jetzt klingt das alles viel perfekter, zauberhafter, charmanter als zuvor. Ein radikales Filmkonzept, gefüllt mit der Leichtigkeit des Seins.

Right Now, Wrong Then - Jigeumeun matgo geuttaeneun teullida

ROK 2015. Regie: Hong Sang-soo. Mit Jung Jae-young, Kim Min-hee, Stadtkino. 121 Min.

Es gibt im Kino des Südkoreaners Hong Sang-soo wie bei kaum einem anderen asiatischen Filmemacher die Poesie der Ähnlichkeit; nicht selten berichtet dieser Auteur von sehr ähnlichen Geschichten, ähnlichen Menschen und Begegnungen. Das lässt sich einerseits als Unverkennbarkeit seines Werkes lesen, andererseits auch als Merkmal einer kontinuierlichen Forschung an zwischenmenschlichen Verhaltensweisen.

In "Right now, wrong then", der vergangenes Jahr in Locarno den Hauptpreis, den Goldenen Leoparden, erhielt, steigert Hong Sang-soo diese Forschung noch, indem er seinem Protagonisten so etwas wie eine zweite Chance gewährt - und den Film ab der Mitte mit leicht geänderten Vorzeichen gleich noch einmal von vorne beginnen lässt.

Der Regisseur Ham Chun-su (Jung Jaeyoung) - auch so eine Figur gibt es bei Hong Sang-soo nicht zum ersten Mal - ist einen Tag zu früh nach Suwon gereist, wo sein Film präsentiert werden soll - allerdings erst am nächsten Abend. Bis dahin will er sich die Zeit vertreiben und lernt bei einem Spaziergang das Mädchen Yoon (Kim Min-hee) kennen, lädt es zum Kaffee ein, quatscht mit ihr über cinephile Aspekte seiner Arbeit und steigert sich bald schon in die Vorstellung hinein, dass sie seinen Annäherungsversuchen nachgibt.

Doch die Konversation nimmt einen gar nicht so günstigen Verlauf, weil Ham Yoon zu Freunden mitnimmt, die leider allzu viel über den Regisseur wissen und dies auch kundtun. Bald schon will Yoon nichts mehr von Ham wissen.

Genau hier aber setzt Hong Sang-soo seinen magischen Trick vom Neustart ein und lässt die beiden einander erneut begegnen. "Right now, wrong then" lautet jetzt der passende Untertitel dazu, der zu Filmbeginn noch "Right then, wrong now" hieß - und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

Viel Humor zwischen den Zeilen

Hong Sang-soo bietet nun dieselbe Szenerie mit denselben Figuren und den immer gleichen langen, stoisch ruhigen Einstellungen, als wolle er ein wissenschaftliches Experiment auf seine Wiederholbarkeit überprüfen. Das gelingt ihm nicht nur ganz famos und mit einer scheinbaren Leichtigkeit, sondern birgt in sich viel Potenzial für Humor, der zwischen den Zeilen liegt. Auch, oder gerade weil Hong Sang-soo seine Darsteller die beinahe gleichen Sätze noch einmal sprechen lässt, erscheint in Teil zwei dennoch alles ganz anders: Die Schauspieler haben an den Nuancen der Dialogbetonung gearbeitet, jetzt klingt das alles viel perfekter, zauberhafter, charmanter als zuvor. Ein radikales Filmkonzept, gefüllt mit der Leichtigkeit des Seins.

Right Now, Wrong Then - Jigeumeun matgo geuttaeneun teullida

ROK 2015. Regie: Hong Sang-soo. Mit Jung Jae-young, Kim Min-hee, Stadtkino. 121 Min.