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Naturschutzpolitik in der Zwickmühle

Von Irmgard Inführ Mit zwei von fünf österreichischen Nationalparks und 22 Naturparks ist Niederösterreich Musterschüler in Sachen Naturschutz. Das braucht nicht zu verwundern. Durch die Überschneidung verschiedener Klimazonen und unterschiedliche Höhenstufen finden sich im größten Bundesland Österreichs sehr unterschiedliche, oft gegensätzlich erscheinende Landschaftsformen, die eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt beherbergen. Das Mosaik der verschiedenen Landschaften reicht vom Waldviertler Hochmoor bis zur Weinviertler Steppenlandschaft, vom Wackelstein bis zu den alpinen Regionen (Schneeberg, Rax, Ötscher). Darüber könnten wir glücklich sein, gäbe es da nicht "Natura 2000", das Umweltschutzprogramm der Europäischen Union.

War es Verantwortung gegenüber der Umwelt oder die Aussicht auf viel Geld, was Niederösterreichs Naturschutz-Verantwortliche dazu veranlasste, fast ein Drittel der Landesfläche als Natura 2000-Flächen nach Brüssel zu melden? Dabei handelt es sich um Gebiete, auf die zwei EU-Richtlinien zutreffen: die Flora-, Fauna-, Habitat-Richtlinie (kurz FFH-RL) und die Vogelschutz-Richtlinie (VS-RL). Beide Rechtsvorschriften der Gemeinschaft legen fest, dass sich die Bestände in dem jeweiligen Gebiet, in dem Arten überregionaler Bedeutung leben, halten müssen. Die nominierten Gebiete brauchen dabei nicht unter Schutz gestellt zu werden. Größere Projekte jedoch, etwa Industrieparks, hochrangige Strassen und so weiter - bedürfen der Zustimmung seitens der EU. Das löste bei Bauern, Unternehmer und Jäger heftige Proteste aus. Sie befürchten die Einschränkung ihrer Eigentumsrechte. Darauf hat das Land reagiert und die Natura-Grenzen enger gesteckt - zum Missfallen Brüssels und der Naturschützer. Mittlerweile sind am Europäischen Gerichtshof vier Verfahren gegen Österreich wegen Natura 2000 in Niederösterreich anhängig. Doch noch ist nichts fix, erst im Frühjahr 2001 werden die endgültigen Natura-Flächen feststehen.

Erfolgreiches Nebeneinander Was immer dabei herauskommen wird, die zwei niederösterreichischen Nationalparks und 22 Naturparks auf einer Gesamtfläche von rund 500 Quadratkilometer mit jährlich 2,5 Millionen Besucher bleiben vom Hick Hack unberührt. Sie demonstrieren eindrucksvoll das erfolgreiche Nebeneinander von Naturschutz, Tourismus, Landwirtschaft und Wirtschaft. Sie sind Zentren der Regionalentwicklung, mit einem attraktiven, die Natur schonenden Freizeitangebot - auch im Winter.

Eine ganze Reihe der Naturparks sind ganzjährig geöffnet, wie etwa der Naturpark Nordwald im westlichen Waldviertel an der Grenze zum Mühlviertel. Er verdankt seinen Namen den ausgedehnten Nadelwäldern und den Mooren, die an die riesigen Waldflächen Nordeuropas erinnern. Lange, schneereiche Winter eröffnen viele Wintersportmöglichkeiten, wie Langlaufen, Rodeln, Eislaufen und Eisstockschießen. Und selbst wenn in den Tälern lange, winterliche Nebel ziehen, gibt es im hochgelegenen Naturpark Nordwald oft Sonnenschein.

Ganzjährig frei zugängig ist auch der Naturpark Blockheide - Eibesstein bei Gmünd. Er liegt genau am 15. Meridian östlich von Greenwich, was durch ein entsprechendes Steinmonument dokumentiert wird und ist berühmt wegen seiner Wackelsteine. Von hier lohnt sich ein Abstecher ins nahegelegene Gmünd mit seiner gotischen Kirche St. Stefan, dem alten Rathaus, Schloss und den Sgraffitohäusern.

Sparbach, in der Nähe Wiens wurde vor mehr als 30 Jahren zum 1. Österreichischen Naturpark erklärt. Nur elf Kilometer von der Bundeshauptstadt entfernt bietet er mit seinen romantischen Ruinen und freilaufenden Tieren eine attraktive Ausflugsmöglichkeit. Der Naturpark Sparbach ist in den Winterferien geöffnet.

Wer Lust auf einen Ausflug in die Naturlandschaften Niederösterreichs hat, kann sich auch im Internet schlau machen. Unter www.naturparke.at werden alle österreichischen Naturjuwele, sowie ihre Besonderheiten und Attraktionen vorgestellt. Der virtuelle Ausflug lässt die kurzen, nasskalten Wintertage vergessen und macht vor allem Lust auf Natur. Und er stärkt die Überzeugung, dass sich der sorgsame Umgang mit der Natur lohnt - auch entgegen mancher wirtschaftlicher Bedenken.

Dieser Beitrag wird durch ein Druckkostenbeitrag der NÖ-Landesregierung unterstützt.

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