Der Carinthische Sommer war ein Erfolg. Auf 2008 darf man gespant sein.

Es waren reduzierte, aber höchst stimmige Klänge, die den Raum der barocken Stiftskirche Ossiach ausfüllten, wobei alle nur erdenkliche Spielarten und Klangfarben der Instrumente ausgenützt wurden. Und sie wurden vom feinen, nur aus sieben Musikern bestehenden "Instrumentalensemble des Carinthischen Sommers" ohne Dirigenten gekonnt zum Klingen gebracht.

Ich, Hiob (Musik: Thomas Daniel Schlee, Libretto: Christian Martin Fuchs) hieß die Kirchenoper, die beim Carinthischen Sommer uraufgeführt wurde. Der Tenor Kurt Azesberger sang die von Gott schwer geprüfte Bibelgestalt nuancenreich, textverständlich und ausdrucksstark. Ihm zur Seite ein Engel, die Stimme Gottes, von Ursula Langmayr kraftvoll und rein gesungen. Minimalistisch, mit einfachsten, abstrakten Mitteln im kleinen Altarraum mit durchscheinenden Tüchern und nahezu ohne Requisiten, aber einfühlsamem und suggestivem Licht, das auch Teile des Innenraums anstrahlte, hat Mascha Pörzgen inszeniert. Dabei ließ sie die Titelfigur stehend, kauernd und kriechend leiden und nützte mit der Figur des Engels und den Musikern auch geschickt den gesamten Kirchenraum.

Positiv waren Kritiken und Publikumsnachfrage zu dieser Produktion - sämtliche Aufführungen waren ausverkauft, weshalb Ich, Hiob 2008 wiederaufgenommen wird. So wird es nächstes Jahr zwei Kirchenopern, die seit Anfang zum Charakteristikum und Rückgrat des Kärntner Paradefestivals zählen, geben. Denn wie bereits angekündigt wird ebenfalls Mary of Egypt - eine religiöse Legende aus dem Mittelalter, vertont von Sir John Tavener - uraufgeführt werden. "Es ist mir außerdem eine große Freude, dass es kommenden Sommer gleich zwei neue Musiktheaterproduktionen für Kinder geben wird," verrät Intendant Thomas Daniel Schlee glücklich im Furche-Gespräch.

Kirchenoper im Zentrum

Glücklich zu recht, denn die diesjährige Auslastung der Festspiele lag bei insgesamt 83 Prozent, wobei von den rund 40 Veranstaltungen immerhin 12 ausverkauft waren. Neben der Kirchenoper begeisterten noch zwei Spitzenkonzerte das Publikum zum Finale: Das mit schlankem Klang und sehr präzise spielende RSO Wien unter Bertrand De Billy bot Ludwig van Beethovens Trauermusik Egmont mit dem wortdeutlichen und seine Rolle stark gestaltenden Tobias Moretti sowie Beethovens 5. Symphonie in einer straffen und mitreißenden Interpretation. Ein herausragender Abend war schließlich der Auftritt des London Symphony Orchestra unter seinem neuen Chefdirigenten, dem suggestiv und spannungsgeladen agierenden Valerie Gergiev im Congress Center in Villach, der zweiten Hauptspielstätte des CS: Tschaikowskys und Prokofjews Romeo und Julia sowie Debussy La Mer in einer fulminanten Wiedergabe.

Aber es gab noch viele weitere künstlerische Highlights: Das Auftreten von hoch begabten Nachwuchskünstlern wie dem Pianisten Juho Pohjonen oder dem Pavel Haas Quartett sowie "eine Sternstunde der Kammermusik", das Konzert der Wiener Philharmoniker Wolfgang Schulz, Franz Bartolomey und Xavier de Maistre aber auch der Auftritt von Rudolf Buchbinder, der spanischen Flamencotänzer oder der Romatruppe "Ciocarlia".

Wie überhaupt durch diese neue programmatische Buntheit und Öffnung, die stark angenommen wurde, neue Publikumsschichten, vor allem Jugend, erreicht wurden, von denen Schlee hofft, sie auch zukünftig bei anderen Konzerten begrüßen zu können.

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