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Pressefreiheit

Propaganda - © Foto: Pexels / Connor Danylenko
Medien

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1945 1960 1980 2000 2020

Noam Chomsky - Kultfigur vieler Amerikakritiker - analysiert die Mechanismen der (Des-)Informationsmaschinerie in den USA. Eine Pflichtlektüre.

1945 1960 1980 2000 2020

Noam Chomsky - Kultfigur vieler Amerikakritiker - analysiert die Mechanismen der (Des-)Informationsmaschinerie in den USA. Eine Pflichtlektüre.

Amerikas Medien funktionieren zur Zeit vor allem in patriotischem Gleichklang. Alternative Berichterstattung über die großen Politikthemen wie den Irakkrieg, die einen anderen Standpunkt als jenen der US-Regierung in den Blick nimmt, ist in den USA derzeit offenbar kaum wahrnehmbar. Als zu Beginn des US-Angriffs auf den Irak katholische Ordensfrauen und der Weihbischof von Detroit Thomas Gumbleton - als notorisch Friedensbewegte amtsbekannt - nach einer Antikriegsaktion in Washington verhaftet wurden, war darüber in Österreich zu lesen: Die Information über die Verhaftung der Friedensaktivisten konnte, wie uns berichtetet wurde, wohl auf der Homepage des Standard, nicht aber in US-Medien gefunden werden.

Die Pressefreiheit ist in den USA durch den ersten Verfassungszusatz ("First Amendment") garantiert und gilt als große Errungenschaft der amerikanischen Demokratie. Doch rund um den Irakkrieg wurden die Regierungspositionen unkritisch übernommen. In Wirklichkeit, so der mittlerweile 74-jährige amerikanische Kulturkritiker Noam Chomsky, instrumentalisieren die herrschenden Eliten der USA die Medien schon lange für ihr "Propaganda-Modell", das Information vor allem als Beförderung der Regierungsinteressen versteht. Auch in seinem jüngsten auf Deutsch erschienen Buch "Media Control" belegt Chomsky diese These mit vielen Beispielen.

Nur der Einleitungsteil des Buches - ein Vortrag Chomskys, in dem er auch George W. Bushs "Krieg gegen den Terror" nach dem 9. September als Teil des gigantischen Desinformations- und Gehirnwäsche-Projektes entlarvt - ist neu. Man braucht dennoch nicht verstimmt zu sein, dass die "Neuerscheinung" zu vier Fünfteln aus Beiträgen besteht, die im Original schon Anfang der neunziger Jahre erschienen sind: Den eben beendeten US-Angriff auf den Irak vor Augen, erweisen sich die zusammengetragenen Analysen Chomskys als Pflichtlektüre fürs Verständnis der Mechanismen, aufgrund derer die relevanten Medien der USA Distanz zur Kriegspolitik der Bush-Administration vermissen lassen.

Chomskys Argumente sind nicht neu, er siedelt das Übel schon bei Präsident Woodrow Wilson im Ersten Weltkrieg an und er belegt die Thesen mit Beispielen aus dem Vietnamkrieg oder der Nicaragua-Politik der USA in den achtziger Jahren.

Ebenfalls nicht unbekannt, aber in ihrer Ausführlichkeit wichtig sind die Belege, die Chomsky anführt, nach denen auch die Meinungsmacher unter den Medien (etwa die New York Times und die Washington Post) die Geschäfte ihrer Regierung betreiben: Ein "audiatur et altera pars", alternative Informationen oder das Beleuchten des Unrechts, das die USA von Indochina bis Lateinamerika verbreiteten, ist in solcher Berichterstattung extrem unterentwickelt. Chomsky zeigt, dass all dies Methode hat, und dass es wichtig wäre, gegen dieses paternalistische System Widerstand zu leisten.

Am beklemmendsten wird "Media Control", wenn man es im Wissen um die derzeitigen Argumentationen der USA liest. George W. Bush und die Seinen verhalten sich bis in Details so, wie die seinerzeitige Reagan-Administration: Auch damals wurde von "Demokratie" geredet, die es etwa in Mittelamerika zu verteidigen gelte (man kann heute sehen, wohin solch Verteidigung geführt hat), und man wird daran erinnert, dass schon vor 20 Jahren, als der Internationale Gerichtshof die USA wegen ihrer Aggression gegen Nicaragua verurteilte, sich Reagan & Co keinen Deut ums Völkerrecht scherten.

Chomsky konstatiert aber auch, dass - sehr, sehr langsam, aber doch - ein steter Protest gegen diesen Machtmissbrauch Wirkung zeigt: Dem kann man sich mit einer Empfehlung anschließen: Auch die Lektüre von Chomskys "Media Control" leitet an, die US-Machtpolitik weiter zu hinterfragen.

Amerikas Medien funktionieren zur Zeit vor allem in patriotischem Gleichklang. Alternative Berichterstattung über die großen Politikthemen wie den Irakkrieg, die einen anderen Standpunkt als jenen der US-Regierung in den Blick nimmt, ist in den USA derzeit offenbar kaum wahrnehmbar. Als zu Beginn des US-Angriffs auf den Irak katholische Ordensfrauen und der Weihbischof von Detroit Thomas Gumbleton - als notorisch Friedensbewegte amtsbekannt - nach einer Antikriegsaktion in Washington verhaftet wurden, war darüber in Österreich zu lesen: Die Information über die Verhaftung der Friedensaktivisten konnte, wie uns berichtetet wurde, wohl auf der Homepage des Standard, nicht aber in US-Medien gefunden werden.

Die Pressefreiheit ist in den USA durch den ersten Verfassungszusatz ("First Amendment") garantiert und gilt als große Errungenschaft der amerikanischen Demokratie. Doch rund um den Irakkrieg wurden die Regierungspositionen unkritisch übernommen. In Wirklichkeit, so der mittlerweile 74-jährige amerikanische Kulturkritiker Noam Chomsky, instrumentalisieren die herrschenden Eliten der USA die Medien schon lange für ihr "Propaganda-Modell", das Information vor allem als Beförderung der Regierungsinteressen versteht. Auch in seinem jüngsten auf Deutsch erschienen Buch "Media Control" belegt Chomsky diese These mit vielen Beispielen.

Nur der Einleitungsteil des Buches - ein Vortrag Chomskys, in dem er auch George W. Bushs "Krieg gegen den Terror" nach dem 9. September als Teil des gigantischen Desinformations- und Gehirnwäsche-Projektes entlarvt - ist neu. Man braucht dennoch nicht verstimmt zu sein, dass die "Neuerscheinung" zu vier Fünfteln aus Beiträgen besteht, die im Original schon Anfang der neunziger Jahre erschienen sind: Den eben beendeten US-Angriff auf den Irak vor Augen, erweisen sich die zusammengetragenen Analysen Chomskys als Pflichtlektüre fürs Verständnis der Mechanismen, aufgrund derer die relevanten Medien der USA Distanz zur Kriegspolitik der Bush-Administration vermissen lassen.

Chomskys Argumente sind nicht neu, er siedelt das Übel schon bei Präsident Woodrow Wilson im Ersten Weltkrieg an und er belegt die Thesen mit Beispielen aus dem Vietnamkrieg oder der Nicaragua-Politik der USA in den achtziger Jahren.

Ebenfalls nicht unbekannt, aber in ihrer Ausführlichkeit wichtig sind die Belege, die Chomsky anführt, nach denen auch die Meinungsmacher unter den Medien (etwa die New York Times und die Washington Post) die Geschäfte ihrer Regierung betreiben: Ein "audiatur et altera pars", alternative Informationen oder das Beleuchten des Unrechts, das die USA von Indochina bis Lateinamerika verbreiteten, ist in solcher Berichterstattung extrem unterentwickelt. Chomsky zeigt, dass all dies Methode hat, und dass es wichtig wäre, gegen dieses paternalistische System Widerstand zu leisten.

Am beklemmendsten wird "Media Control", wenn man es im Wissen um die derzeitigen Argumentationen der USA liest. George W. Bush und die Seinen verhalten sich bis in Details so, wie die seinerzeitige Reagan-Administration: Auch damals wurde von "Demokratie" geredet, die es etwa in Mittelamerika zu verteidigen gelte (man kann heute sehen, wohin solch Verteidigung geführt hat), und man wird daran erinnert, dass schon vor 20 Jahren, als der Internationale Gerichtshof die USA wegen ihrer Aggression gegen Nicaragua verurteilte, sich Reagan & Co keinen Deut ums Völkerrecht scherten.

Chomsky konstatiert aber auch, dass - sehr, sehr langsam, aber doch - ein steter Protest gegen diesen Machtmissbrauch Wirkung zeigt: Dem kann man sich mit einer Empfehlung anschließen: Auch die Lektüre von Chomskys "Media Control" leitet an, die US-Machtpolitik weiter zu hinterfragen.

Media Control - © Europa Verlag
© Europa Verlag
Buch

Media Control

Von Noam Chomsky

Aus dem Amerik. von Michael Haupt

Europa Verlag

Hamburg/Wien 2003

256 S., geb., € 20,40.-