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Monroe ließ die Maske fallen

Der unnachahmliche Silberblick unter den schwarzgetuschten Wimpern, Blondhaar, Stupsnäschen, Schmollmund und Leberfleck: wie keine andere Ikone der Filmindustrie verkörpert Marilyn Monroe Erotik, gepaart mit naiver Unschuld. Das Haar blondiert, blaue Kontaktlinsen in den Augen, perfektes Make-up: der Mythos Marilyn ist ein raffiniert arrangiertes Kunstprodukt, das wahre Gesicht hinter der Maske nur in seltensten Augenblicken zu erahnen.

Dem berühmten Mode- und Werbefotografen Bert Stern gelangen in der Luxussuite Zimmer 96 des Bel Air Hotels in Los Angeles Aufnahmen, in denen die "wahre Marilyn" durchzublitzen scheint. Ein paar davon sind derzeit in einer Ausstellung im kaiserlichen Hofmobiliendepot zu sehen.

Drei Tage dauerten diese legendären "Last Shootings" und zwischen Fotograf und Modell entstand dabei eine intime Atmosphäre. Marilyn flirtet in charmanter Koketterie mit verschiedensten sündteuren Voguetauglichen Accessoires, räkelt sich hingebungsvoll am Bettlaken - Momente überbordender Lebenslust blitzen auf, und danach wieder Sekunden, wo die erschöpfte Müdigkeit unter den schweren Lidern sichtbar wird und das geschminkte Gesicht zur Grimasse gefrieren lässt.

"Sie war der größte Star der fünfziger Jahre unter Amerikas Schauspielern der Nachkriegszeit. Hat irgendeine mehr Nachahmer inspiriert, angefangen von Madonna bis hin zu Tausenden Transvestiten mit hochtoupierten platinblonden Perücken und einem mit Wimperntusche ins Gesicht gemalten Leberfleck?", so Richard B. Woodward. Der unnachahmliche Charme der Monroe bleibt einzigartig.

Sie zahlte dafür einen hohen Preis. Als Stern im Juni 1962 die Fotos schoss, war der Stern ihres Ruhmes schon am Sinken. Sechs Wochen danach nahm sie sich in ihrem Haus in Brentwood das Leben. Die Vogue publizierte die Bilder dennoch. Der Mensch Norma Jean Baker zerbrach am Mythos Marilyn Monroe. Der ist unsterblich und strahlt ungebrochen weiter.

Marilyn Monroe - Ihre letzten Fotos Fotografiert von Bert Stern

Kaiserliches Hofmobiliendepot

1070 Wien, Andreasgasse 7

Di-So von 10-18 Uhr

Bis 21. April

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