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Neuer Kulturtanker in Bregenz

Der Neubau des "vorarlberg museum“ wurde pünktlich am 21. Juni dem Publikum übergeben und mit insgesamt fünf Ausstellungen eröffnet; die Kosten wurden sogar um 1 Million auf 34 Millionen reduziert.

Das "vorarlberg museum“ eröffnet mit insgesamt fünf Ausstellungen. Es sind fünf Sonderausstellungen, d.h. es gibt keine Sonder- und Dauerausstellungen, sondern "semipermanente“ Wechselausstellungen, die auf zwei bis fünf Jahre ausgerichtet sind. Die erste nennt sich "Buchstäblich Vorarlberg“ und zeigt 3500 Objekte aus der Sammlung des Hauses in den Kategorien von A-Z. Die zweite Ausstellung, "Lustenau Lagos African lace“, ist eine Übernahme vom Weltmuseum in Wien, da geht es um die Stickereiexporte aus Vor-arlberg nach Nigeria. Eine dritte nennt sich "Römer oder so“; in dieser kann die ganze Familie interaktiv die Dekonstruktion von Klischees mitverfolgen. Die vierte, "Vorarlberg ein making of“, zeigt Vorarlberg als historisches Konstrukt. Die fünfte mit dem Titel "Sein & Mein“ geht der Frage nach, wie Vorarlberg klingt.

Zeitgenössische Kunst

Im ganzen Haus spielt die zeitgenössische Kunst eine große Rolle. Das Landesmuseum ist zwar genauso wie das Kunsthaus Bregenz nicht die Landesgalerie geworden, die eine deklarierte Heimstätte für die hiesige Künstlerschaft geworden wäre, aber es gibt zum Eröffnungstag eine ganze Reihe von zeitgenössischen Positionen im Haus, insgesamt sind etwa 40 zu sehen. Gipfelpunkt in dieser Hinsicht ist sicher der sogenannte "Pumhösl Raum“ im obersten Stockwerk. Dabei handelt es sich um einen von Florian Pumhösl geschaffenen Aussichtsraum, der mit einem 14 Meter langen Fenster die Sicht auf den Bodensee frei gibt.

In unmittelbarer räumlicher Nähe zur Depotausstellung "Buchstäblich Vorarlberg“ sind 26 zeitgenössische Positionen zu sehen, die im weitesten Sinne in Verbindung zum Sammeln stehen. So hat etwa Ferdinand Ruef (1966), ein durchaus humorvoller Beitrag, nachdem ihm seine Kunstwerke auf die Nerven gingen, diese genommen und in einem Metallcontainer zugeschweißt, "eine der Musealisierung nicht unähnliche Handlung“, wie Direktor Rudigier schmunzelnd meint. Die Ausstellung "Lustenau Lagos African lace“ ist für Bregenz weiterentwickelt worden, auf Schritt und Tritt begegnet man dort zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten. Es sei nur die von Klaudia Lässer erwähnt, die den Grundriss einer Stickmaschine am Boden mit Metallplatten nachgestellt hat. Während die Ausstellung "Römer oder so“ ganz ohne zeitgenössische Kunst funktioniert, findet sich in "Vorarlberg ein making of“ u.a. eine schlagende Bild-Skulptur von Wolfgang Flatz, die vor einem Malhintergrund Schaufel und Pickel beinhaltet, sozusagen die klassischen Arbeitsutensilien von Ali und Achmed, wie sich die Arbeit auch nennt. In der Klangausstellung findet sich der Hausgeist von Tone Fink, eine Arbeit aus Papier, Eisendraht und Acrylfarbe, die einen absonderlichen Kopf zeigt.

Andreas Rudigier, der jetzige Chef des Hauses und "Eröffnungsdirektor“, möchte allerdings am Eröffnungstag kein fix fertiges Museum hinstellen, sondern die Dinge müssen sich entwickeln: "Es muss ein Platz werden, wo wir diskutieren dürfen, wo wir streiten und die Dinge anders sehen dürfen.“ Der Direktor geht diesbezüglich sogar noch einen Schritt weiter: "Wenn Sie mit einem Objekt kommen, und sagen, das würde eigentlich viel besser da hinein passen, dann muss es für uns, wenn wir der gleichen Meinung sind, möglich sein, dieses Objekt auch relativ rasch auszutauschen.

Vorarlberg als Begriff

Der Begriff "Vorarlberg“ wurde Mitte des 19. Jahrhunderts konstruiert, und genau diese Konstruktion möchte Andreas Rudigier aufzeigen. Das geht so weit, dass statt einem Rudolf-Wacker-Bild, dem bedeutenden Vorarlberger Vertreter der Neuen Sachlichkeit, ein Pokal von Marc Giradelli einem berühmten Vorarlberger Schiläufer, der allerdings für Luxemburg an den Start ging, gezeigt wird. Die dazugehörige Ausstellung nennt sich "Vorarlberg ein making of“.

vorarlberg museum bis 18. August: tägl. 10—20, Do bis 21 Uhr

ab 20. August: Di—So 10—18, Do bis 21 Uhr

www.vorarlbergmuseum.at

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