Digital In Arbeit

Pandemie der Angst

Es gibt Tage, da versteh' ich die Welt nicht, und meine Hoffnung ist paralysiert. Da scheint der Wind der Geschichte, der die Erinnerungen verweht, zum Sturm anzuwachsen, so dass nicht einmal mehr Gegenwart entstehen kann. Heute habe ich so einen Tag.

Eine neue verheerende Grippe ist im Entstehen, der Vogelgrippevirus H5N1 könnte zu einem Menschengrippevirus mutieren. Einige Menschen sind ja schon befallen worden, irgendwo in Asien, und sechzig angeblich auch schon gestorben. Die who befürchtet eine Pandemie wie die, die 1918 bis 1920 von Spanien ausging und 500 Millionen Menschen erfasste, von denen 22 Millionen starben.

Eine Pandemie ist schon ausgebrochen - in der Methode, wie sie abgewendet werden soll: Landstriche werden unter Quarantäne gestellt, ganze Vogelpopulationen ausgerottet, die Lebensgrundlage von hunderten kleinen rumänischen Hühnerzüchtern zerstört, die eu stoppt alle Vogelfleischimporte, in Bukarest werden die Strassen mit Desinfektionsmitteln gewaschen. Die Forscher von einschlägigen Pharmakonzernen stehen Gewehr bei Fuß, sofort einen Impfstoff zu entwickeln, wenn der erwartete Mutant endlich gesichtet wird. Derweilen decken sich Staati und Privati vorsorglich mit einem Medikament gegen die Grippezukunft ein, und Millionengewinne werden eingefahren. bse-Bekämpfung zum Kubik.

Wenn dann aus irgendwelchen Gründen trotzdem eine oder keine Grippepandemie gekommen sein wird, könnte jemand auf die Idee kommen, dieses Modell gegen alle "drohenden Gefahren" einzusetzen. Wer weiß, ob nicht zum Beispiel drei der Migranten aus Schwarzafrika, die gerade die spanischen Exklaven in Marokko, Melilla und Ceuta, bestürmen, eine neue gefährliche Krankheit in sich tragen...

Der Autor ist Wissenschaftlicher Direktor der Joanneum Research Forschungsgesellschaft in Graz.

FURCHE-Navigator Vorschau