Mozarts bekannte "Schule der Liebenden“ im Overdrive

Am Salzburger Landestheater zeigt man "Così fan tutte“: Musikalisch macht die Produktion viel Freude, während Regisseur Jacopo Spirei auf der Suche nach "gegenwärtigen Aspekten“ fröhlich am Werk vorbeiinszeniert.

"Treffsicherer“ hätten die Termine an jenem Sonntag nicht zusammen fallen können: Die Volksbefragung zu Wehrpflicht oder Berufsheer und die Premiere von Mozarts "Così fan tutte“ am Landestheater Salzburg. Dort heißt es einmal "Fröhlich lebt’s sich als Soldat“. Fröhlich freilich inszeniert’s sich an der eigentlichen Così-Problematik vorbei, wenn man Jacopo Spirei heißt, doch haben schlussendlich das Ensemble und das Mozarteumorchester Salzburg unter Leo Hussain musikalisch das Spiel beim Publikum gewonnen. Es ist eine "Schule der Liebenden“ im Overdrive geworden.

Amerikanisierungsdrang

An der musikalischen Qualität dieser Premiere konnte man seine Freude haben, Spirei (man erinnert sich seiner stellenweise unappetitlichen "Don Giovanni“-Inszenierung 2010/11) begab sich auf die Suche nach "gegenwärtigen Aspekten“ des Meisterwerks Mozarts und verfiel wiederum auf die Idee einer fast operettenhaft anmutenden Inszenierung dessen, was ursprünglich am Golf von Neapel stattfinden sollte.

Er verlegte die Handlung an die US-amerikanische University of Naples (Florida), was zu mancherlei Ungereimtheiten führt. So steht das Bett der Zofe im Schlafzimmer der Schwestern; das mag im Zeitalter der auch feministisch durchzuführenden Gleichberechtigung angehen.

Das Frühstück der Damen - zwei nette College-Girls - findet in der Uni-Cafeteria samt stilechten Pappendeckel-Bechern statt, wo Despina als Bardame putzt und zusammenräumt. So viel zum offensichtlich unstillbaren Amerikanisierungsdrang des Regisseurs.

Professor Don Alfonso

Die Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble des Hauses samt drei Gästen boten dazu dankenswerter Weise Mozart vom Feinsten. Mit Laura Nicorescu als Despina hat man ein bühnenbeherrschendes Persönchen geholt, das dem temporeichen Spiel und als Assistentin Don Alfonsos - als jüngerer Uni-Professor Marcell Bakonyi - dienlich ist.

Dorabella (Tamara Gura) und Fiordiligi (Gillian Ramm, deren Indisposition kaum zu bemerken war) mussten sich in die Irrungen und Wirrungen ihrer Herzen eher hineinfinden, als dass sie vom Regisseur psychologisch hineingeführt wurden. Der Tenor Sergey Romanovsky a. G. (ein Breakdance-Meister, der eine kleine Kostprobe dieser Sportart gab) als Ferrando und der Bariton Simon Schnorr als Guglielmo, beide zunächst als Studenten oder Kadetten, später als Globetrotter in T-Shirt und Bermudas, brachten sich und ihre Angebeteten durch die bekannte Wette mit Don Alfonso in manche Verlegenheit.

Dem Publikum hat es zu Recht nicht nur gefallen, es zeigte sich im Beifall enthusiasmiert wie schon lange nicht mehr. Es muss einem schon klar sein, dass die Zeiten der "klassischen“ Mozart-Ensembles vorbei sind. Aber die "Aura amorosa“ von damals kann man sich ja immer noch auf CD anhören …

Weitere Termine

22., 30. März, 7., 10. April

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