Digital In Arbeit
Feuilleton

Musik der Seidenstraße

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Für den Dokumentarfilm "20 Feet of Stardom" über Backgroundsänger, die im Schatten erfolgreicher Musiker stehen, erhielt der kalifornische Filmemacher Morgan Neville 2013 den Oscar. Davor hatte er an anderen Musikfilmen, u. a. über die Beach Boys, Iggy Pop und Johnny Cash gearbeitet. Für "The Music of Strangers" porträtiert Neville ein besonderes Projekt im bewegten Leben des US-amerikanischen Cellisten und einstigen Wunderkindes Yo-Yo Ma: Das von ihm gegründete Silk Road Ensemble, das verschiedene Musiker entlang der Seidenstraße in einem Orchester versammelt, in dem jeder von ihnen das jeweils landestypische Instrument spielt. Neville gelingt im Fokus auf vier Protagonistinnen des Ensembles - die chinesische Pipa-Spielerin Wu Man und die spanische Gaita-Meisterin Cristina Pato, den iranischen Kamancheh-Spieler Kayhan Kalhor und den syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh - die Gründungs-Idee Yo-Yo Mas zu spiegeln und zu vertiefen: Ein Weiterführen traditioneller Musik ohne konventionelle Einschränkungen und damit auch ein Erhalten nationaler Identitäten in einer neu verbindenden globalen Gemeinschaft.

Interessant wird hier vor allem der Aspekt der Verwobenheit von Musik und nationaler Zeitgeschichte - vergangener und ganz aktueller: die Terroranschläge von 9/11, die dramatische Arbeitsmarktsituation in Spanien, der syrische Bürgerkrieg, die chinesische Kulturrevolution unter Mao, die islamische Revolution im Iran. Wie Musik und nicht zuletzt Kulturschaffen generell mit nationaler aber auch global-gesellschaftlicher Geschichte untrennbar verbunden sind, ist nicht zuletzt auch philosophisches Thema, auf das der Film schließlich doch nicht weiter eingehen kann. Neville verwendet teilweise Archivmaterial (vor allem um die Biografie Yo-Yo Mas zu umreißen) und filmt Szenen der Live-Auftritte des Ensemble in glänzenden Bildern aus energiegeladenen Kamerafahrten.

Etwas zu stark gerät ihm der Film in seiner offenen Unterstützung für das Projekt Silk Road Ensemble missionarisch. Sein Idealismus für die verbindende Kraft der Musik sei ihm aber unbenommen.

The Music of Strangers - Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble

USA 2015. Regie: Morgan Neville. Polyfilm. 96 Min.

Für den Dokumentarfilm "20 Feet of Stardom" über Backgroundsänger, die im Schatten erfolgreicher Musiker stehen, erhielt der kalifornische Filmemacher Morgan Neville 2013 den Oscar. Davor hatte er an anderen Musikfilmen, u. a. über die Beach Boys, Iggy Pop und Johnny Cash gearbeitet. Für "The Music of Strangers" porträtiert Neville ein besonderes Projekt im bewegten Leben des US-amerikanischen Cellisten und einstigen Wunderkindes Yo-Yo Ma: Das von ihm gegründete Silk Road Ensemble, das verschiedene Musiker entlang der Seidenstraße in einem Orchester versammelt, in dem jeder von ihnen das jeweils landestypische Instrument spielt. Neville gelingt im Fokus auf vier Protagonistinnen des Ensembles - die chinesische Pipa-Spielerin Wu Man und die spanische Gaita-Meisterin Cristina Pato, den iranischen Kamancheh-Spieler Kayhan Kalhor und den syrischen Klarinettisten Kinan Azmeh - die Gründungs-Idee Yo-Yo Mas zu spiegeln und zu vertiefen: Ein Weiterführen traditioneller Musik ohne konventionelle Einschränkungen und damit auch ein Erhalten nationaler Identitäten in einer neu verbindenden globalen Gemeinschaft.

Interessant wird hier vor allem der Aspekt der Verwobenheit von Musik und nationaler Zeitgeschichte - vergangener und ganz aktueller: die Terroranschläge von 9/11, die dramatische Arbeitsmarktsituation in Spanien, der syrische Bürgerkrieg, die chinesische Kulturrevolution unter Mao, die islamische Revolution im Iran. Wie Musik und nicht zuletzt Kulturschaffen generell mit nationaler aber auch global-gesellschaftlicher Geschichte untrennbar verbunden sind, ist nicht zuletzt auch philosophisches Thema, auf das der Film schließlich doch nicht weiter eingehen kann. Neville verwendet teilweise Archivmaterial (vor allem um die Biografie Yo-Yo Mas zu umreißen) und filmt Szenen der Live-Auftritte des Ensemble in glänzenden Bildern aus energiegeladenen Kamerafahrten.

Etwas zu stark gerät ihm der Film in seiner offenen Unterstützung für das Projekt Silk Road Ensemble missionarisch. Sein Idealismus für die verbindende Kraft der Musik sei ihm aber unbenommen.

The Music of Strangers - Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble

USA 2015. Regie: Morgan Neville. Polyfilm. 96 Min.