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Feuilleton

Mechanismen der Kooperation

1945 1960 1980 2000 2020
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Ein Paradebeispiel für Phänomene, die nur in Gruppen auftreten, ist Kooperation. Lange Zeit galt es als ungelöste Frage, wie sich in einer Gesellschaft die von den Eigeninteressen ihrer Mitglieder bestimmt ist, kooperatives Verhalten herausbilden kann. Dieses Problem findet seinen Ausdruck im Gedankenexperiment des "Gefangenen-Dilemmas“. Es geht von folgender Situation aus: Zwei Kriminelle werden eines Verbrechens verdächtigt und von der Polizei verhaftet. Unabhängig voneinander schlägt man ihnen einen Handel vor. Wenn einer der beiden den anderen verrät, muss dieser für zehn Jahre ins Gefängnis, der Verräter geht frei. Wenn sie einander gegenseitig belasten, erhalten beide eine Strafe von jeweils fünf Jahren. Schweigen beide, muss jeder für ein halbes Jahr hinter Gitter. Solange keiner der beiden weiß, wie sich der andere verhalten wird, ist es die klügste Strategie, ein Verräter zu sein.

Der Wissenschaftler Robert Axelrod zeigt in den 80er-Jahren anhand einer Reihe von Computersimulationen, wie sich aus dem Zusammentreffen egoistischer Akteure Muster dennoch kooperativen Verhaltens ergeben kann. Zusätzlich ließ er in einer Art Wettbewerb verschiedene Computerprogramme gegeneinander antreten. Bei jedem Zusammentreffen konnten die Programme einander betrügen oder kooperieren, wofür es Punkte zu gewinnen oder zu verlieren gab. Als langfristig erfolgreich erwies sich das simple Programm "Tit for Tat“. Dessen Strategie besteht darin, im Eröffnungszug zu kooperieren und danach in jeder Runde das zu tun, was der Gegner in der vorherigen Runde getan hat. Es bestraft also Betrug mit Betrug, ist aber auch "nachsichtig“ und lässt sich schnell wieder besänftigen.

Gutes mit Gutem vergelten

Dass dies nicht nur mathematische Spielerei ist, bestätigt der Evolutionsbiologe Bernard Wallner vom Department für Anthropologie der Universität Wien. "Wir finden dieses Verhalten auch bei Primaten, die in kleinen Gruppen ohne besonders dominante Tiere leben“, sagt er. Das Prinzip, Gutes mit Gutem zu vergelten, gibt es in modifizierter Form auch beim Menschen.

Weil Menschengruppen meist größer waren und wiederholte Begegnungen mit denselben Personen seltener, erfolgte die Belohnung für Kooperation durch Dritte. Damit einher geht die Ausbildung sozialer Hierarchien. Vertrauenswürdigkeit schafft Prestige, wer sich hingegen nicht an die Regeln hält, wird bestraft. Altruistisches Kooperieren steht scheinbar im Widerspruch zum Gebot, seine Gene um jeden Preis zu vererben. Viele Biologen halten Kooperation für einen evolutionären Faktor neben Mutation und Selektion. "Als Überlebensstrategie hat sich soziales Verhalten vor etwa 1,6 Millionen Jahren zu entwickeln begonnen“, sagt Wallner. "Erst mit Ressourcenknappheit und der Sesshaftwerdung vor rund 10.000 Jahren traten despotische Strukturen auf.“

Ein Paradebeispiel für Phänomene, die nur in Gruppen auftreten, ist Kooperation. Lange Zeit galt es als ungelöste Frage, wie sich in einer Gesellschaft die von den Eigeninteressen ihrer Mitglieder bestimmt ist, kooperatives Verhalten herausbilden kann. Dieses Problem findet seinen Ausdruck im Gedankenexperiment des "Gefangenen-Dilemmas“. Es geht von folgender Situation aus: Zwei Kriminelle werden eines Verbrechens verdächtigt und von der Polizei verhaftet. Unabhängig voneinander schlägt man ihnen einen Handel vor. Wenn einer der beiden den anderen verrät, muss dieser für zehn Jahre ins Gefängnis, der Verräter geht frei. Wenn sie einander gegenseitig belasten, erhalten beide eine Strafe von jeweils fünf Jahren. Schweigen beide, muss jeder für ein halbes Jahr hinter Gitter. Solange keiner der beiden weiß, wie sich der andere verhalten wird, ist es die klügste Strategie, ein Verräter zu sein.

Der Wissenschaftler Robert Axelrod zeigt in den 80er-Jahren anhand einer Reihe von Computersimulationen, wie sich aus dem Zusammentreffen egoistischer Akteure Muster dennoch kooperativen Verhaltens ergeben kann. Zusätzlich ließ er in einer Art Wettbewerb verschiedene Computerprogramme gegeneinander antreten. Bei jedem Zusammentreffen konnten die Programme einander betrügen oder kooperieren, wofür es Punkte zu gewinnen oder zu verlieren gab. Als langfristig erfolgreich erwies sich das simple Programm "Tit for Tat“. Dessen Strategie besteht darin, im Eröffnungszug zu kooperieren und danach in jeder Runde das zu tun, was der Gegner in der vorherigen Runde getan hat. Es bestraft also Betrug mit Betrug, ist aber auch "nachsichtig“ und lässt sich schnell wieder besänftigen.

Gutes mit Gutem vergelten

Dass dies nicht nur mathematische Spielerei ist, bestätigt der Evolutionsbiologe Bernard Wallner vom Department für Anthropologie der Universität Wien. "Wir finden dieses Verhalten auch bei Primaten, die in kleinen Gruppen ohne besonders dominante Tiere leben“, sagt er. Das Prinzip, Gutes mit Gutem zu vergelten, gibt es in modifizierter Form auch beim Menschen.

Weil Menschengruppen meist größer waren und wiederholte Begegnungen mit denselben Personen seltener, erfolgte die Belohnung für Kooperation durch Dritte. Damit einher geht die Ausbildung sozialer Hierarchien. Vertrauenswürdigkeit schafft Prestige, wer sich hingegen nicht an die Regeln hält, wird bestraft. Altruistisches Kooperieren steht scheinbar im Widerspruch zum Gebot, seine Gene um jeden Preis zu vererben. Viele Biologen halten Kooperation für einen evolutionären Faktor neben Mutation und Selektion. "Als Überlebensstrategie hat sich soziales Verhalten vor etwa 1,6 Millionen Jahren zu entwickeln begonnen“, sagt Wallner. "Erst mit Ressourcenknappheit und der Sesshaftwerdung vor rund 10.000 Jahren traten despotische Strukturen auf.“