Über Jahrzehnte war der ORF nicht nur das unbestrittene Leitmedium des Landes, sondern ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen. Beides, Leitfunktion und finanzielle Sicherheit, sind schon seit längerem gefährdet. Alexander Wrabetz, vor einem Jahr durch Rot und Grün, Blau und Orange in die mediale Spitzenposition des Landes gehievt, hat die Krise des ORF nicht beseitigt. Im Gegenteil: Unter seiner Führung hat sich diese Krise noch verschärft.

Die "größte Programmreform aller Zeiten" hat zum Quotenabsturz geführt - binnen einem Jahr hat der Wrabetz-ORF ebenso viele Zuschauer verloren wie der Lindner-ORF binnen vier Jahren, nämlich fünf Prozent. Mindestens so bedrohlich wie diese Entwicklung ist die versäumte Strukturreform. Ein Unternehmen mit mehr als 4000 Mitarbeitern und fallenden Einnahmen kann nicht weiter wie bisher am Programm sparen, sondern muss seine organisatorischen und personellen Strukturen überdenken. An einer Abschlankung des ORF, in der Zentrale und den Landesstudios, führt kein Weg vorbei. Denn eine Erhöhung der Gebühren ist wohl auszuschließen.

Der dritte, für die Zukunft entscheidende Bereich ist die Positionierung des ORF in der neuen digitalen Medienwelt. In Alpbach hat der ORF-Generaldirektor jüngst einen Informations- und Kulturkanal angekündigt, was sich gut anhört, aber mit Vorsicht zu genießen ist, liegt doch der Verdacht nahe, dass damit Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ausgelagert werden. Spartenkanäle können nur zusätzliche Angebote, aber keinen Ersatz für Information und Kultur im Vollprogramm liefern.

Programm, Struktur und Strategie für die Zukunft des ORF: diese Themen müssten eigentlich die Stiftungsräte aller Couleurs umtreiben - und auch die Initiative SOS-ORF, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht zur Gänze verlieren will.

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