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Identitätspolitik, Critical Race Theory, Cancel-Kultur: Bedrohung von links

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Identitätspolitik, Critical Race Theory, Cancel-Kultur spalten in den USA das progressive Lager. Für "Spiegel"-Korrespondent René Pfister unterminieren diese auch die Meinungsfreiheit.

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Identitätspolitik, Critical Race Theory, Cancel-Kultur spalten in den USA das progressive Lager. Für "Spiegel"-Korrespondent René Pfister unterminieren diese auch die Meinungsfreiheit.

René Pfister hat einen der spannendsten Beobachterposten, den der deutschsprachige Journalismus zu vergeben hat: Er ist seit 2019 Büroleiter des Spiegel in Washington und hat somit das Privileg, Donald Trump und Joe Biden aus nächster Nähe zu erleben sowie die Irrungen und Wirrungen der Politik im gespaltenen Amerika tagtäglich zu verfolgen. Was linke und grüne Sympathisanten gleichermaßen irritieren sollte: Pfister sieht die Meinungsfreiheit nicht nur in den USA, sondern auch bei uns massiv bedroht. Identitätspolitik, Critical Race Theory und Cancel-Kultur, die sich in Amerika zunächst an den Universitäten und inzwischen auch in Politik und Medien breitgemacht haben, würden längst auch zu uns nach Europa und in den deutschen Sprachraum herüberschwappen.

Besonders beschämend: Die Critical ­Race Theory, die jedwede Diskriminierung „auf eine Machtstruktur reduziert, in der Weiße systematisch Menschen anderer Hautfarbe unterdrücken“, wird hierzulande nachgebetet, als hätte es die Diskriminierung von Weißen durch Weiße und als deren Extrem den Holocaust nie gegeben.

Angst statt offener Diskurs

Damit einher gehen in den USA inzwischen Sprech- und Denkverbote, die teils von links, teils von rechts propagiert werden. In republikanisch regierten Bundesstaaten würden bereits Schulkinder indoktriniert, indem festgelegt werde, was diese lesen dürfen. Umgekehrt infiltrieren linke Aktivisten einstmals liberale Medien wie die Washington Post und die New York Times, und das habe dort aus nichtigen Anlässen zu Entlassungen liberalerer Kolleginnen und Kollegen geführt – meist auch, weil „draußen ein erregter Twitter-Mob sekundiert und sich austobt“. An den Universitäten selbst beobachtet Pfister ein „strenges Sprachreglement“, das die Hochschulen zu sogenannten safe spaces verwandele, aus Angst, dass ein offener Diskurs und ein robuster Austausch von Meinungen Studenten nicht etwa auf das Leben vorbereiten, sondern sie im Gegenteil traumatisieren würden.

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