Käfig S3 - © Illustration: iStock / Kostiantyn Filichkin

Künstliche Intelligenz: (K)eine Gefahr für Medienfreiheit

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Der Journalismus bedient sich längst der Künstlichen Intelligenz. Für Recherche, Faktencheck und zuletzt auch formulierte Texte wird KI immer öfter eingesetzt: die nächste Transformation der Medienwelt.

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Der Journalismus bedient sich längst der Künstlichen Intelligenz. Für Recherche, Faktencheck und zuletzt auch formulierte Texte wird KI immer öfter eingesetzt: die nächste Transformation der Medienwelt.

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Künstliche Intelligenz ist längst Alltag in Journalismus und Medien. Bei der Recherche, beim Faktencheck, bei der Formulierung und schließlich bei der Online-Publikation auf Webseiten und Social Media spielen Technologien Künstlicher Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle. Sicher ist, dass diese Technologien Medien und Journalismus stark verändern werden. Es lohnt sich freilich, darüber nachzudenken, ob in dieser Transformation die Medienfreiheit auf der Strecke bleibt.

Zunächst gilt es, die Chancen zu sehen. Mehr Möglichkeiten beispielsweise für den Nachrichtenjournalismus können eine Erweiterung auch der Qualität des Journalismus bedeuten. Durch KI unterstützte Richtigkeits- und Wahrheitsprüfungen etwa von Bildern helfen dem Journalismus, weniger Fehler zu machen. Viele weitere positive Beispiele ließen sich hinzufügen. Insgesamt können so KI-Systeme helfen, dass die Medien ihre demokratischen Funktionen noch besser erfüllen können. Diese demokratischen Funktionen haben unmittelbar mit der Freiheit der Medien zu tun.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Information kommt nicht nur jedem Menschen individuell zu, sondern ist auch eine zentrale Lebenserhaltungsmaßname aller Demokratien. Wir sind der Überzeugung, dass für die Teilnahme an demokratischen Prozessen offene und freie Meinungsbildung auf der Basis bester Informationen zentral ist und dies nicht ohne freie Medien realisiert werden kann. Die Frage lautet dann, ob durch Technologien Künstlicher Intelligenz Meinungsfreiheit und Medienfreiheit eingeschränkt werden können und, wenn ja, wie dies verhindert werden kann.

Vier Problembereiche

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) engagiert sich auch für Medienfreiheit. Eines ihrer Projekte lautet: Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Freiheit der Medien. Besonderes Augenmerk wird auf vier Problembereiche gelegt: Sicherheitsbedrohungen, Hassreden, Medienpluralismus und Überwachungskapitalismus.
In diesen vier Bereichen wird deutlich, wie real die Herausforderungen durch KI für die Medien-, Meinungs- und Informationsfreiheit sind.

Durch KI-Systeme, etwa automatisch koordinierte Fakenews-Bots, könnten verbrecherische Staaten andere Staaten in ihren demokratischen Prozessen stören. Wenn dadurch öffentliche Meinungsbildungsprozesse empfindlich beeinträchtigt werden, trägt das zur Destabilisierung bei und stellt eine neue Form von Cyberangriffen dar. Denkbar sind auch Angriffe auf mediale Infrastrukturen, etwa Datenbanken von Zeitungen oder die Sendetechnik des Rundfunks durch KI-Systeme.

Hassrede ist auch ohne KI schon eine Seuche, die Menschen beispielsweise davon abschreckt, sich online konstruktiv in Debatten einzubringen. Zwar kann KI auch helfen, Hassrede durch automatische Moderation in Foren zu unterbinden, aber KI-Systeme können Hassrede auch automatisch generieren und zur Störung von konstruktiven politischen Debatten ausspielen.

Auch die Pluralität der Medien kann durch KI-Systeme in Gefahr geraten. Wenn durch Effizienzgewinne und optimierte Ausspielung durch KI bestimmte Medien immer mehr Erfolg haben und andere, kleinere Medien verdrängen, dann leidet der Medienpluralismus und damit sinken auch die Möglichkeiten von freier Meinungsbildung und -äußerung.

Und zuletzt ist die Veränderung des Geschäftsmodells der Medien angesprochen, dass durch KI angetrieben wird: Medien handeln immer mehr nicht nur mit gut recherchierten Informationen, sondern mit den Daten ihrer Leserinnen und Leser, die sie auf ihren Webseiten und in Social Media sammeln. Diese Form des Überwachungskapitalismus, wie es Shoshana Zuboff formuliert hat, geht zu Lasten der informationellen Selbstbestimmung der User(innen). Überwachung kollidiert oft genug mit Freiheit, sodass auch hier negative Effekte für die Meinungsfreiheit erwartet werden. Zur Debatte steht damit auch die Macht von Technologieunternehmen. Medien werden die KI-Tools nicht selber programmieren, sondern von anderen Unternehmen zukaufen. Damit könnte die Macht der großen Unternehmen weiter steigen und hinterrücks weiter Medienpluralität einschränken.

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