Digital In Arbeit

Ohne Herz geht nichts – ohne Badewanne scheinbar auch nicht

Die Wiener Volksoper präsentiert eine Uraufführung für Kinder und Junggebliebene: „Antonia und der Reißteufel“ von Angelika Messner und Christian Kolonovits. Regie: Volksopernchef Robert Meyer.

Mit demnächst fünfhundert Jahren ändert man sich nicht mehr. Darauf setzt auch der Reißteufel. Er hat diese Rechnung ohne seine jüngste Gefangene gemacht. Antonia, mit anderen Kindern im Steinsaal seines alten Schlosses gefangen, will ihm partout ihre Stimme nicht geben. Sie benötigt er aber, um überleben zu können. Denn der Zeitenfresser ist schon seit Langem im Besitz seines Herzens.

So kommt es, wie es kommen muss. Antonia setzt, tatkräftig unterstützt von den beiden köstlichen Fledermäusen Toby und Roby (Martina Dorak und Thomas Markus), alles in Bewegung, um gegen den Widerstand der bösen Kumpane des Zeitfressers, Eile, Sorge, Stress, Neid und Gier sowie des gierigen Zeitenfressers diesem das Herz des Reißteufels zu entreißen, um ihren Mitgefangenen wie dem am Zipperlein leidenden Reißteufel die Lebensqualität wieder zurückzugewinnen. Ganz nach dem Motto: Ohne Herz geht nichts. Zugleich die Moral dieser Story.

Angelika Messner hat die Geschichte geschrieben, Christian Kolonovits die Musik für diese „Pop-Oper für Kinder und Erwachsene“ komponiert. In Wahrheit eine von effektvollen Filmmusiken inspirierte Mischung aus Oper, Operette, Musical und Pop-Einsprengseln, die, je länger die Aufführung dauert, ihre Wirkung nicht verfehlt.

Kinderchor explodiert vor Glück

Das hat mehrere Gründe. Zum einen die das Geschehen lebendig nachzeichnende Regie von Volksopernchef Robert Meyer (dessen Vertragsverlängerung wohl schon in nächster Zeit verkündet werden wird). Zum anderen die opulente, das Sujet bewusst ins Märchenhafte hebende Ausstattung von Cristof Kremer. Sie frönt noch dazu einem gegenwärtigen Trend, womit man neuerlich – wie jüngst bei Haydns „Il mondo della luna“ im Theater an der Wien und „Macbeth“ in der Staatsoper – gleich im ersten Bild des Stücks mit einer Badewanne konfrontiert wird.

Die Hauptrollen sind nicht nur prominent, sondern zum Teil doppelt besetzt. So alternieren in den einzelnen Aufführungen als Antonia Johanna Arrouas und Elisabeth Schwarz, als Reißteufel Daniel Schmutzhard und Marco di Sapia, als die hier als Dea ex Machina eingesetzte Urstrumpftante Ulrike Steinsky und Regula Rosin. Markus Winkler und Yasushi Hirano sind abwechselnd in der Rolle des von seiner Körperfülle beherrschten Zeitenfressers eingesetzt. Martin Bermoser kommt die nicht einfache Aufgabe zu, Reißteufels erst ganz zum Schluss seine Energie und Stimme wiederfindenden Diener Jonathan zu mimen.

Christian Kolonovits hat nicht nur die Musik geschrieben, sondern steht auch an der Spitze des groß besetzten Volksopernorchesters, das mit sichtlichem Spaß, hörbarem Schmelz und Freude an den zahlreichen rhythmischen Pointen dieser knapp zweistündigen Partitur musiziert. Und zum Schluss, wie es im Libretto heißt, explodiert auch der Kinderchor „vor lauter Kraft und Glück“.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau