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Feuilleton

Mega-Ikone

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Marilyn Monroe ist seit 40 Jahren nicht tot. Kirklands "Nacht mit Marilyn".

Anno 1955 alterierte sich Helene Thimig über ein dümmliches Busen-Starlet, das die Frechheit gehabt hatte, den Nachlass Max Reinhardts zu ersteigern. Was so eine denn damit anfangen könne. Die damals noch unterschätzte Schönheit ließ postwendend wissen, sie habe bloß verhindern wollen, dass die Papiere in die Hände von Banausen kämen (so ungefähr drückte sie sich aus). Das von ihr bewahrte wertvolle Konvolut stehe Max Reinhardts Witwe zur Verfügung. Marylin Monroes komplexe Beziehung zur Welt des Geistigen lässt sich, wie man sieht, nicht auf ihre Beziehung zu Arthur Miller reduzieren.

40 Jahre nach dem Abtransport ihrer mit Schlaftabletten vollgepumpten sterblichen Überreste ist Marilyn Monroe eine Ikone des 20. Jahrhunderts mit unverblasster Ausstrahlung. Ihr Stern strahlt neben so ganz anders gearteten wie dem eines John F. Kennedy, dessen Geliebte sie war, ja eines Albert Einstein, mit dem die Fotosüchtige sicher gern auf einem Bild verewigt worden wäre. Noch so viele Bilder sind nichts ohne Geschichte - und mit Marilyns Geschichte ist untrennbar die Frage verbunden, ob ihre Liebe zum Intellekt und nicht nur zu den Intellektuellen eine unglückliche gewesen sei, mit anderen Worten, wieviel Grips sie denn nun wirklich im Kopf hatte. Viel spricht dafür, dass es gar nicht wenig war. Wer weiß, mit welchen unnachahmlichen Sprüchen sie heute mit ihr gealterte Verehrer ergötzen könnte. Nicht zuletzt ihr früher Tod machte sie unsterblich.

Douglas Kirkland war ein junger Fotograf, als er eine Nacht mit ihr verbrachte, in der eine der sympathischsten Fotoserien der Monroe entstand. Verzeihen wir ihm, dass er die Verfänglicheit der Situation schon etwas stark herausstreicht, bis ins Typographische. Seine Erlebnisse bei der Entstehung der Bilder, seine Beobachtungen bei der Durchsicht der Dias entschädigen dafür reichlich. Offenbar war die Kamera Marilyns alter ego, die Foto-, nicht die Filmkamera. Dann ihr anfängliches Desinteresse am Ergebnis, das Durchschneiden der nicht gefallenden Bilder, die selbstverliebte Versenkung in jene, die ihr gefielen. Das Buch ist eine weitere Quelle zur komplizierten Struktur dieser Frau, neben vielen anderen. Ganz abgesehen natürlich von der Intimität dieser Bilder.

Eine Nacht mit Marilyn. Von Douglas Kirkland. Schirmer/Mosel Verlag, München 2001. 126 Seiten, 64 Bilder, Farbe und Duotone, Ln., e 41,35

Marilyn Monroe ist seit 40 Jahren nicht tot. Kirklands "Nacht mit Marilyn".

Anno 1955 alterierte sich Helene Thimig über ein dümmliches Busen-Starlet, das die Frechheit gehabt hatte, den Nachlass Max Reinhardts zu ersteigern. Was so eine denn damit anfangen könne. Die damals noch unterschätzte Schönheit ließ postwendend wissen, sie habe bloß verhindern wollen, dass die Papiere in die Hände von Banausen kämen (so ungefähr drückte sie sich aus). Das von ihr bewahrte wertvolle Konvolut stehe Max Reinhardts Witwe zur Verfügung. Marylin Monroes komplexe Beziehung zur Welt des Geistigen lässt sich, wie man sieht, nicht auf ihre Beziehung zu Arthur Miller reduzieren.

40 Jahre nach dem Abtransport ihrer mit Schlaftabletten vollgepumpten sterblichen Überreste ist Marilyn Monroe eine Ikone des 20. Jahrhunderts mit unverblasster Ausstrahlung. Ihr Stern strahlt neben so ganz anders gearteten wie dem eines John F. Kennedy, dessen Geliebte sie war, ja eines Albert Einstein, mit dem die Fotosüchtige sicher gern auf einem Bild verewigt worden wäre. Noch so viele Bilder sind nichts ohne Geschichte - und mit Marilyns Geschichte ist untrennbar die Frage verbunden, ob ihre Liebe zum Intellekt und nicht nur zu den Intellektuellen eine unglückliche gewesen sei, mit anderen Worten, wieviel Grips sie denn nun wirklich im Kopf hatte. Viel spricht dafür, dass es gar nicht wenig war. Wer weiß, mit welchen unnachahmlichen Sprüchen sie heute mit ihr gealterte Verehrer ergötzen könnte. Nicht zuletzt ihr früher Tod machte sie unsterblich.

Douglas Kirkland war ein junger Fotograf, als er eine Nacht mit ihr verbrachte, in der eine der sympathischsten Fotoserien der Monroe entstand. Verzeihen wir ihm, dass er die Verfänglicheit der Situation schon etwas stark herausstreicht, bis ins Typographische. Seine Erlebnisse bei der Entstehung der Bilder, seine Beobachtungen bei der Durchsicht der Dias entschädigen dafür reichlich. Offenbar war die Kamera Marilyns alter ego, die Foto-, nicht die Filmkamera. Dann ihr anfängliches Desinteresse am Ergebnis, das Durchschneiden der nicht gefallenden Bilder, die selbstverliebte Versenkung in jene, die ihr gefielen. Das Buch ist eine weitere Quelle zur komplizierten Struktur dieser Frau, neben vielen anderen. Ganz abgesehen natürlich von der Intimität dieser Bilder.

Eine Nacht mit Marilyn. Von Douglas Kirkland. Schirmer/Mosel Verlag, München 2001. 126 Seiten, 64 Bilder, Farbe und Duotone, Ln., e 41,35