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Feuilleton

Maskenfall im 70er Mercedes

1945 1960 1980 2000 2020
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M it einer brillanten Idee ist es dem ORF gelungen, hinter die übliche Selbstinszenierung der Politiker zu blicken: In der Sendung "Wahlfahrt“ chauffiert ORF-Reporter Hanno Settele die Spitzenkandidaten der sechs wichtigsten Parteien einen Tag lang in einem schmucken Siebziger-Jahre-Mercedes durch Österreich, wobei Kameras im Inneren der Limousine alles aufzeichnen. Die Idee, dass Politiker in dieser Situation locker werden und sich zu authentischen Äußerungen hinreißen lassen, ist voll aufgegangen. Der Zuseher bekommt einen Blick auf die Persönlichkeit hinter der Politiker-Maske.

In der ersten Sendung waren es BZÖ-Chef Josef Bucher und Frank Stronach himself, deren komplett unterschiedlicher Charakter sich in vielsagenden Episoden offenbarte: Nach dem Besuch eines Volksfestes zum Beispiel fragt Settele Bucher, wie viele Wähler er jetzt wohl dazugewonnen habe. Ein oder zwei würden es schon gewesen sein, erwidert Bucher lachend. Stronach hingegen erklärt im vollen Ernst: Wenn er nur mit jedem Österreicher eine halbe Stunde sprechen könnte, dann würden ihn alle wählen. Wenn Stronach und Settele im Duett einen alten Elvis-Hadern singen, beziehungsweise wenn Bucher und Settele ergriffen einem tieftraurigen Kärntnerlied lauschen, dann zeigt sich sehr schön, dass es abseits von Politik Dinge gibt, die unterschiedliche Menschen verbinden können.

Aber natürlich ist "Wahlfahrt“ eine hochpolitische Sendung. Es wird nicht nur über politische Themen geredet, sondern es tritt auch das persönliche Demokratieverständnis zutage. Seine spontane Idee, die Todesstrafe wiedereinzuführen, gebar Stronach im ORF-Mercedes. Mit versteinerter Miene ließ ihn Settele einfach reden. Bei der Aussage: "Die Opposition soll aufhören zu kritisieren“, hingegen konnte sich der Reporter das Grinsen nicht verkneifen. Ein Pflichttermin für Noch-Nicht-Politikverdrossene.

M it einer brillanten Idee ist es dem ORF gelungen, hinter die übliche Selbstinszenierung der Politiker zu blicken: In der Sendung "Wahlfahrt“ chauffiert ORF-Reporter Hanno Settele die Spitzenkandidaten der sechs wichtigsten Parteien einen Tag lang in einem schmucken Siebziger-Jahre-Mercedes durch Österreich, wobei Kameras im Inneren der Limousine alles aufzeichnen. Die Idee, dass Politiker in dieser Situation locker werden und sich zu authentischen Äußerungen hinreißen lassen, ist voll aufgegangen. Der Zuseher bekommt einen Blick auf die Persönlichkeit hinter der Politiker-Maske.

In der ersten Sendung waren es BZÖ-Chef Josef Bucher und Frank Stronach himself, deren komplett unterschiedlicher Charakter sich in vielsagenden Episoden offenbarte: Nach dem Besuch eines Volksfestes zum Beispiel fragt Settele Bucher, wie viele Wähler er jetzt wohl dazugewonnen habe. Ein oder zwei würden es schon gewesen sein, erwidert Bucher lachend. Stronach hingegen erklärt im vollen Ernst: Wenn er nur mit jedem Österreicher eine halbe Stunde sprechen könnte, dann würden ihn alle wählen. Wenn Stronach und Settele im Duett einen alten Elvis-Hadern singen, beziehungsweise wenn Bucher und Settele ergriffen einem tieftraurigen Kärntnerlied lauschen, dann zeigt sich sehr schön, dass es abseits von Politik Dinge gibt, die unterschiedliche Menschen verbinden können.

Aber natürlich ist "Wahlfahrt“ eine hochpolitische Sendung. Es wird nicht nur über politische Themen geredet, sondern es tritt auch das persönliche Demokratieverständnis zutage. Seine spontane Idee, die Todesstrafe wiedereinzuführen, gebar Stronach im ORF-Mercedes. Mit versteinerter Miene ließ ihn Settele einfach reden. Bei der Aussage: "Die Opposition soll aufhören zu kritisieren“, hingegen konnte sich der Reporter das Grinsen nicht verkneifen. Ein Pflichttermin für Noch-Nicht-Politikverdrossene.