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Mitt Romneys evangelikales Problem

Kandidatenkämpfe bei den Republikanern beherrschen den Vorwahlkampf in den USA. Der Mormone Mitt Romney hat dabei ein religiöses Problem.

Trotz seiner Niederlage bei den republikanischen Vorwahlen in South Carolina gilt der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, bei Experten nach wie vor als wahrscheinlichster Gegenkandidat für Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl 2012. Und doch bleibt Romney vielen Republikanern ein Dorn im Auge: Evangelikale Führer hatten sich nach dem Sieg des konservativ-katholischen Rick Santorum in Iowa dessen Kandidatur angeschlossen. Da dieser in South Carolina aber nur auf den dritten Platz hinter Newt Gingrich und Romney kam, scheint es überaus fraglich, ob die evangelikale Führung die gesamte Wählerschaft auf einen einzigen Gegenkandidaten zu Romney vereinigen könne. Nur damit wäre ein starker republikanischer Gegner für Obama im November 2012 möglich. Santorums schlechtes Ergebnis am 22. Jänner könnte demnach sogar einen weiteren Schritt für Romneys Kandidatur darstellen.

Romney gilt vielen nicht als Christ

Gerade dies wird von nicht wenigen Kreisen mit einigem Stirnrunzeln wahrgenommen: Der 64-jährige Romney ist nämlich bekennender Mormone. Diese Gruppierung, die mit etwa 6,5 Millionen Mitgliedern wegen ihres starken Zusammenhalts und Engagements eine wichtige Wählergruppe darstellt, wird immer noch skeptisch bis ablehnend betrachtet. Die Zurückweisung der Dreifaltigkeit, ihr Glaube an außerbiblische Schriften (Buch Mormon) und die Überzeugung, dass mormonische Propheten weiterhin neue Offenbarungen Gottes empfangen, werden von anderen christlichen Kirchen als "nicht-christlich“ eingestuft. Dies wurde seit Jahrzehnten politisch genützt, um Mormonen von einer Kandidatur zurückzuhalten. So wurde von Kanzeln evangelikaler Kirchen gegen den "Kult“ gepredigt und Mormonen als "unwählbar“ abgetan, um evangelikale Kandidaten zu stärken. So etwa Pastor Robert Jeffress, der Rick Perry 2008 unterstützte: "Perry ist ein Christ und folgt Christus. Romney mag eine gute, moralische Person sein, aber er ist kein Christ. Das Mormonentum ist nicht christlich und es wurde vom Großteil der Kirchen immer als Kult eingeschätzt.“

Doch hat sich Romney nach der Niederlage bei den Vorwahlen 2008 gegen John McCain zu einem der profiliertesten Republikaner entwickelt. Wird er nun tatsächlich zum Kontrahenten von Barack Obama am 6. November 2012 bestimmt, ist zu fragen, wie sich evangelikale Christen bei der Wahl verhalten. Würden sie alle Vorurteile gegenüber Mormonen vergessen? Sollten alle politischen Untergriffe gegen mormonische Vertreter der letzten Jahrzehnte nunmehr plötzlich wirkungslos sein? Blieben etwa Teile der evangelikalen Christen aufgrund ihrer anti-mormonischen Einstellung den Wahlurnen fern, so würde sich das nur positiv auf Obamas mögliche Wiederwahl auswirken. Sollte auch nur ein Bruchteil der evangelikalen Christen bei ihren Vorurteilen gegenüber dem "unwählbaren“ Romney bleiben, wäre ein republikanischer Sieg so gut wie unmöglich.

Mittlerweile haben dies auch die vormals offensiven Anti-Romney-Prediger erkannt: So fügte Jeffress einer Predigt inklusive erneuten Attacke gegen Mormonen hinzu, dass jedoch "Romney als ein Mann mit konservativen Werten um vieles besser ist als der liberale Barack Obama, der traditionelle christliche Werte ignoriert.“ Ob dieser plötzliche Schwenk Wähler bei einer tatsächlichen Kandidatur Romneys auch wirklich überzeugen könnte, für ihn zu stimmen, muss nach der gescheiterten Vereinigung Evangelikaler in South Carolina fraglich bleiben.

Und Romney selbst? Dieser versucht weiterhin die konservativen Wähler von seinem politischen Können abseits seines Bekenntnisses zu überzeugen. Dabei greift er auf einen Vergleich zurück: Wie John F. Kennedy vor dessen Wahl zum Präsidenten der USA mit Vorurteilen gegenüber Katholiken konfrontiert wurde, so geschehe dies nun mit ihm selbst. Aber, so Romney, wie Kennedy nicht zu einer Marionette des Vatikans in seiner Amtszeit wurde, so "werde keine Autorität meiner oder einer anderen Kirche, jemals Einfluss auf meine politischen Entscheidungen haben. Ihre Autorität ist ihre … und sie endet wo die Angelegenheiten des Staates beginnen.“

Wie werden Evangelikale wählen?

Auch wenn Kennedy demokratischer Kandidat war, sieht sich Romney in einer großen Nähe zu ihm: "Wie er, bin ich ein Amerikaner, der für das Amt des Präsidenten kandidiert … Eine Person sollte weder ihres Glaubens gewählt, noch sollte sie wegen ihres Glaubens abgelehnt werden.“ Ob Romney aber tatsächlich zum Präsidenten gewählt wird, hängt auch damit zusammen, inwiefern evangelikale und fundamentalistische Christen über ihren mit anti-mormonischen Vorurteilen gepflasterten Schatten springen werden, wenn sie zur Wahl schreiten.

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