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Museum in Not

Den unangenehmen Geruch der Verzweiflung verströmen einige der Projekte, die Peter Noever jüngst angekündigt hat: Wie ein Gläubiger auf den Erlöser hofft der Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK) auf Mäzene und Sponsoren. Mit Veranstaltungen unter dem Titel "S.O.S - Zur Rettung der MAK-Sammlung" sollen dringend benötigte Gelder lukriert werden. Und ab sofort heißt es jeden Samstag: freier Eintritt! Auf dass die Besucherzahlen (2001: 161.000) steigen - ein für zeitgenössische Kunst wenig aussage-, aber leider zugkräftiges Argument.

Knappe Kulturbudgets und ein Überangebot an Ausstellungsflächen: Nach dem Künstlerhaus droht das MAK das zweite Opfer dieser Entwicklungen in der Wiener Kulturlandschaft zu werden. Für sein hochkarätiges Ausstellungsprogramm standen dem MAK 1996 noch 1,9 Millionen Euro zur Verfügung, im Vorjahr waren es 1,2 Millionen und 2004 werden es nach Noevers Angaben nur noch 800.000 Euro sein. Schon jetzt gibt es kein Ankaufsbudget mehr - ein starkes Stück für ein Museum, noch dazu ein Bundesmuseum mit gesetzlichem Ankaufsauftrag.

1986 wurde Noever Direktor des Museums, das er sogleich umbauen ließ und neu positionierte: als erste Adresse für richtungsweisende zeitgenössische Kunst in Wien. Von diesem Nimbus zehrt das MAK heute noch. 1992 entstand mit der städtischen Kunsthalle am Karlsplatz eine direkte Konkurrenz. Die Eröffnung des Museumsquartiers im Vorjahr verschärfte diese Situation: Nun plant auch das Museum Moderner Kunst unter seinem neuen Direktor Edelbert Köb Wechselausstellungen. Nicht zu Unrecht befürchtet Peter Noever, dass die knappen Kulturgelder künftig vor allem in den neuen Museumskomplex fließen werden.

Die Hälfte des gedeckelten MAK-Budgets umfasst jetzt schon die Personalkosten, die Biennalsprünge der beamteten Mitarbeiter lassen diesen Anteil weiter wachsen. Im Vorjahr musste die große Ausstellungshalle ein halbes Jahr lang geschlossen bleiben. Droht ein unfreiwilliges Zurück zu den kunsthandwerklichen Wurzeln des ehemaligen k.k. Museums für Kunst und Industrie? Möbel, Geschirr oder Teppiche in einer der imposantesten Ausstellungshallen Wiens: nichts gegen Teppiche, aber das wäre ein wahrer Jammer.

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