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Feuilleton

Mein neuer Körper

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Wie unzufrieden sind Menschen hierzulande mit ihrem Äußeren? Viele stört ihre Figur. Neue Störfaktoren kommen hinzu, wie etwa im Intimbereich.

Wer kennt ihn nicht den Blick auf die anderen und in den Spiegel. Ganz nebenbei und unbewusst nehmen wir wahr, was gerade „in“ ist. Ob Mode, Schminktrends oder Augenbrauen-Zupfen. Man meint zwar, diesen Bildern und Normen widerstehen zu können, doch latent sitzt in einem die Unzufriedenheit über diesen und jenen Teil des Körpers.

Im Zentrum von Untersuchungen zu Unzufriedenheit mit dem Körper stehen meistens Aussagen zu Gewicht, Figur und Einstellungen zu Schönheitsoperationen. Diverse Umfragen machen deutlich: Die Unzufriedenheit mit dem Gewicht ist relativ groß. Vor allem bei Jugendlichen wurde aufgezeigt, dass der Körper kritisch beäugt wird. So wurde etwa im Rahmen der Studie „Jugendsexualität 2005“ von der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Einstellung zum Körper bei 14- bis 17-Jährigen erhoben. Die Ergebnisse: 46 Prozent der Mädchen und 62 Prozent der Burschen fühlen sich im Körper wohl. Ein Viertel der Mädchen, doppelt so viele wie bei den Burschen, fühlen sich aber zu dick. Drei von vier Mädchen und mehr als die Hälfte der Buben stylen sich gerne. Schönheitsoperationen stehen die befragten Teenager aber eher negativ gegenüber. Nur sieben Prozent stimmen der Aussage „Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich eine Schönheitsoperation machen lassen“, vollständig zu, weitere zehn Prozent stimmen „ziemlich“ zu.

Höher ist die Zustimmung bei Frauen über 15 Jahren in einer Gallup-Umfrage von Jahr 2008 im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit. Hier zeigt sich: Acht Prozent der befragten Frauen hatten bereits eine Schönheitsoperation oder einen „kosmetischen, nicht-chirurgischen Eingriff“. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, solche Eingriffe durchführen zu lassen. Die Fragestellung muss hinterfragt werden: Unklar bleibt, was unter „kosmetischen, nicht chirurgischen Eingriffen“ verstanden wurde, vermutlich sind etwa Botox-Injektionen zur Faltenminderung gemeint.

Mehr als die Hälfte der befragten Frauen würde am ehesten Falten behandeln oder das Gesicht straffen lassen, gefolgt von einer Nasenkorrektur (18 Prozent), Fettabsaugen (16 Prozent) und einer Brustvergrößerung oder -verkleinerung mit 15 Prozent.

Genaue Zahlen, wie viele Schönheitsoperationen es hierzulande gibt, fehlen, da kein Register geführt wird. Schätzungen von einzelnen Experten gehen von 20.000 bis 25.000 Eingriffen im Jahr aus. Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie wagt keine Schätzung. Experten wie der plastische Chirurg Edvin Turkof registrieren eine Stagnation (siehe Diskussion). Veränderungen könnte es aber geben, wenn neue Operationstechniken aufkommen würden, die mit weniger Aufwand gleiches erreichen würden, sagt Turkof.

Oder wenn neue Felder erschlossen werden. Turkof verweist etwa auf seine Buch-Serie (siehe rechts), in der verschiedene Formen von schönheitschirurgischen Eingriffen aufgezeigt werden. Einer der Bände betrifft Gynäkomastie, also Brustwachstum beim Mann. Turkof gibt an, dass sich seit Erscheinen des Buches die Zahl der Interessenten „verdoppelt“ hätte. Das Problem sei tabuisiert gewesen. Ähnlich sei es mit der anatomischen Variation von vergrößerten Schamlippen der Frau.

Doch würden dann nicht solche Bücher erst Normen setzen und etwa Frauen erst eine gewisse Norm ihrer äußeren Geschlechtsteile aufzeigen, so die Gegenfrage?

Turkof sieht das nicht so: Es sei genau umgekehrt. Es gebe Frauen, die seit Längerem etwa unter vergrößerten Schamlippen leiden und durch das Buch realisieren würden, dass diese operiert werden könnten. Laut Turkof steckt der neue Trend zur Intimrasur hinter der Zunahme an Schamlippenkorrekturen, da dieser Körperteil nun eher sichtbar sei.

Die Ursache für den Trend zur Intimrasur orten manche Kritiker in der Nutzung und Verbreitung von Pornobildern.

Doch es bleibt die Frage, was zuerst da ist: Eine Unzufriedenheit, die fast immer den Vergleich braucht, um zu wachsen, oder das Angebot, diese zu beheben.

Wie unzufrieden sind Menschen hierzulande mit ihrem Äußeren? Viele stört ihre Figur. Neue Störfaktoren kommen hinzu, wie etwa im Intimbereich.

Wer kennt ihn nicht den Blick auf die anderen und in den Spiegel. Ganz nebenbei und unbewusst nehmen wir wahr, was gerade „in“ ist. Ob Mode, Schminktrends oder Augenbrauen-Zupfen. Man meint zwar, diesen Bildern und Normen widerstehen zu können, doch latent sitzt in einem die Unzufriedenheit über diesen und jenen Teil des Körpers.

Im Zentrum von Untersuchungen zu Unzufriedenheit mit dem Körper stehen meistens Aussagen zu Gewicht, Figur und Einstellungen zu Schönheitsoperationen. Diverse Umfragen machen deutlich: Die Unzufriedenheit mit dem Gewicht ist relativ groß. Vor allem bei Jugendlichen wurde aufgezeigt, dass der Körper kritisch beäugt wird. So wurde etwa im Rahmen der Studie „Jugendsexualität 2005“ von der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Einstellung zum Körper bei 14- bis 17-Jährigen erhoben. Die Ergebnisse: 46 Prozent der Mädchen und 62 Prozent der Burschen fühlen sich im Körper wohl. Ein Viertel der Mädchen, doppelt so viele wie bei den Burschen, fühlen sich aber zu dick. Drei von vier Mädchen und mehr als die Hälfte der Buben stylen sich gerne. Schönheitsoperationen stehen die befragten Teenager aber eher negativ gegenüber. Nur sieben Prozent stimmen der Aussage „Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich eine Schönheitsoperation machen lassen“, vollständig zu, weitere zehn Prozent stimmen „ziemlich“ zu.

Höher ist die Zustimmung bei Frauen über 15 Jahren in einer Gallup-Umfrage von Jahr 2008 im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit. Hier zeigt sich: Acht Prozent der befragten Frauen hatten bereits eine Schönheitsoperation oder einen „kosmetischen, nicht-chirurgischen Eingriff“. Weitere 25 Prozent können sich vorstellen, solche Eingriffe durchführen zu lassen. Die Fragestellung muss hinterfragt werden: Unklar bleibt, was unter „kosmetischen, nicht chirurgischen Eingriffen“ verstanden wurde, vermutlich sind etwa Botox-Injektionen zur Faltenminderung gemeint.

Mehr als die Hälfte der befragten Frauen würde am ehesten Falten behandeln oder das Gesicht straffen lassen, gefolgt von einer Nasenkorrektur (18 Prozent), Fettabsaugen (16 Prozent) und einer Brustvergrößerung oder -verkleinerung mit 15 Prozent.

Genaue Zahlen, wie viele Schönheitsoperationen es hierzulande gibt, fehlen, da kein Register geführt wird. Schätzungen von einzelnen Experten gehen von 20.000 bis 25.000 Eingriffen im Jahr aus. Die Österreichische Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie wagt keine Schätzung. Experten wie der plastische Chirurg Edvin Turkof registrieren eine Stagnation (siehe Diskussion). Veränderungen könnte es aber geben, wenn neue Operationstechniken aufkommen würden, die mit weniger Aufwand gleiches erreichen würden, sagt Turkof.

Oder wenn neue Felder erschlossen werden. Turkof verweist etwa auf seine Buch-Serie (siehe rechts), in der verschiedene Formen von schönheitschirurgischen Eingriffen aufgezeigt werden. Einer der Bände betrifft Gynäkomastie, also Brustwachstum beim Mann. Turkof gibt an, dass sich seit Erscheinen des Buches die Zahl der Interessenten „verdoppelt“ hätte. Das Problem sei tabuisiert gewesen. Ähnlich sei es mit der anatomischen Variation von vergrößerten Schamlippen der Frau.

Doch würden dann nicht solche Bücher erst Normen setzen und etwa Frauen erst eine gewisse Norm ihrer äußeren Geschlechtsteile aufzeigen, so die Gegenfrage?

Turkof sieht das nicht so: Es sei genau umgekehrt. Es gebe Frauen, die seit Längerem etwa unter vergrößerten Schamlippen leiden und durch das Buch realisieren würden, dass diese operiert werden könnten. Laut Turkof steckt der neue Trend zur Intimrasur hinter der Zunahme an Schamlippenkorrekturen, da dieser Körperteil nun eher sichtbar sei.

Die Ursache für den Trend zur Intimrasur orten manche Kritiker in der Nutzung und Verbreitung von Pornobildern.

Doch es bleibt die Frage, was zuerst da ist: Eine Unzufriedenheit, die fast immer den Vergleich braucht, um zu wachsen, oder das Angebot, diese zu beheben.