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Oper als Kritik an der Macht der Medien

Oft bleiben von einer Oper nur ein Duett und eine Arie. Wie von Georges Bizets so einschmeichelnden wie mit dem Kitsch kokettierenden "Les Pêcheurs de Perles“ ("Die Perlenfischer“). Auch der Plot - zwei Männer versprechen sich, auf ein- und dieselbe Frau zu verzichten, die wiederum sich der Keuschheit verschworen hat, um auch künftig Freunde bleiben zu können, was sich ändert, als sie unvermutet auf derselben Insel zusammenkommen - ist nicht gerade der Stoff, den man aktuell nennt und nach dem sich eine so avancierte Regisseuse wie die Niederländerin Lotte de Beer, am Beginn ihrer Karriere Assistentin eines Pierre Audi oder Peter Konwitschny, sehnt.

Also hat sie den Dreiakter für diese Produktion im Theater an der Wien entsprechend adaptiert. Sie bettet die mehr dem Zufall denn der Logik verpflichtete Handlung (mit der übrigens schon die damaligen Librettisten Eugène Cormon und Michael Florentin Carré wenig zufrieden waren) in das Format eines Reality-TV ein. Was dazu führt, dass man im Hintergrund (exzellent gespielt und gesungen vom Arnold Schoenberg Chor) Menschen unterschiedlichster Art vor dem Fernseher sitzen und stehen sieht, die, vom Moderator der Show (im Original der Leila im Tempel beschützende Hohepriester) angefacht, sich immer wieder der Abstimmung stellen, ob die beiden Wortbrüchigen begnadigt oder getötet werden sollen. Erwartungsgemäß, dass bei dieser aufgeheizten Stimmung die Voten für den Tod weit vor denen für die Gnade rangieren.

Ausdrucksreiche und feurige Passagen

Das Konzept aktualisiert das Sujet - Leilas Flucht auf die Insel wird zudem als spirituelle Reise gedeutet - und die Deutung wurde sichtbar von Suzanne Collins verfilmter Romantrilogie "Die Tribute von Panem“ inspiriert. Gleichzeitig werden Macht und Manipulationsfähigkeit der Medien unverhohlen kritisiert. Was während dieses Abends zuweilen mehr Aufmerksamkeit erregte als die Geschichte und Bizets Musik, die - wie es schon der gestrenge Kritiker Berlioz einst feststellte - nicht nur schöne und ausdrucksreiche, sondern auch feurige Passagen enthält.

Darauf verstand sich das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Jean-Christophe Spinosi besonders. Weniger überzeugend wirkte so manche lyrische Passage der Partitur. Auch dynamisch hätte man sich einiges feingefächerter gewünscht. Dominiert wird die vierköpfige Sängerriege von einer sich ideal in diese Szenerie fügenden virtuosen Diana Damrau in der Partie der Leila. Kraftvoll und artikulationsklar agieren auch die ihr zur Seite stehenden Männer: der höhensichere Dmitry Korchak (Nadir), der profunde Nathan Gunn (Zurga) und der sonore Nicolas Testé. Er bewältigt seine ihm hier zugeordnete Kommentatorenaufgabe mit solcher Souveränität, als wäre sie für ihn normales Tagesgeschäft.

Les Pêcheurs de Perles

Theater an der Wien: 22., 25., 28., 30. November

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