Hannes Schopf - © Foto: APA / VÖZ / Franz Helmreich
Medien

Persönliche Erinnerung an Hannes Schopf

1945 1960 1980 2000 2020

Vergangenen Freitag haben sich Freunde und Weggefährten in der Wiener Schottenkirche von Hannes Schopf verabschiedet. Der ehemalige FURCHE-Chefredakteur war am 10. April 2020 den Folgen von Covid-19 erlegen. Eine Würdigung.

1945 1960 1980 2000 2020

Vergangenen Freitag haben sich Freunde und Weggefährten in der Wiener Schottenkirche von Hannes Schopf verabschiedet. Der ehemalige FURCHE-Chefredakteur war am 10. April 2020 den Folgen von Covid-19 erlegen. Eine Würdigung.

Vor etwa 30 Jahren belehrte ein österreichischer Bischof einen Journalisten: In den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf das sich kritische Katholiken gerne beriefen, stehe, dem Bischof gebührten „Ehrfurcht und Gehorsam“. Auf die Ehrfurcht, erklärte der Bischof jovial, lege er keinen Wert, wohl aber auf den Gehorsam. Der Journalist erwiderte: „Wenn es so in den Texten steht, Herr Bischof, müssen Sie auch auf die Ehrfurcht Wert legen!“ Seiner Exzellenz entfuhren daraufhin überrascht die Worte: „Also Humor haben Sie!“

Der Bischof hieß Kurt Krenn, der Journalist Hannes Schopf, seit 1984 Chefredakteur der FURCHE. 15 Jahre lang, von 1979 bis 1994, gehörte Hannes der FURCHE-Redaktion an. In diesen Zeitraum, in dem ich ihn als Kollegen und Chef erleben durfte, fielen große politische Veränderungen. In der Kirche folgte auf die Ära von Kardinal Franz König ein abrupter Kurswechsel – und in der Medienbranche mussten wir uns von der guten alten Schreibmaschine auf neuartige Geräte namens Computer, die in der Anfangsphase oft abstürzten, umstellen. Hannes war in dieser Phase der ideale Mann an der Spitze der FURCHE.

„Jeder wird jemanden kennen ...“

Noch am 26. März dieses Jahres habe ich mit ihm telefoniert. Er sagte mir, er sei in Ischgl gewesen und seither krank. Wie schlecht es um ihn wirklich stand, teilte er mir nicht mit, aber eine Woche später erfuhr ich, dass er im Spital liege und man um sein Leben bangt. „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist“: Diese Aussage von Ende März 2020 wurde in den letzten Monaten oft zitiert. Sie kam mir sofort in den Sinn, als ich hörte, dass Hannes Schopf am 10. April, am Karfreitag dieses Jahres, seinen Kampf gegen Covid-19 verloren hat. An den folgenden Tagen wurde deutlich, wie groß und echt die Trauer um ihn unter all denen war, die ihn persönlich gekannt haben.

Couragiert und solidarisch

Hannes Schopf war ein Vollblutjournalist, den hohe Kompetenz, gelebte Solidarität, Humor, Courage, Einfallsreichtum und großer Einsatz für Werte und Ethos auszeichneten. Vergangene Woche hätte er seinen 73. Geburtstag gefeiert. Er kam am 7. Oktober 1947 zur Welt, neun Jahre nach jener Rosenkranzfeier im Wiener Stephansdom, die als einzigartiger Protest gegen das NS-Regime in die Geschichte eingegangen ist. Die Bedeutung dieses Tages war ihm bewusst und entsprach seiner eigenen geradlinigen christdemokratischen Haltung. Der unvergessliche Hubert Feichtlbauer holte ihn 1979 vom ÖVP-Pressedienst zur FURCHE, wo er die Innenpolitik und 1984 die Chefredaktion übernahm.