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Menschlichkeit hat Zukunft

Die Caritas Steiermark blickt zurück auf 75 Jahre im Dienste der Menschen am unteren Rande der Gesellschaft. Stand am Anfang vor allem der Ausbau der Hauskrankenpflege im Vordergrund, hat die kirchliche Wohlfahrtsorganisation heute zahlreiche Aufgabenbereiche, von der Beratung schwangerer Frauen bis zur Betreuung von Obdachlosen. Die Freude über die positive Entwicklung der Caritas war beim Jubiläumsfest in Graz Mitte September deutlich zu spüren.

Unter dem Motto "Menschlichkeit hat Zukunft" wurde den ganzen Tag an verschiedenen Orten der Grazer Innenstadt gefeiert: Erster Programmpunkt war ein Festgottesdienst im Grazer Dom mit Diözesanbischof Johann Weber. Daran anschließend gab es einen Empfang mit Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic im Renaissance-Hof des Grazer Priesterseminars. Finale des Fests war ein Konzert am Tummelplatz, an dem sich zahlreiche Musikgruppen beteiligten.

In Zusammenarbeit mit zahlreichen steirischen Pfarren folgen in nächster Zukunft noch Regionalveranstaltungen - Ausstellungen und kleinere Feste. Im kommenden Jahr werden im Rahmen einer Gala jene Fahnen versteigert, die 27 namhafte Künstler und Künstlerinnen - darunter Maria Lassnig, H. C. Artmann, Arnulf Rainer und Peter Weibel - anläßlich des Jubiläums zum Thema "Caritas = Liebe" gestalteten.

Erwartung übertroffen "Das Fest hat alle Erwartungen übertroffen", zeigt sich Gerhard Heschel, Pressesprecher der Caritas Steiermark begeistert, "es ist gelungen, ein freundliches und positives Bild der Caritas zu zeichnen." Ein wichtiges Ziel des Festes war es auch, sich bei allen zu bedanken, die die Arbeit der Caritas unterstützen: bei den haupt- oder ehrenamtlichen Mitarbeitern, bei den Spendern und allen denen, die die Arbeit der Caritas auf irgend eine Weise unterstützen.

Heschel betont, daß die Caritas von der Begeisterungsfähigkeit tausender Menschen lebt, die bereit sind, sich für die Hilfe am Nächsten einzusetzen. Damit sind nicht nur die 430 hauptamtlichen Mitarbeiter in der Steiermark gemeint, sondern auch die rund 3000 Ehrenamtlichen, die weitgehend im Verborgenen ihren Arbeitseinsatz leisten. Gerade letztere sind eine unersetzbare Ressource. Um sie zu fördern, wurden eine eigene Kontaktstelle und spezielle Weiterbildungsprogramme eingeführt.

Als im September 1924 der Caritasverband Steiermark konstituiert wurde, war sein Wirkungsbereich noch sehr eingeschränkt. Die Schwerpunkte lagen in der Hilfe an den Kranken, sowie in der Schulung der Mitarbeiter. In einem nächsten Schritt wurde die Armenausspeisung ausgebaut, um die existentiellen Nöte der Bevölkerung zu lindern. Auch Beratungsstellen wurden errichtet, da schon damals das Sozialgesetz als schwer durchschaubar galt.

Nach 75 Jahren verfügt die Caritas der Diözese Graz-Seckau über ein Budget von 220 Millionen Schilling und gehört zu sozialen Unternehmen oberster Größenkategorie. Die finanziellen Mittel kommen vor allem der Inlandshilfe zugute. Fünf Prozent des Budgets fließen in Auslandsprojekte in Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Bosnien und in den Entwicklungsländern. Das Spendenaufkommen ist auch im letzten Jahr leicht gestiegen. Allein für die Hilfe an die Vertriebenen im Kosovo wurden im Zeitraum April bis Juli 1999 zwölf Millionen Schilling aufgebracht.

In einem Gespräch mit der Furche führt Franz Küberl, Direktor der Caritas Steiermark und gleichzeitig Präsident der Caritas Österreich, das Wachstum seiner Organisation auf drei Entwicklungen zurück: Erstens werden zunehmend viele Aufgabenbereiche - etwa die Führung von Altersheimen und Behinderteneinrichtungen - vom Staat an Wohlfahrtsorganisationen delegiert und somit auch an die Caritas.

Zweitens übernimmt die Caritas auch die Trägerschaft für viele Einrichtungen, die ursprünglich von Orden betreut wurden. Schließlich gibt es Aufgabenbereiche, die gewachsen sind, weil man heute bei Obdachlosen nicht nur schaut, daß die Leute ein Dach über den Kopf haben, sondern auch noch auf Betreuung und Entwicklung Wert legt. In diesem Sinn stellt Direktor Küberl fest: "Wie immer sich die Caritas entwickeln wird, entscheidend bei der Armutsbekämpfung ist - und das wird in unserer Gesellschaft oft übersehen - daß man die Ressourcen, die Fähigkeiten, die Talente der Armen beachtet."

Die Autorin ist freie Journalistin in Graz.

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