Only Mozart? Intendant Villazón setzt auf thematische Reduktion.

Im Vorjahr war er noch Mozart-Botschafter. Mittlerweile ist Rolando Villazón zum Intendanten der Salzburger Mozartwoche aufgestiegen. Fünf Jahre läuft sein Vertrag, so er diesen Posten nicht vorzeitig verlässt, wie zahlreiche seiner Vorgänger. Ein Konzept für diese Zeit hat er. Er will in diesen Jahren ausschließlich auf Mozart setzen. Programme mit Beziehungen zu anderen Zeitgenossen, gar Zeitgenössisches oder Kompositionsaufträge, was frühere Mozartwochen so spannend machte, sind damit Vergangenheit.

Dieser selbst auferlegten thematischen Einschränkung des einstigen Sängerstars, der seine Erfahrung künftig im Musikmanagement einbringen will, steht eine Ausweitung der bisherigen Aufführungsorte gegenüber. Ganz Salzburg, so Villazóns erklärter Wunsch, soll quasi zur Mozart-Bühne werden. Nicht ganz neu diese Idee, eine ganze Stadt zur Bühne zu machen. Ob und wie das funktionieren wird, weiß man am Ende dieser ersten von ihm verantworteten Mozartwoche, wenn Besucher-und Auslastungszahlen vorliegen. Ganz so ernst, wie er stets betont hat, scheint der Neo-Intendant sein "Only Mozart"-Programm allerdings nicht zu nehmen. Das zeigte schon seine erste szenische Premiere, Mozarts "Thamos, König in Ägypten". 17 Jahre alt war Mozart, als er zu dem gleichnamigen, längst vergessenen Drama eine -zudem seine einzige -Bühnenmusik komponierte: einige Chöre und Zwischenaktmusiken. Meisterwerke oder frühe Zeugnisse eines Genies? Die Beurteilungen gehen auseinander.

Warum nicht bei einem Festival, das ausschließlich dem Genius Loci huldigen soll, eine Renaissance auch dieses Werks versuchen? Das war wohl Villazóns Absicht. Das ist gründlich danebengegangen. Denn konfrontiert wurde man mit einem ausschließlich auf Effekte setzenden, von Symbolen unnötig überfrachteten Spektakel, das diesen Mozart nicht nur mit anderen seiner Werke, sondern auch mit algorithmischer Musik kombinierte und das Libretto mit Texten anderer ziemlich willkürlich erweiterte.

Aus "Thamos" machte Regisseur Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) damit T.H.A.M.O.S., wie er im Programmbuch wortreich zu erklären versucht. In seiner Lesart, die oberflächliche Wirkung vor gehaltvolle Auslotung stellt, geht es in diesem Sujet nämlich um den Kampf gegen neue Technologie, die den heutigen Menschen längst zum Sklaven gemacht hat. Mehr als weit hergeholt. Aber auch musikalisch war's alles andere als festspielreif. Ein ausgezeichneter Sänger allein, René Pape, ist für eine Festivalproduktion zu wenig. Apropos "Only Mozart": Zur Eröffnung nächstes Jahr erklingt Händels "Messias" in Mozarts Bearbeitung. Erneut ein Sidestep ...

T.H.A.M.O.S. Felsenreitschule, 1. Feb.

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